Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Herrn Kraft stinkt es: Bei Regen läuft der Keller voll
Lokales Segeberg Herrn Kraft stinkt es: Bei Regen läuft der Keller voll
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:49 05.03.2016
Filipp Kraft und etliche andere Mieter aus dem Wohnblock am Surahammarweg fühlen sich allein gelassen: Weiße Rückstände, die wie Waschpulver wirken, sind von der Desinfektion geblieben. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop(2)/hfr

„Es hat so bestialisch gestunken, dass es nicht zum Aushalten war", Filipp Kraft schüttelt angewidert den Kopf. Schon seit vielen Jahren lebt er in Wahlstedt, seit 2013 am Surahammarweg. Seine kleine Rente reicht gerade für eine einfache Wohnung in einem Wankendorfer Wohnblock mit 20 Mietparteien. Und eigentlich ist Filipp Kraft ein freundlicher älterer Herr, der keinen cholerischen Eindruck macht. Doch wenn er an die besonders regenreichen Tage denkt, dann wird er sauer. Immer wieder läuft dann der Keller unter seiner Wohnung voll.

„Es hat so bestialisch gestunken, dass es nicht zum Aushalten war", Filipp Kraft schüttelt angewidert den Kopf. Schon seit vielen Jahren lebt er in Wahlstedt, seit 2013 am Surahammarweg.

Überall Abwasser: Waschküche, Trockenraum, einzelne Keller-Parzellen. „Manchmal so hoch“, sagt der 68-Jährige und deutet mit den Händen um die zehn Zentimeter an. Irgendwann habe die Wankendorfer Beton-Sockel vor die Keller-Parzellen der Mieter schütten lassen, damit wenigstens die trocken bleiben — geholfen hat es nichts. Offenbar hat der Kanal bei Starkregen ein Problem, so dass das Abwasser hier, am Ende der Straße, nach außen drückt. „Abwasser? Das ist Kloake!“ Beim letzten Mal, das ist gerade zwei Wochen her, hätten die Mieter — nachdem mehrfach abgepumpt wurde, und das Wasser doch wieder kam — zwei Tage darauf gewartet, bis erneut eine Firma anrollte, um Hand anzulegen. „Sie können sich den üblen Geruch gar nicht vorstellen“, schimpft Kraft und zeigt Fotos, die er gemacht hat. „Das geht schon ewig so. Und keiner bekommt es hin“, klagt eine ältere Dame aus dem ersten Stock. Ein anderer Mieter nickt bestätigend. Zwar sei man bei der Wankendorfer immer recht freundlich, doch das Problem werde nicht gelöst, ärgern sich viele aus dem Haus.

Im Wahlstedter Bauamt hat man als Übeltäter Hygieneartikel wie Tücher, Tampons ausgemacht, die immer wieder dafür sorgten, dass das Rohr verstopft. „Der Hauptkanal an der Kronsheider Straße ist stark verschlammt, das haben Untersuchungen ergeben und das würde die Vermutung stützen“, so Bauamtsleiter Torsten Maaß nach einem Gespräch mit dem Zweckverband, der für den Abwasserkanal zuständig ist.

Hinzu komme, dass das Gefälle dort am Ende des Surahammarwegs, ein paar Schritte von der Kronsheider Straße entfernt, nicht besonders groß sei. Das Problem sei also hausgemacht, weil Dinge ins Klo gekippt werden, die dort nicht hineingehören. Man könne da nur an die Mieter appellieren. „Und dann müsste man sich ansehen, ob die Rückstauklappe am Keller womöglich defekt ist. Aber das ist Sache des Eigentümers.“ So landet der Schwarze Peter bei der Wankendorfer. „Diese Ursache können wir nicht bestätigen. Unsere Leitungen wurden untersucht. Da ist alles in Ordnung, auch die Rücklaufklappe“, kontert Gregor Bunde, Prokurist bei der Wohnungsbaugenossenschaft. Er wisse um das Problem „immer bei Starkregen“. Das sei für ihn ein klares Indiz dafür, dass der Abwasserkanal schlicht überlastet sei. „Die Stadt weiß das seit Jahren“, so Bunde. „Wir haben geholfen, gepumpt, desinfiziert“, ergänzt er. Er setzt nun auf die Sanierung des Kanals beim Ausbau der Kronsheider Straße. Für Filipp Kraft und seine Nachbarn ein Hoffnungsschimmer.

Von Heike Hiltrop

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige