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Segeberg „Ich kann ohne Zeitung einfach nicht leben“
Lokales Segeberg „Ich kann ohne Zeitung einfach nicht leben“
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22:20 24.10.2014
Philipp Riederle (l.) und Michael Spreng diskutierten auf Einladung des Marketingvereins über die Zukunft der Medienbranche. Quelle: B. Fuchs
Norderstedt

Gegensätze ziehen sich an — oder stoßen sich gewaltig ab. Letzteres geschah vor zwei Jahren beim Abend der Norderstedter Wirtschaft, als der schwäbische Textilunternehmer Wolfgang Grupp die Mehrheit der 500 Zuhörer mit seinem altmodischen Bild der Frauen verstörte, die sich um Kind und Küche statt um ihre Karriere zu kümmern hätten, und sich damit Buh-Rufe vom Publikum einhandelte.

Einen solchen Affront wollte der Norderstedter Marketingverein bei der 13. Auflage des Wirtschaftsabends, den einst die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck ins Leben gerufen hatte, vermeiden, erklärte Vorsitzender Stefan Witt. Darum habe man mit dem Jungunternehmer und Autor Philipp Riederle (20) und dem Journalisten und Ex-Kanzlerkandidatenberater Michael Spreng (66) von vornherein die Gegensätze auf die Bühne geholt. Beide sollten vor wiederum 500 Gästen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik ihre womöglich sehr differenzierten Ansichten zur „schönen digitalen Welt“ zum Besten geben.

Das funktionierte nur zum Teil. So entstammen Spreng und Riederle völlig anderen Generationen und Medienwelten. Der ehemalige Bild-Chefredakteur und Edmund-Stoiber-Berater Michael Spreng ist immer noch ein glühender Verfechter gedruckter Zeitungen. Jeden Morgen hole er mit dem Hund außer Brötchen noch mindestens drei Zeitungen, erklärte Spreng und bekannte: „Ich kann ohne Zeitungen einfach nicht leben.“ Eine Liebeserklärung, der der deutsche Jungstar der sozialen digitalen Welt wenig abgewinnen kann. Er lese Zeitungen nur online, bekannte Riederle. „Höchstens am Wochenende lese ich mal eine gedruckte Zeitung, wenn ich auf der Terrasse sitze.“

Gleichwohl sind sich Spreng und Riederle einig, dass das Internet und die digitale Medienwelt immer bedeutender werden. Für Spreng ist es „ein Werkzeug“, um sich zu informieren oder mit aller Welt zu kommunizieren. Für Riederle hat das elektronische Zeitalter schon die gesamte Gesellschaft durchdrungen. „Wer darauf verzichten will, muss auf eine einsame Insel gehen.“

Für Autor Riederle, der mit 18 Jahren einen Bestseller für die sogenannte digitale Y-Generation verfasste, ist die Totalüberwachung aller unserer digitalen Spuren im Netz, wie sie Edward Snowdens Enthüllungen zum NSA-Skandal öffentlich gemacht haben, nicht mehr zu verhindern. Damit müsse jedermann leben, glaubt der Mann, der gleichwohl eine Aufbruchsstimmung der vernetzten Welt propagiert.

Allerdings sollten für die großen Internet-Konzerne „dieselben Gesetze wie für alle anderen gelten“, fordert er.

Da ist der erfahrene Medienmacher Spreng vorsichtiger. „Ich bin total zurückhaltend, was ich im Internet von mir gebe. Denn das Internet vergisst nichts.“ So würde er nie Fotos von sich in Badehose oder andere kompromittierende Dinge im Netz abspeichern. „Nur so kann man seine Privatsphäre schützen.“

Einig waren sich beide Gastredner in der Einschätzung, dass viele Zeitungsverlage den Einstieg ins Online-Zeitalter verschlafen hätten. Viel zu spät hätten sie Bezahlschranken eingeführt und sich so ihrer Geschäftsgrundlage beraubt. Erst jetzt würden vereinzelte „Mikro-Payment“-Modelle entwickelt, wundert sich Riederle. Dennoch werde die gedruckte Zeitung nicht aussterben, ist Spreng überzeugt.

„Eine Info-Elite wird weiterhin nicht auf sie verzichten wollen.“

Gute Zukunftschancen sieht Medienmann Spreng für die lokalen Zeitungen. Wenn es denen gelänge, mit anderen Medienpartnern ein lokales Netzwerk mit Infos, Unterhaltung, Veranstaltungstipps und Geschäftswelt für eine ganze Region on- und offline zu entwickeln, hätten sie wieder eine rosige Zukunft, prophezeit Spreng.

Nur von staatlichen Zuschüssen, wie sie in der Schweiz und Österreich heute üblich sind, sollten deutsche Medien unbedingt die Finger lassen. „Staatliche Subventionen bedeuten sofort auch staatlichen Einfluss. Dann verliert der Journalismus seine Glaubwürdigkeit und das Vertrauen — und damit seine wichtigste Existenzgrundlage.“

„Ich bin total zurückhaltend, was ich im Internet von mir gebe. Das Web vergisst nicht.“
Michael Spreng

Burkhard Fuchs

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