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Segeberg Hier ein Stockwerk weg, dort eines mehr
Lokales Segeberg Hier ein Stockwerk weg, dort eines mehr
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20:38 19.01.2017
Am schicken Holzmodell des Architekten konnten sich Politiker und Besucher ein Bild von dem geplanten 100-Wohneinheiten-Projekt am Nelkenweg machen. Für die anschließende Diskussion mit Politiker und Investoren wäre allerdings ein Lego-Modell zum Umbauen zweckdienlicher gewesen. Quelle: Fotos: Glombik
Bad Segeberg

Für die einen müssen Pläne für den „Koloss vom Nelkenweg“ dringend reduziert, ja gestoppt werden. Für die anderen ist es ein durchdachtes Wohnbau-Modellprojekt mit Öko-Touch, von dem eine Kleinstadt wie Bad Segeberg stadtplanerisch nur profitieren kann. „Ungefähr“ 100 Wohneinheiten sollen am Nelkenweg auf einem Grundstück mit Tiefgarage entstehen, für das vor sechs Jahren Einzelhausbebauung vorgesehen war. Wohnungen sind gefragt. Aber die umliegenden Anwohner sind alarmiert, fürchten Beschattung ihrer Gärten und ein Anschwellen des Autoverkehrs in ihren Wohnstraßen. Vorgestern wurden im städtischen Bauausschuss Kompromisse ausgelotet, wie man dem Bau-Vorhaben vom Nelkenweg die wuchtige Optik nimmt.

Im städtischen Bauausschuss wurde über Bad Segebergs größtes Wohnprojekt verhandelt.

Die Zuschauer im Bürgersaal reagieren unwirsch. „Wenn wir hier nichts mitbekommen, kann das Thema ja gleich in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt werden“, schimpft Anwohner Luzian Roth. Politiker beugen sich über das Holz-Modell des Hamburger Architekten Martin Reichardt, diskutieren im kleinen Kreis, wo man ein Stockwerk wegnehmen kann, wo sich Riegel versetzen lassen. Vielleicht hätte hier ein Legomodell zum Selberbasteln bessere Dienste geleistet. Auch Architekt und Investoren sind nicht gerade glücklich über die Planspiele der Politiker, hier kurzerhand ein Staffelgeschoss wegzunehmen und anderswo aufzustocken. Dabei sei man den Stadtvätern doch schon sehr entgegengekommen.

Anders als vorher geplant, folgen die Baukörper nun der Hanglage des Grundstücks. Die Tiefgarage wird tiefer. Die Gebäudehöhe reiche von von 9,50 bis 12,50 Metern. „Aus unserer Sicht fügen sich die Neubauten durch die Staffelung jetzt besser ein und sind durchgängig niedriger als die Wohnhäuser der Wankendorfer gegenüber“, betont Architekt Martin Reichardt. Der Architekt verweist auf die Tiefgarage, auf das geplante Carsharing-Modell. Der Verkehr werde „unter der Erde verschwinden“. Das sei nicht „Karo einfach“ wie Wohnklötze auf der Wiese und Parkplatzsuchverkehr in der Umgebung.

Aber irgendwann sei „ein Punkt erreicht, dann macht so ein ambitioniertes Projekt keinen Sinn mehr für den Investoren“, warnt der Architekt. Er spricht von der „kritischen Masse“ bei den Wohneinheiten.

An den 100 Wohnungen soll auch nicht geknapst werden. SPD und CDU, voran Joachim Wilken-Kebeck und Adolf Tödt schlagen vor, einen oder zwei Riegel statt auf der Vorderseite am Nelkenweg eher auf der Rückseite zur Berufsschule zu bauen. Wilken-Kebeck (SPD): „Wir finden es gut, dass hier verdichtet wird, Wohnungen werden in Bad Segeberg gebraucht. Um das „Riegelempfinden“ der Anwohner zu beruhigen, könnte man auf der Nordflanke des Bauvorhabens zu den Einfamilienhäusern hin auf das Staffelgeschoss verzichten, dafür im hinteren Bereich aufstocken.

Doch diese Vorschläge kollidieren mit den Plänen des Architekten, im Wohnquartier einen attraktiven grünen Innenhof zu gestalten. Dann werde es dort zappenduster. „Unsere Intention war, den Innenhof nach Südwesten zu öffnen, deshalb haben wir den Riegel am Nelkenweg vorgesehen“, sagt der Architekt. Er muss jetzt prüfen, was geht und was nicht. Bei zwei Gegenstimmen wurde die Einleitung der frühzeitigen Bürgerbeteiligung beschlossen. Die Unabhängigen lehnen das Projekt weiterhin ab, Grüne und BBS bleiben skeptisch.

Wolfgang Glombik

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