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Segeberg Hier kommt das Sägewerk aus Segeberg
Lokales Segeberg Hier kommt das Sägewerk aus Segeberg
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23:08 17.04.2016
Marcel Wendt hat ein gutes Gespür für Holz. Der Henstedt-Ulzburger kennt sein mobiles Sägewerk inzwischen bis zur letzten Schraube. Quelle: Fotos: Spr

Er ist 25 Jahre alt, hat Zimmermann gelernt und sich vor kurzem selbständig gemacht: Marcel Wendt ist stolzer Betreiber eines mobilen Sägewerkes. Während seiner Lehrzeit habe er so ein Ding mal gesehen — „da habe ich mir gedacht: Wenn du mal genug Geld zusammenkriegst, dann kaufst du dir so was.“ Die LN haben den Sägewerksbesitzer im Aktion auf dem Hof des Winsener Landwirtes Thies besucht.

„Ich höre genau, wenn der Motor schreit.“Marcel Wendt

Wendt ist ein ruhiger, besonnener Typ: Inzwischen kennt er seine „Wood-Mizer LT 70“ aus dem Effeff. Fünf Jahre habe er nach diesem Modell gesucht. „Die sind gebraucht schwer zu kriegen. Und wenn die in gutem Zustand sind, kosten die immer noch ein Schweinegeld.“ In der Nähe von Uelzen wurde er fündig. Man spürt sofort: Der junge Mann mag sein Sägewerk. Und er mag die Selbständigkeit.

Mittlerweile hat er mit Klaus Burmester schon einen Mitarbeiter. Zusammen machen sie aus den Stämmen von Bauer Fritz Walter Thies „Kleinholz“. Und zwar ganz exakt nach dessen Wünschen. Mal schneidet Wendt drei Zentimeter starke Bohlen, mal Kanthölzer, mal Latten. Es gibt nicht viele mobile Sägewerke. Im Kreis Segeberg vermutlich drei, meint Wendt. Inzwischen ist er gut im Geschäft. Im 100-Kilometer-Umkreis fährt er zu Kunden, um ihr Holz zu schneiden.

Seine Kunden sind Besitzer kleiner Waldflächen, Bauern mit einem Stück Wald, aber auch Tischlereien und Zimmereibetriebe, die spezielle Wünsche haben. Thies hat etwas Wald. Diverse Eichenstämme liegen auf seinem Hof, einige schon über ein Jahr. Die sehen von außen betrachtet nicht gut aus. Mit dem Radlader bugsiert er einen Stamm auf den Wood-Mizer. Wendt fixiert ihn und richtet ihn aus.

Sechs Meter lange Stämme kann er aufsägen. Mit einer Verlängerung der Maschine wären es drei Meter mehr. „Das sind dann ganz schöne Geschütze.“ Erst recht, wenn sie einen Durchmesser von 90 Zentimeter haben — größere Brocken schafft seine Maschine nicht. Wendt zeigt auf seinem Smartphone einen 90-er Eichenstamm, den er kürzlich zu Bohlen geschnitten hat: „Das war ein ganz schöner Mops“, sagt er stolz.

Birke, Pappel, Buche, Eiche: Wendts Sägewerk schneidet alles. Auch den ollen Eichenstamm von Thies, der äußerlich echt schlimm aussah. Wendt stellt auf der Skala drei Zentimeter ein, die gewünschte Holzstärke. Er wirft den Benzinmotor an, führt den „Sägeschlitten“ sanft durchs Holz. Bei der zweiten Bohle hält er an, nimmt einen Handfeger und säubert die zum Vorschein gekommene Schnittfläche. „Na, ist das was?“, fragt er. Tatsächlich: Die Maserung ist bildschön. „Da kann man klasse Tischplatten draus machen“, sagt Thies.

Er hat Wendt engagiert, weil er Bohlen zur Auskleidung von Gebäuden braucht, Pfähle für Zäune und Balken als Stützen. 58 Euro berechnet der junge Unternehmer pro Festmeter. 15 bis 20 kann er am Tag maximal aufschneiden — „wenn alles flutscht“. Für Thies ist es lohnend, sein Holz vom mobilen Sägewerk zuschneiden zu lassen. Das sei günstiger, als die ganzen Stämme zu verkaufen und den Holzbedarf später im Handel zu decken.

Überwiegend Eiche hat er für Wendt. Durch deren Holz frisst sich die Bandsäge relativ schwer. Dabei darf man es nicht zu eilig habe und die Säge durch Holz „drücken“, als wäre es Fichte. Sie muss sich locker durchfressen. Wendt: „Ich höre genau, wenn der Motor schreit. Kurz vorm Abwürgen tut er‘s am lautesten — das ist wie beim Auto.“

Was ihn echt nervt, sind Nägel, Schrauben und anderes Metall in den Stämmen. Wenn das sich im Kreis drehende Sägeblatt mit tausenden Umdrehungen pro Minute sich da eingräbt, ist es nicht zu überhören. Oft geht dann das Sägeband kaputt. 50 Euro sind dann futsch. Wie lange ein Band hält, „hängt davon ab, wie viele Nägel es trifft. Einmal habe ich sogar ein Hufeisen durchgetrennt“, das jemand an den Baum genagelt hatte. Kein Glücksbringer für ihn.

Von Christian Spreer

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