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Segeberg Hof Spahr in Erklärungsnot: Fremd-Eier waren schlecht
Lokales Segeberg Hof Spahr in Erklärungsnot: Fremd-Eier waren schlecht
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12:06 23.08.2017
Auf dem Hof Spahr leben fast 50000 Legehennen. Quelle: Foto: Roessler
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Fahrenkrug

Der Hühnerhof Spahr kämpft verzweifelt um seinen guten Ruf. Im Kreis Stormarn und in Hamburg Rahlstedt beschwerten sich laut Zeitungsberichten Kunden über „verschimmelte Eier“ in Supermärkten aus Packungen des Fahrenkruger Eiervermarkters.

Die Bio-Eier stammen offenbar nicht – wie versprochen – von Hühnern aus Fahrenkrug. Spahr hatte sie von einem Anbieter in Niedersachsen zugekauft, die gesamte verdächtige Charge sei schon vergangene Woche aus den Supermarktregalen genommen worden. Inzwischen ermittelt der Verbraucherschutz des Kreises.

„Wir sind reingelegt worden, man hat uns schlechte Eier untergejubelt, da wird jetzt ein Skandal draus gemacht. Das ist für uns eine Katastrophe“, klagt Christian Spahr von dem Traditionsbetrieb (seit 1866) auf LN-Nachfrage. Beim Skandal um das Insektizid Fipronil konnte Familie Spahr noch damit werben, dass in ihren Ställen definitiv kein Fipronil zum Einsatz gekommen sei. „Das haben wir uns von unserem Reinigungs- Dienstleister versichern lassen“, teilte Ulrike Spahr kürzlich mit. Auf den Wochenmärkten erlebe man deshalb gerade einen Verkaufs-Boom bei Eiern. „Es zeigt sich, dass die Menschen auf regionale Lebensmittel vertrauen“, hatte Ulrike Spahr den LN noch vor wenigen Tagen mitgeteilt. Doch jetzt stellt sich heraus, dass nicht alles regional ist – auch wenn „Spahr“

draufsteht.

„Bild“ berichtete kürzlich, dass Kunden bei Edeka in Reinbek (Kreis Stormarn) und in Hamburg faule Bio-Eier mit der Verpackungsaufschrift „Hof Spahr“ gekauft haben. Auch behauptete die Zeitung, dass die Eier über 630 Kilometer vom Erzeuger über mehrere Großhändler und vier Bundesländer bis nach Fahrenkrug und zum Supermarkt unterwegs waren. Die Eier waren von dem Händler zugekauft worden, um Engpässe in der Bio-Eierproduktion zu überbrücken, bestätigt Christian Spahr. „Wir haben uns nichts zu schulden kommen lassen“, beteuert er. Die auswärtigen Eier seien „äußerlich“ in Ordnung gewesen, man habe sie kontrolliert und verpackt.

Es sei „allgemeine Praxis“, Eier zuzukaufen. Wenn ein Stall leer gemacht werden müsse, dann fehlten 30 bis 40 Prozent der Eierproduktion. Spahr stellte klar, dass sein Unternehmen in der Bodenhaltung nichts, im Freiland-Bereich nur unter einem Prozent der Eier und im Biobereich knappe zehn Prozent bei Engpässen dazukaufen müsse. Lediglich drei Endverbraucher hätten sich nun über verdorbene fremde Eier beschwert, „aber unser Ruf ist ruiniert“.

Nicolai Wree, Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbandes, springt Spahr zur Seite. „Hof Spahr ist kein Vorwurf zu machen.“ Der Zukauf von Eiern sei üblich und rechtlich zulässig. Nur einzelne der Eier seien beanstandet worden. Ihm sei unklar, warum die Eier verdorben waren, vielleicht seien sie im Rahmen der Kühlkette feucht geworden. Denn wenn Eier nass werden, verlören sie ihren natürlichen Schutz, Bakterien könnten eindringen, erklärt Wree. Hier liefen noch labortechnische Untersuchungen, ob das für diesen Fall auch gelte.

Sicher ist nur, dass der Kunde an der Ei-Beschriftung nicht erkennen könne, wie viele Händler das Ei weitergeben haben und wo es eingepackt worden ist. Dass in diesem Fall der Weg des Eis vom Produzenten zum Kunden so extrem weit war, überrasche den Geflügelexperten Nicolai Wree aber auch. Er sei sicher, dass alle Spahr-Eier, die jetzt im Handel seien, unbedenklich zu verzehren seien.

Die LN machten gestern die Probe, kauften bei „Famila“ in Bad Segeberg zehn Bio-Eier „Hof Spahr“. Aber auch diese waren keine Originale aus Fahrenkrug. Laut Eier-Aufdruck stammen sie von einem Bio-Hof in Alt-Wittenberg bei Kiel. Immerhin: Diese Fremdeier waren qualitativ in bester Ordnung.

Ei-Stempel

Wer regional kaufen möchte, könne sich da getäuscht fühlen, sagt Gudrun Köster, Referentin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zum Thema „Fremd-Eier“. So gebe es Beschwerden von Kunden bei ihr, wenn diese feststellten, dass auf Verpackungen fälschlich der Eindruck erweckt werde, hier handele es sich um ein regionales Produkt. „Nur der Stempelaufdruck auf dem Ei ist verbindlich“, sagt sie. Nur hier könne man feststellen, ob es sich um ein Bio-Ei handele, ob es es aus Schleswig-Holstein oder einem anderen Bundesland stamme und von welchem Produzenten. Nach Ansicht von Gudrun Köster wäre es „am besten für alle Beteiligte“, wenn der Gesetzgeber das neu regelt und auf der Verpackung der Eier-Produzent vermerkt wird.

 Wolfgang Glombik

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