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Segeberg Hundezensus: Erster Erfolg schon vor dem Start
Lokales Segeberg Hundezensus: Erster Erfolg schon vor dem Start
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15:58 04.08.2016
„Wir überlegen, die Zählung mit Mitarbeitern zu machen.“ Matthias Bonse, Bürgermeister

Den einen ist sie ein Dorn im Auge, den anderen kann sie gar nicht hoch genug sein: die Hundesteuer. 1807 führte das Herzogtum Holstein die Luxussteuer ein, um seine Armenkasse aufzufüllen. Heute ist sie eine von etlichen Kommunen dankbar einkassierte Abgabe, die so manches Loch stopft.

Auch in Wahlstedt zählt jeder Cent. Und so wurde die Abgabe auf die Vierbeiner dort zu Jahresbeginn kräftig angehoben. 120 Euro kostet ein Hund den Halter im Jahr, der zweite 130 Euro, jeder weitere 220 Euro und ein „Gefahrhund“ sogar 800 Euro. Und weil die Stadt Wahlstedt notorisch klamm und sich die Verwaltung darüber im Klaren ist, dass sich einige Hundehalter der ungeliebten Zahlung entziehen, wurde im April eine Hundezählung angekündigt.

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Wahlstedt will Schwarzhalter von Hunden aufspüren – Ankündigung einer Zählung sorgte bereits für 72 Neuanmeldungen.

Im Gespräch sei sie schon länger, so Bürgermeister Matthias Bonse (CDU). Das Gemeindeprüfungsamt (GPA) habe darauf gedrängt, und die Erfolgsquote anderer Kommunen sei hoch. Nun, ein paar Monate später, kann auch Wahlstedt Positives vermelden: Die Zahl der Vierbeiner mit Steuermarke ist sprunghaft gestiegen. 72 Neuanmeldungen habe es gegeben, frohlockt Bonse. Das entspricht einer Steigerung von über zehn Prozent. Bis April waren bei der Stadt gut 600 Hunde dokumentiert. 64 000 Euro brachte ihre Besteuerung jährlich ein. Allein durch die Ankündigung einer Prüfung sind es fortan über 70000 Euro.

Dabei ist es noch gar nicht zu einer Zählung gekommen. „Es gab Kommunikationsschwierigkeiten und somit noch keine Auftragsvergabe“, räumt Wahlstedts Verwaltungschef ein. Bereits im Mai hatte man Kontakt zu Firmen aufgenommen, die auf solche Zählungen spezialisiert sind. Ein niedersächsisches Unternehmen, das unter anderem auch Gas- und Stromableser akquiriert, sollte den Zuschlag bekommen.

Zwischen 4000 und 5000 Euro hätte es die Stadt kosten sollen, die Dienste der Firma in Anspruch zu nehmen. Geld, da ist sich Bonse ganz sicher, das gut angelegt ist. Die jüngsten Zahlen scheinen das zu bestätigen. Nun gibt es im Rathaus allerdings Überlegungen, diese Kosten einzusparen und die tatsächliche Zahl der Hunde in der Stadt mit Mitarbeitern aus der Verwaltung zu ermitteln, sagt Bonse.

Aber noch sei das letzte Wort darüber nicht gesprochen: „Die Sache ist sehr aufwendig.“ Aber da werde wohl niemand von Tür zu Tür gehen, klingeln und fragen, ob ein Hund im Haushalt lebt. Hilfe bekomme die Verwaltung auch von den Bürgern, sie würden gelegentlich Hinweise geben, so Bonse.

Bei vielen Hundehaltern in Wahlstedt kommt die angekündigte Zählung übrigens gut an: „Es kann ja nicht sein, dass wir unsere Tiere ordnungsgemäß anmelden und andere drücken sich davor“, sagt Ute Wulff. Und Manuela Hinrichsen empfindet den Zensus ebenfalls als gut und richtig. „Aber die Stadt müsste mit dem Geld mehr für die Hunde tun und nicht nur irgendwelche Löcher stopfen“, ergänzt die Wahlstedterin.

Einige Hunde sind von der Steuer befreit

309 Millionen Euro Hundesteuern wurden 2014 in Deutschland eingenommen (Quelle: Test)

Steuerbefreit sind in Wahlstedt: Diensthunde staatlicher Einrichtungen, Blindenführhunde, Gebrauchshunden von Forstbeamten, im Privatforstdienst angestellten Personen und von Jagdaufsehern, Herdengebrauchshunde, Sanitäts- oder Rettungshunde von anerkannten Sanitäts- oder Zivilschutzeinheiten, Hunde, die zu wissenschaftlichen Zwecken gehalten werden, Hunde, die in Anstalten von Tierschutzvereinen vorübergehend untergebracht sind. Für Hunde, die im Wachdienst eingesetzt werden, sowie Vierbeiner, die Gebäude bewachen (sie müssen mindestens 200 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude entfernt sein), halbiert sich die Steuer. hil

 Heike Hiltrop

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