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Segeberg Hier leben drei Generationen zusammen
Lokales Segeberg Hier leben drei Generationen zusammen
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17:49 04.07.2016
Wohnen unter einem Dach: Die Strengliner Familie Trillmann mit Vater Torsten (54), Großmutter Margarethe (88), Mutter Maren (55) und Sohn Marco (v.l., 20) hält zusammen. Quelle: Fotos: Kullack

Zuerst, Ende der 50er Jahre, da hat es Margarethe Trillmann so gar nicht gefallen im Norden. Auch vermisste sie ihre westfälischen Freunde, die Verwandten. Doch dann wurde sie schnell warm mit den Holsteinern, und inzwischen möchte die 88-Jährige längst nicht mehr woanders leben. Und sie hat Glück: Sie wohnt mit Sohn Torsten (54), Schwiegertochter Maren (55) und Enkel Marco (20) in Pronstorf-Strenglin unter einem Dach.

Ein Familienleben wie das der Trillmanns in Strenglin ist selten geworden – Dabei bietet es Vorteile für alle.

Vater, Mutter, Großeltern, Kind– das ist eine Wohnform, die früher selbstverständlich war. „Im Westfälischen noch mehr als hier“, findet Margarethe Trillmann, der man ihr Alter nicht ansieht – schon gar nicht von der Präsenz her, sie ist geistig voll auf der Höhe. Die heutigen Lebens-, vor allem aber Arbeitsabläufe haben das alte Ideal der Drei-Generationen-Familie, die weder Altenheim noch Pflege von fremder Hand braucht, aufgebrochen. Die berufstätigen Eltern haben kaum die Zeit, sich um die Großeltern – die eigenen Eltern also oder die Schwiegereltern – ausreichend zu kümmern; die Enkel dagegen verlassen meist früh das Haus.

„Auch bei uns ist es nicht die klassische Drei-Generationen-Geschichte“, sagt Torsten Trillmann, lange Jahre Leiter der Sparkassenfiliale in Geschendorf und auch als Gemeindevertreter in Pronstorf aktiv. „Meine Mutter hat ihren abgeschlossenen Wohnbereich und führt ihren Haushalt auch noch weitgehend selbst.“ Trotzdem wird natürlich vieles gemeinsam unternommen, trifft man sich zu jeder Feier und aus anderen Anlässen „unten“ bei den Eheleuten, und diese Familie strahlt insgesamt eine Geborgenheit aus wie man sie anderswo, wo man die Großeltern nur alle paar Monate mal sieht, vergeblich sucht.

Wenn Enkel Marco (20), der gerade mitten in den Abitur-Klausuren steckt, großen Appetit darauf verspürt, dann kocht ihm die Oma schon einmal ein westfälisches Gericht. „Pannas“ zum Beispiel, das sich mit „Pfannkuchen“ nur unvollkommen übersetzen und geschmacklich schon gar nicht vergleichen lässt. „Pannas“ sehen ähnlich aus wie Kartoffelpuffer, werden aber in einer echten kräftigen Brühe mit Mehl angedickt, später mit Griebenschmalz ausgebraten – sie sind also ungleich gehaltvoller und leckerer als der gemeine Kartoffelpfannkuchen.

Mit ihrem 2009 verstorbenen Mann Karl Heinz hatte Margarethe Trillmann in jungen Jahren eine Bauernstelle in einem Dorf in der Nähe von Dortmund. „Doch dort wurden wir fast zugebaut – es gab keine Möglichkeit, selbst den Hof zu erweitern“, erinnert sie sich. So suchte ihr Mann erst bei Preetz, dann bei Kiel – 1958 schließlich begann die Familie neu in Strenglin. Seine ältere, inzwischen an Krebs gestorbene Schwester wurde noch in Westfalen geboren, Torsten Trillmann 1962 bereits auf dem Hof in der Strengliner Mühlenstraße. Als der Vater die Landwirtschaft aufgab, um Viehkaufmann für Nordfleisch zu werden, war der Sohn acht Jahre alt. „Aber Tiere hat mein Vater auch danach immer gehabt. 13 Ponys standen auf dem Hof, gut 100 Schafe – wir haben den ,Immenhof’ gelebt“, erzählt er heute. Eines der Ponys, mit denen damals die Dorfkinder zu 10, zu 15 ausritten, hatte tatsächlich davor in der Fernsehserie „Immenhof“ mitgespielt.

Sich selbst in Richtung Landwirtschaft orientieren, das wollte Torsten Trillmann aber trotzdem nicht: „Wir hatten in der Schule etwas über das Bankwesen erfahren – das hat mich sofort interessiert.“

Auch seine Frau Maren lernte er bei der Sparkasse kennen – ein gemeinsamer Hintergrund vom Lande war dabei durchaus vorhanden: „Mit meinen sechs Geschwistern haben wir in der Jugend täglich 60, 70 Kühe gemolken“, erzählt Maren Trillmann, die aus Tating auf Eiderstedt stammt.

Vielleicht ist es der gemeinsame Hintergrund in der Landwirtschaft, der dieses „Drei-Generationen-Haus“ so selbstverständlich erscheinen lässt. Zwar arbeitet Margarethe Trillmann mit ihren 88 Jahren nicht mehr aktiv draußen – trotzdem ist der Garten ihr Lieblings-Aufenthaltsort. Beim großen, weiß gekalkten Anwesen der Trillmanns muss man schon zwei Mal hinsehen oder selbst vom Fach sein, um darin das ehemalige Bauernhaus zu erkennen. Natürlich fällt es leichter, in einem geräumigen Zwei-Familien-Haus mit drei Generationen unter einem Dach zu leben als vergleichsweise in einer Mietwohnung. Margarethe Trillmann jedenfalls genießt die Nähe zur Familie, die ihr vertraute Umgebung, in der sie weite Teile ihres Lebens verbracht hat . . . und sie mag ihre Spaziergänge mit dem Jack-Russell-Terrier „Charly“. Der wiederum liebt es, mit der Großmutter zu gehen. Wird der Hund von Mittel- und Langstreckler Marco „ausgeführt“, dann muss er schneller rennen als ihm manchmal lieb ist . . .

 Lothar Hermann Kullack

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