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Segeberg Heute gilt’s: Wer schießt den Vogel ab?
Lokales Segeberg Heute gilt’s: Wer schießt den Vogel ab?
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23:19 19.08.2016
Am Donnerstag liefen die Vorbereitungen: Das Banner vor der kleinen Tribüne ist angebracht, das Festzelt steht. Letzter Handgriff an die dekorative Kunsttannen-Girlande von Siegfried Müller: Passt. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Seit gestern macht der Schützenplatz seinem Namen alle Ehre: Es ist Schützenfest in Wahlstedt. Und das startet bei der Gilde traditionell mit dem Aufziehen des Vogels, den Ehrungen für langjährige Mitglieder und einem Kommers, der gestern Abend stattfand.

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Wahlstedts Schützengilde lädt zum großen Fest ein – Majestät Rita wird abgelöst.

Heute gilt’s, denn da wird die Armbrust angelegt und mit stählernen Bolzen auf den schwarzen Holzvogel gezielt. Wer ihn enthauptet, der wird als neue Majestät gefeiert. Zuvor muss der gefiederte Gelbschnabel jedoch ordentlich Federn lassen, müssen Zepter und Reichsapfel mit gezieltem Schuss aus den Klauen des gekrönten Adlers entrissen werden. So sagen es die Regeln.

Das kann mitunter dauern, wie der Wettkampf zum 350. Gildejubiläum im vergangenen Jahr zeigte: Damals hatte niemand damit gerechnet, dass der Schlagbolzen der Armbrust erst schwächelte und das Zielobjekt sich dann auch noch als besonders zäher Flattermann entpuppte. Er musste mit der Stichsäge geschwächt werden. Erst nach fast fünf Stunden schoss Rita Döring um 20.54 Uhr den Vogel ab und sich „gefühlt mit dem 30. Schuss“ zu Königswürden.

Heute geht die Amtszeit Ihrer Majestät Rita zu Ende. Man darf gespannt sein, wer ihr nachfolgen wird. „Es wird immer schwieriger“, bedauert Hartmut Herrmann, Vorsitzender der Schützengilde, und erinnert an Majestät Monika, die bereits vier Mal die Schützenkrone trug.

In Wahlstedt gilt seit Langem, dass der beste Schütze König beziehungsweise Königin wird. Außerdem hat die Gildemajestät nichts mehr auszustehen, muss sich weder für ausschweifende Feierlichkeiten noch prunkvolle Kleidung finanziell belasten. Und doch sind die Reihen der Wettkämpfer dünn. Herrmann: „Die Majestät schmeißt bestenfalls ’ne Runde. Niemand ist verpflichtet, Großartiges zu machen, und trotzdem haben die älteren Mitglieder kein Interesse.“ Und so setzt er auf die kleine Gruppe jüngerer Aktiver. Nicht einmal 20 seien es, schätzt Herrmann: „Sieben Luftgewehrschützen ein paar Pistolenschützen – die Bogensparte ist dagegen mit 25 Leuten groß.“ Vielleicht, so der Vorsitzende, müsse man für die Zukunft das Gesamtkonzept Schützenfest mal überdenken, denn auch zum Traditionsmarsch der Schützengilde am Sonntagmorgen fänden sich nur noch wenige ein. Doch nun hofft er erst einmal darauf, dass der schwarze Holzvogel in fröhlicher Runde gerupft wird und sich auch in diesem Jahr eine Majestät für die Wahlstedter Schützengilde von 1665 findet.

Das ist los am Schützenplatz in Wahlstedt

Ihre Majestät Rita wird heute um 13.10 Uhr abgeholt. Anschließend marschieren die Schützen zur Gilde, wo ab 16 Uhr das Königsschießen beginnt. Schwarzpulvervorführungen und Wettkämpfe um die buchstäbliche Wurst gehören ebenfalls dazu. Für 20 Uhr ist die Königsproklamation terminiert. Danach soll ordentlich gefeiert werden. Alle Wahlstedter sind willkommen.

Am Sonntag ab 10.30 Uhr beginnt der Abmarsch zur Königseinholung am Rathaus und Ständchen vor dem Paul-Gerhardt-Haus. Nach dem Gottesdienst und der Kranzniederlegung geht es zurück zum Gildeheim. Dort werden gegen 14 Uhr die Ritter und Federschützen geehrt. In der kommenden Woche startet das Training für die Betriebswettkämpfe im September. hil

 Heike Hiltrop

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