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Segeberg Gemeinsam statt einsam: Begegnung im Trauer-Café
Lokales Segeberg Gemeinsam statt einsam: Begegnung im Trauer-Café
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17:25 15.12.2018
Ingrid Bartenwerfer(84) und Erwin Bünning (91) waren fast zeitgleich verwitwet. Sie lernten sich Trauer-Café des Hospizvereins kennen. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

Sie waren beide im gleichen Tief, als sie einander kennenlernten. Nahezu gleichzeitig hatten Ingrid Bartenwerfer und Erwin Bünning ihre schwer kranken Ehepartner verloren. Das war Ende 2010. „Alles war so frisch. Ich mochte erst gar nicht vor die Tür gehen. Man will ja auch nicht immer darüber reden“, erinnert sich die 84-Jährige. Obwohl sie und ihr sterbender Mann von Ehrenamtlichen des Hospizvereins begleitet wurden, fasste sie erst durch einen Veranstaltungshinweis den Entschluss, das Trauer-Café zu besuchen. „Eine gute Idee. Hier ist man unter Gleichgesinnten, kann sein, wie man ist“, sagt sie und schaut Erwin Bünning an, der neben ihr sitzt. Ihm sei es ähnlich gegangen, sagt der 91-Jährige. Bis die Freundin einer seiner Töchter gesagt habe, schick’ ihn da mal hin.

Selbst alleine durch die Stadt gehen fiel schwer

„Ein bisschen Überwindung hat das schon gekostet. Während ich meine Frau gepflegt habe, habe ich nicht nach links und nicht nach rechts geguckt. Ich wollte auch nicht durch die Stadt gehen“, erzählt er. Der Bad Segeberger hat es dennoch gewagt: „Sonst hätte man den ganzen Tag allein zu Hause gesessen, keinen zum Reden gehabt.“ Ingrid Bartenwerfer stimmt ihm zu: „Die Kinder haben ihr eigenes Leben. Das ist doch ganz normal.“ Dass sich die beiden aber ausgerechnet im Trauer-Café finden, damit haben sie nicht gerechnet.

Hilfe im Advent

Die Spendenaktion„Hilfe im Advent“ der LN in Kooperation mit der Sparkasse kommt in diesem Jahr dem Hospizverein Segeberg zugute, der seit 25 Jahren Menschen in der schweren Phase ihres Sterbens Unterstützung anbietet.

Das Spendenkonto:

Hospizverein Segeberg e.V.

Sparkasse Südholstein

IBAN: DE94 2305 1030 0015 0888 83

SWIFT-BIC: NOLADE21SHO

Der aktuelle Spendenstand:

4085 Euro

Alles habe mit dem gemeinsamen Weg danach zum Parkplatz angefangen. „Dann hat sich das langsam entwickelt. Wir waren in der gleichen Situation, haben uns einfach verstanden“, erzählen sie. Als Erwin Bünning dann das erste Mal gefragt hat, ob sie mit ihm eine Tasse Kaffee trinken gehen wolle, habe sie gesagt, dass er sich keine Hoffnungen machen solle. „Und heute sind wir so glücklich“, sagt das Paar lachend.

Warm und herzlich ist ihr Umgang miteinander. Sie erinnern sich an viele Gespräche und den ersten Spaziergang. Rauf zum Kalkberg. „Oben angekommen, hat er eine kleine Flasche Sekt aus der Tasche gezogen und gefragt, ob wir uns nicht duzen wollen“, erzählt Ingrid Bartenwerfer. Verschmitzt greift Erwin Bünning sich an die Brust: „Ein bisschen Herzklopfen war wohl auch dabei.“

Hier wird auch viel gelacht

Gemeinsame Unternehmungen, Spielenachmittage, Telefonate folgten. Und, bis heute, der feste Termin mit dem Besuch im Trauer-Café. „Wir schicken ja niemanden nach einer bestimmten Zeit wieder weg“, sagt Koordinatorin Kirsten Schroeder vom Hospizverein nachdrücklich, „außerdem wird hier durchaus auch viel gelacht.“

Fast genauso aufregend wie das erste „Date“ war die erste Begegnung mit den Kindern. „Deine Töchter hatten ja schon geahnt, dass du was in Aussicht hast“, erinnert sich Ingrid Bartenwerfer. „Ich bin von ihnen sehr herzlich aufgenommen worden.“ Erwin Bünning stimmt zu: „Ja, auch bei dir war es so.“ „Und beim Familienfoto zum 90. Geburtstag von Erwin, als ich mich abseits gehalten habe, kam seine Tochter und schubste mich fast in die Gruppe mit den Worten ,Du gehörst doch dazu’.“

Unterschiedliche Reaktionen

Von Außenstehenden habe es durchaus verschiedene Reaktionen gegeben. Zustimmung, aber auch Ablehnung. Eine Bekannte habe zu ihr gesagt: „Wie kannst du nur.“ Doch das ficht die beiden nicht an. Sie gehen gemeinsam durchs Leben. Ingrid Bartenwerfer hebt den Zeigefinger: „Aber zusammenziehen kommt nicht in Frage. Wir haben jeder noch unsere eigene Verantwortung. Ein paar Tage in der Woche macht jeder seins, die anderen verbringen wir gemeinsam.“

Einige gesundheitliche Rückschläge habe man gemeinsam gemeistert, aber gestritten hätte die beiden noch nie miteinander, sagen sie. „Es ist eine ganz große Zuneigung.“

Manchmal, wenn sie die Gräber ihrer verstorbenen Ehepartner besuchen, halten sie in Gedanken Zwiesprache mit ihnen: „Die sitzen da oben und freuen sich mit uns.“

Heike Hiltrop

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