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Segeberg Höhlenkrug-Grundstück soll fast eine Million Euro kosten
Lokales Segeberg Höhlenkrug-Grundstück soll fast eine Million Euro kosten
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00:36 03.10.2017
Der historische Höhlenkrug ist über die Jahrzehnte verfallen. Jetzt wird per Makler ein Käufer für das Grundstück mit denkmalgeschütztem Haus, Backstube und Penthouse gesucht. Quelle: Foto: Glombik
Bad Segeberg

Es war fast „ein fliegender Wechsel“. Sorgenfrey ’raus, Günther rein. Das Kieler Familienunternehmen Günther (39 Filialen), das vor zwei Jahren schon am Bad Segeberger Bahnhof eine Filiale eingerichtet hat, hat gestern die Bäckerei „Höhlenkrug“ in der Fußgängerzone übernommen und als „Willkommensgruß“ und Einstand erst einmal kostenlos 3500 Brötchen verteilt. Heute wird noch in der Filiale gewerkelt, ab Mittwoch, 4. Oktober, ist sie wieder geöffnet, sagt Verkaufsleiter Kay Gehrmann.

Die Weizenbrötchen sind jetzt eckig und nicht mehr rund. Bäckerei Günther übernimmt das Höhlenkrug-Café in der Fußgängerzone. Gleichzeitig bietet ein Makler das Sorgenfrey-Gelände an der Lübecker Straße mit Backstube zum Kauf an. Für fast eine Million Euro.

„Die Weizen - brötchen bei uns sind eckig, sonst ist das Sortiment vergleichbarMoritz Günther Bäckermeister

Bäckermeister und Geschäftsführer Moritz Günther, der sich nach eigener Aussage schnell mit Stefan Sorgenfrey geeinigt hatte, sagt, dass er auf Bewährtes setze, das Sortiment behutsam ergänzen werde.

„Wir möchten Bad Segeberg nichts wegnehmen von seinen geliebten Backwaren, aber wir hoffen, das Angebot um unsere Spezialitäten ergänzen zu können“, sagt Günther. Außerdem seien seine Brötchen eckig und nicht mehr rund wie noch beim Vorgänger Sorgenfrey.

Der möchte nun offenbar nicht mal mehr kleine Brötchen backen. Laut einer Makleranzeige steht das 2400-Quadratmeter-Grundstück mit Backstube und dem historischen Urhaus der Familie in Bad Segebergs Altstadt für insgesamt 990 000 Euro zum Verkauf. Zu dem Gebäudeensemble gehören Laden- und Bürogebäude, diverse Hof- und Freiflächen sowie ein großes Penthouse mit Dachterrasse, Wellnessbereich und einem Schwimmbad. Nutzfläche: über 1000 Quadratmeter. Die großzügigen Flächen seien auch gut in ein Neubaukonzept zu integrieren. Gerade die Hanglage am Kalkberg mache das „architektonisch sehr interessant“, heißt es im Makler-Exposé unter der Überschrift „Leben und Arbeiten am Kalkberg“. Moritz Günther stellte auf LN-Nachfrage klar, dass er die Höhlenkrug-Backstube nicht übernehmen werde.

Eine Backstube habe er selbst in Kiel, außerdem seien seine Filialen mit zusätzlichen Backöfen ausgestattet. Stefan Sorgenfrey war gestern für die LN nicht zu erreichen.

Freunden historischer Bausubstanz tut der Anblick des auch zum Verkauf stehenden Höhlenkrugs unweit vom Rathaus weh. Das denkmalgeschützte und auffällig von Verfall geprägte Gebäude von 1788 verfügt über 384 Quadratmetern Nutzfläche. Es sei unter Beachtung von Denkmalschutzauflagen gut nutzbar als Wohn- oder Bürogebäude, heißt es beim Makler optimistisch. Die LN haben mehrfach über das von Zerstörung bedrohte Haus berichtet. Allein eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes dürfte nach Expertenmeinung mehrere Hunderttausende Euro, wenn nicht gar eine Million Euro kosten. Wäre der historische Höhlenkrug nicht so ramponiert – würde er wohl als schönstes Gebäude der Stadt gelten. Für das Landesdenkmalpflegeamt gehört es jedenfalls zu den wichtigsten stadtbildprägenden Gebäuden in Bad Segeberg. Den Namen „Höhlenkrug“ bekam die damalige Gaststätte 1913 nach der Entdeckung der Kalkberghöhlen.

Schon im April hatte Stefan Sorgenfrey gegenüber den LN angekündigt, dass er sein sieben Generationen zählendes Familienunternehmen an einen anderen Bäcker verkaufen würde. Es habe, so Sorgenfrey im Frühjahr, schon Gespräche mit einem expandierenden Kollegen gegeben, der befand die Produktionsfläche allerdings als viel zu groß für seine Zwecke.

 Wolfgang Glombik

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