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Segeberg Hier bekommen Schlittschuhe Schliff
Lokales Segeberg Hier bekommen Schlittschuhe Schliff
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21:43 03.01.2018
Dieter Griem hat sich vor rund 20 Jahren eine Schleifmaschine gekauft, die Schlittschuhläufer noch immer gern in Anspruch nehmen. Quelle: Fotos: Irene Burow
Bad Segeberg

Durch die Schutzbrille sieht es so aus, als könnte Dieter Griem noch genauer sehen, wie stumpf die Kufen inzwischen sind. Das Schlittschuhpaar vor ihm ist wie gemacht für einen neuen Schliff: Es hat lange keinen Schleifstein mehr gesehen. Er klemmt einen Schuh in die Maschine und justiert das Gestell. „Es ist wichtig, dass die Kufe exakt auf gleicher Höhe ist wie der Schleifstein“, sagt er. Dann setzt er an und zieht die Kufe ein paar Mal an der rotierenden Scheibe entlang. Die Funken sprühen. Es ist die grobe Vorbereitung. Mit einem Hebel bringt er schließlich die Schleifscheibe in U-Form.

„Als der Ihlsee noch regelmäßig zugefroren war, war bei mir die Hölle los“, sagt Dieter Griem. In seiner Werkstatt hält er einen Schlittschuh in den Händen. „Das sieht übel aus.“ Er ist der einzige weit und breit, der den Schuhen den richtigen Schliff verpassen kann.

Sie sorgt dadurch für den klassischen Hohlschliff an der Kufe – die Kanten werden schön scharf. Denn man muss weder Hockey-Star noch Eisprinzessin sein um zu wissen: Mit scharfen Kufen schlittert es sich besser. Ein Hohlschliff ist die Voraussetzung für stabiles Laufen; scharfe Außenkanten halten die Kufen in der Spur, damit sie nicht seitlich wegrutschen.

Auf dem Land ist es ein rares Handwerk geworden. Man müsste schon in die nächste Großstadt fahren, um seine Schlittschuhe auf Vordermann zu bringen. „Es gibt kaum jemanden, der das noch macht. Ich wüsste zumindest niemanden“, sagt der 67-Jährige, der in der Bad Segeberger Lindhofstraße vor allem Gartentechnik vertreibt. Vor etwa 20 Jahren hat er sich die Maschine angeschafft, aus gutem Grund.

Einst war die Nachfrage so groß, dass er sich in Süddeutschland gezielt auf die Suche gemacht hat. „Beim Waffenhändler in der Kurhausstraße gab es damals eine Maschine, sie ist aber kaputt gegangen“, erinnert er sich.

Dieses Geschäft gibt es schon längst nicht mehr. Und auch wenn der Ihlsee inzwischen nicht mehr so schnell zufriert und zum Eislaufen einlädt – die Leute kommen bis heute oft und gern. Vor allem natürlich im Winter. Denn sie nutzen die Eisbahn bei Möbel Kraft. Oder sie kommen mit neuen Schuhen. „Die sind in der Regel ungeschärft“, erklärt Griem. Darüber hinaus ist nicht jeder Schlittschuh gleich zu behandeln. „Sie werden individuell geschärft. Wer Eishockey spielt, bekommt einen aggressiveren Schliff. Die wollen ja richtig Gas geben und brauchen eine gute Standfestigkeit.“

In seinem Betrieb steht die Maschine ganz hinten in der Werkstatt. Griem nimmt den Schuh von der Maschine und fährt vorsichtig mit der Hand über den glatten Stahl. Die Wölbung ist fast nicht zu sehen. Mit einem Abziehstein fährt er abermals über die Kufe, dadurch werden die Kanten entgratet, wie man sagt. Dadurch verschwinden auch kleinste Unebenheiten, die durch den Schleifvorgang entstanden sind. Denn die Scheibe besteht aus steinernem Material, das mithilfe von Harz zusammengepresst worden ist. Auch sie trägt im Laufe der Zeit ihre Spuren davon, der Durchschnitt wird immer kleiner. „Irgendwann muss sie gewechselt werden“, sagt Griem. So etwa alle hundert Schlittschuhpaare. Er befestigt Klebeband auf der scharfen Kante, zum Schutz des Materials – und der Hände. Dadurch wird die Wölbung viel besser sichtbar. Doch ganz fertig ist er damit noch nicht. Der andere Schuh ist an der Reihe. „Mit nur einem läuft es sich nicht so gut“, sagt er und lacht. Seine Maschine zahlt sich bis heute aus.

Auch ohne echten Winter: Hier kann man Schlittschuhlaufen

In Bad Segeberg vor Möbel Kraft: noch bis einschließlich 7. Januar.

Auf dem Eutiner Marktplatz: Das Eisvergnügen auf der überdachten Eisbahn gibt es bis 7. Januar.

Überdacht in Lübeck: Eislaufen auf dem Markt vom 19. Januar bis zum 4. März.

In Scharbeutz auf dem Seebrückenvorplatz bis 11. Februar.

In Ratzeburg auf dem Marktplatz bis 21. Januar.

 Irene Burow

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