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Segeberg Hier Flüchtlinge – dort Firmen, die dringend Kräfte suchen
Lokales Segeberg Hier Flüchtlinge – dort Firmen, die dringend Kräfte suchen
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20:16 06.07.2017
Murat Atakaya (l.) im Gespräch mit Bülent Türkyilmaz von der Industrie- und Handelskammer.

Das war ein Gewusel und Gedränge: An einigen Messeständen standen die Flüchtlinge und Asylbewerber geduldig Schlange bis sie dran kamen. Bei der Berufsmesse für Geflüchtete in der Kreissporthalle ging es um Informationen, Kontakte, Tipps und vor allem um Jobs und Praktika für Flüchtlinge. Teilweise waren ganze Klassen mit jungen Migranten gekommen, die sich über Ausbildungsberufe und Bildungsabschlüsse informierten. Aber auch ältere Flüchtlinge und ihre Betreuer suchten Kontakte an den Ständen.

Für das Bad Segeberger Berufsbildungszentrum (BBZ) war als Veranstalter die Messe in der Halle eine gelungene Premiere. Abteilungsleiter Berufsvorbereitung, Fatih Sengenc, sprach von fast 400

Schülern aus dem DaZ-Bereich (Deutsch als Zweitsprache), der Gemeinschaftsschulen im Umkreis, die gekommen waren. „Wir haben sehr gute Resonanz von den Ausstellern bekommen, sie waren begeistert über die Sprachkenntnisse der Schüler, das haben sie so nicht erwartet.“

Teilweise hätten die Aussteller, darunter waren Firmen wie Möbel Kraft, Segeberger Kliniken, aber auch die Kreishandwerkerschaft und die Industrie- und Handelskammer, in nur drei Stunden mehr Kontakte mit Besuchern gehabt als bei anderen mehrtägigen Messen. Was beim Rundgang immer wieder auffiel: die Diskussion über Deutschkenntnisse. Ob nun Einstufungen nach A1, A2 oder B1. Sprache, Sprache, Sprache ist das A und O. Nur wer B 1 aufweist, soll Chancen haben, bei entsprechendem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Es gehe ja nicht nur darum, geschickt mit Holz, Metall oder Stein umzugehen, sondern auch das theoretische Rüstzeug an der Berufschule zu erwerben, dafür sind ausreichend Deutschkenntnisse wichtig.

Es gibt reichlich Branchen, die händeringend nach Arbeitskräften suchen. Im Pflegebereich wird gesucht, im Lager werden Kräfte vermisst – von der Gastronomie ganz zu schweigen. Für Murat, Kurde aus der Türkei, Asylbewerber, ist es nicht einfach, in den zahlreichen Verordnungen und Bestimmungen den Überblick zu behalten. Für ihn ist es jetzt erst einmal wichtig, die entsprechenden Zertifikate im Bereich Deutsch als Zweitsprache abzulegen. Dabei hat er Vorerfahrung im Umgang mit Baumaschinen, um zum Beispiel als Gabelstapler-Fahrer oder in ähnlichen Berufen Fuß zu fassen. Doch als noch nicht anerkannter Asylbewerber braucht man Kontakte, ja Kampfgeist, um hier die nötige Qualifikation und Sprache zu bekommen. Das ändere sich fast schlagartig, ja „dreht sich um 180 Grad“ , meint ein Mitarbeiter vom Jobcenter, wenn die Asylbewerber anerkannt sind. Dann sind Deutschkurse sogar vorgeschrieben. Bis dahin sind es für die motivierten jungen Erwachsene verlorene Warte-Jahre.

Bülent Türkyilmaz von der Industrie- und Handelskammer sieht diese Diskrepanz angesichts der dringend gesuchten Arbeitskräfte auf dem Markt auch kritisch. Jedenfalls ist er gleich dabei, auf dem Messegelände die zuständigen Berater anderer Stände zusammenzutrommeln, um die Probleme Murats anzugehen. Inzwischen seien auch viele kleinere Betriebe in ihrer Not bereit, Arbeitskräfte einzustellen, die noch nicht über ausreichend Deutschkenntnisse verfügten. Als wichtige Voraussetzung gilt aber weiter Sprachniveau B 1, sagt Türkyilmaz. Hier könne nur die Volkshochschule mit ihren Kursen helfen, wird Murat erklärt – nur die VHS fehlte leider auf dieser Messe.

Wolfgang Glombik

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