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Hexenverbrennungen vor 300 Jahren

Warder Hexenverbrennungen vor 300 Jahren

Pastor Wolters, Amtszeit 1666 bis 1697, dokumentierte Hinrichtungen und Morde (Teil 2).

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Joachim von Brocktorff (1607 - 1680) , Gutsherr von Wensin, Rohlstorf und Gaarz, war oberster Gerichtsherr.

Warder. „Allerhand traurige Fälle“ hatte Petrus Wolters, 1666 bis 1697 Pastor in der Kirche zu Warder, die Schicksalsschläge, Morde und Unfälle seiner Zeit übertitelt. Die Lübecker Nachrichten berichten in loser Folge über die dokumentierten Fälle von damals, sie sind ein Spiegelbild des damaligen Denkens und des bäuerlichen Alltags der Menschen rund um die Kirche am Wardersee.

Zu den heute kaum nachvollziehbaren Exzessen gehörten im 17. Jahrhundert auch die Hexenprozesse. Der pensionierte Pastor Christoph Frommhagen hat in den vergangenen Jahren die Wolterschen Annotationen, die zwar in sauberer Handschrift dastehen, aber für einen Laien heute kaum lesbar sind, übertragen und „übersetzt“. Frommhagen sieht in den Berichten des damaligen Pastors Wolters, der die verurteilten Frauen zum Teil bis zum Scheiterhaufen in Quaal oder Garbek seelsorgerisch begleitet hat, trotzdem eine „gewisse kritische Distanz“ zu den Hexenverbrennungen. Allein weil Wolters von Hexenverfolgungen in seinem Kirchspiel Warder berichtete, könne nicht daraus gefolgert werden, dass der Pastor Anklage, Folter, Verurteilung und Hinrichtung der Frauen — manchmal waren die Opfer auch Männer — gut geheißen oder gar selbst forciert habe.

Auf den adeligen Gütern lag die Gerichtshoheit. Von den Gutsherren wurden in damals regulären Gerichten auch die Hexenprozesse geführt. Gutsherr war Joachim von Brocktorff. Dieser erbaute 1642 das Herrenhaus auf Wensin. Zu seinen Gütern zählte auch Rohlstorf und das Gut Gaarz bei Oldenburg in Holstein. So wurden bei Garbek im September/Oktober 1674 sechs Frauen und ein Mann, die eigentlich aus Gaarz stammten, verbrannt. Es wird von Petrus Wolters auch berichtet, dass am 8. Mai 1668 Frau und Tochter eines wenige Jahre zuvor auf dem Kagelsberg erhängten Pferdediebes, Dethlef Knesecke Höfner, am 8. Mai 1668 nebst noch anderen vier Menschen aus Garbek — es handelte sich um Jochims Möllers Frau, Gretie Dufeß, Gretie Hackes, Anke Hackes — „der Zauberey wegen angeklaget, und nach der Überweisung und Geständniß zum Feuer condemniret“ wurden. Verbrannt wurden sie, nachdem man sie vorher stranguliert hatte. Die Exekution erfolgte in Quaalerfelde „auf einem da seienden kleinen Hügel“.

Frommhagen ist sicher, dass Gerichtsherr Joachim von Brocktorff trotzdem kein großer Anhänger von Hexenverfolgungen war. In dem fernen Gut Gaarz hatten die dortigen Pastoren die Verfolgung von Frauen als Hexen vorangetrieben. Und Joachim von Brocktorff hing als zuständiger Gutsherr mit drin. Zumal ein Dr. Niemann, Hochfürstlicher Generals Superintendent, ein Scharfmacher, Brocktorff mit einem Schreiben an sein Amt als Gerichtsherr und „die Abstrafung des Bösen“ erinnerte. Das heißt, die sechs Frauen aus Gaarz — es waren die Elsche, die Schmedesche, die Rodesche, die Berensche, die Struckesche, die Lübkersche, die Schwartbauersche und ein Hans Dahl — sollten bei Garbek verbrannt werden. Was auch geschah.

Damit nicht genug. Eine Frau konnte sich damals durch Flucht einem Hexenprozess entziehen. Als um 1670 auch die Ehefrau des Quaaler Hufners Jochim Blunke der Zauberei verdächtigt wurde, verließ

sie Ehemann, die kleinen Kinder und tauchte spurlos unter. Die Ehe wurde später durch das Segeberger Konsistorium geschieden, und Jochim Blunke verheiratete sich am 6. November 1671 mit Elsche Hintze aus Warder, ermittelte Frommhagen aus den Kirchenbüchern.

Wolfgang Glombik

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