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Hochsicherheitstrakt für sensible Daten: 18 Meter unter der Erde

Norderstedt Hochsicherheitstrakt für sensible Daten: 18 Meter unter der Erde

Das Geschäft mit der Datensicherheit boomt: Norderstedter Rechenzentrum nach nur zweieinhalb Jahren zu 70 Prozent ausgelastet — Betreiber planen zwei weitere.

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Akquinet-Geschäftsführer Thomas Tauer, der mit den Norderstedter Stadtwerken das Rechenzentrum in Norderstedt betreibt, vor einem der 350 Racks, in denen die Kunden etwa ein Dutzend Server mit hoch sensiblen Daten lagern können.

Quelle: Fotos: Fuchs

Norderstedt. Hier werden erst seit zweieinhalb Jahren sämtliche Daten der Behörden aus ganz Norddeutschland sicher, vollklimatisiert und jederzeit verfügbar 18 Meter unter der Erde gespeichert. Und schon ist das Rechenzentrum an der Ulzburger Straße in Norderstedt zu 70 Prozent ausgelastet, sagt Thomas Tauer, Geschäftsführer der Firma Akquinet, die das Rechenzentrum gemeinsam mit den Stadtwerken Norderstedt betreibt. „Wir wollen ein zweites Rechenzentrum bauen“, sagt er. „Norderstedt spielt bei diesen Überlegungen wieder eine Rolle.“

Offenbar ist das sichere Auslagern sensibler Daten nicht nur für die Finanz-, Steuer- und Polizeibehörden von Interesse. Gerade Versandhäuser, Banken, Versicherungen und Logistikunternehmen würden zunehmend diese Dienstleistung in Anspruch nehmen, erklärt Tauer. „Unser Unternehmen hat durch den Betrieb unserer vier Rechenzentren in Hamburg, Norderstedt und Itzehoe ein sehr starkes Wachstum erfahren.“ In nur drei Jahren sei die Zahl der Mitarbeiter von 500 auf 650 Beschäftigte gestiegen, von denen etwa 100 in Norderstedt arbeiten. „Zurzeit stellen wir pro Quartal 30 neue Leute ein.“

Diese würden insbesondere für Softwareentwicklung, Systemadministration, Applikationen und den Werkschutz gebraucht.

Denn das Norderstedter Rechenzentrum ist ein Sicherheitsapparat. Das gesamte Gelände ist von einem drei Meter hohen Zaun umgeben, das Dach, die Fassade, das Umfeld, alle Flure und Türen sind videogesichert und rund um die Uhr bewacht. Wer hinein will, muss schriftlich angemeldet sein und sich einem Sicherheitscheck unterwerfen. Jeder Raum und erst recht das Zentrum der Servertechnik ist nur durch zahlreiche Sicherheitsschleusen und mit Zugangscodes abgesicherte Stahltüren und elektronische Schranken zu erreichen. Das gelte für die eigenen Mitarbeiter und die Beschäftigten der 100 Kunden, die persönlich an die Server heranwollen, die zwei Stockwerke tief in der Erde in bis zu 500 Racks in acht auf 25 Grad Celsius vollklimatisierten Räumen stehen.

Ebenso gigantisch wie die Sicherheitstechnik ist auch die Energieversorgung. Das Gebäude ist mit einer Direktleitung vom Umspannwerk mit einer 11000-Volt-Anlage ausgestattet, erklärt Geschäftsführer Tauer. Diese sichert eine permanente IT-Leistung von zwei Megawatt, die kurzfristig sogar verdoppelt werden könnte. Das würde bei einer Vollauslastung des Rechenzentrums einen Stromverbrauch von etwa 17,5 Millionen Kilowattstunden und Energiekosten von bis zu 3,5 Millionen Euro bedeuten. Und dabei weist dieses Rechenzentrum schon die beste Energieeffizienzklasse aus und hat gerade das höchste IT-Zertifikat des TÜV erreicht, das bislang nur dem Computer-Riesen IBM zuerkannt worden sei. „Darauf sind wir als mittelständisches Unternehmen besonders stolz.“ Ältere Rechenzentren verbrauchten das Fünffache dieser Energie. Was auch ein Verkaufsargument ist, denn der Kunde zahlt den verbrauchten Strom selbst, den zwei Zähler unabhängig voneinander dokumentieren.

Sollte es mal zu einem Stromausfall kommen, was in den zweieinhalb Jahren bislang zweimal passiert sei, greift sofort die Notstromversorgung mit Dieselaggregaten, die schon nach 25 Sekunden die volle Leistung bringen und für die in zwei Außentanks jeweils 80000 Liter Diesel in der Erde gelagert sind. Sollten auch die ausfallen, stehen noch mal vier große Doppelbatterien zur Verfügung, die den Betrieb noch einmal für mehrere Stunden aufrechterhalten könnten.

Zudem gibt es in Hamburg auf dem Gelände der Alsterdorfer Anstalten ein völlig gleich gebautes Rechenzentrum, das sämtliche Daten aus Norderstedt ein zweites Mal abgespeichert hat. Das nennt man in der Fachsprache redundant: Falls ein Rechenzentrum wirklich einmal ausfallen sollte, greifen die Behörden und Unternehmen auf ihre identisch gespeicherten Daten im anderen Rechenzentrum zu. Mit Lichtgeschwindigkeit über Glasfaserleitungen. Damit soll ein Höchstmaß an Sicherheit und Verfügbarkeit der Daten gewährleistet werden.

Diesen steigenden Bedarf an Datensicherheit haben auch die Norderstedter Stadtwerke längst als weiteren lukrativen Geschäftszweig erkannt. So haben sie das Rechenzentrum an der Ulzburger Straße für Akquinet gebaut, mit denen sie es gemeinsam betreiben sowie mit Strom und Glasfasertechnik versorgen. Nun planen sie neben dem firmeneigenen noch ein drittes Rechenzentrum in Norderstedt für die Kredit- und Versicherungsbranche errichten zu lassen. Es gehe um eine 30 Millionen-Euro-Investition, kündigt Werkleiter Theo Weirich an.

Speichervolumen von 2,4 Millionen Computern
100 Petabyte Daten können im Norderstedter Rechenzentrum verarbeitet werden, das entspricht etwa dem Speichervermögen von 2,4 Millionen Computern. Ausgelagert sind hier unter anderem die Daten aller Behörden aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
17,5 Millionen Kilowattstunden verbraucht das unterirdische Rechenzentrum bei Vollauslastung. Versorgt wird es von einer 11000 Volt-Anlage mit Direktverbindung zum Umspannwerk.
50 Großrechenzentren gibt es in Deutschland, das Norderstedter hat 28 Millionen Euro gekostet.

Burkhard Fuchs

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