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„Ich sehe Gefahren bei Öffnung der Feldmark“

Bad Segeberg „Ich sehe Gefahren bei Öffnung der Feldmark“

Kreisnaturschutzbeauftragter Hans Peter Sager kritisiert die Novelle des Landesnaturschutzgesetzes.

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39 Mal hat Kreisnaturschutzbeauftragter Hans-Peter Sager schon Bilanz gezogen. Mit dabei waren gestern der Leiter der Kreisnaturschutzbehörde Axel Timmermann (li.) und Landrat Jan Peter Schröder (r.).

Quelle: Glombik

Bad Segeberg. „Die Öffnung der Feldmark muss nicht sein!“ Heftige Kritik äußerte der langjährige Kreisnaturschutzbeauftragte Hans Peter Sager auf einer Pressekonferenz bei Landrat Jan Peter Schröder an der geplanten Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, der Allgemeinheit den Zugang zur Natur zu erleichtern, indem Wiesen und ungenutzte Ackerflächen betreten werden dürfen. Sager ist, wie auch die Kreisjägerschaft, gegen ein freies Betretungsrecht der unbestellten Feldmark. „Ich sehe da große Gefahren“, nicht jeder Bürger könne erkennen, ob ein Feld bestellt sei oder ob er beim Betreten die Tierwelt störe. „Die Leute latschen dann über den eingesäten Grünstreifen.“ Reiter, Hundebesitzer und Crossfahrern werde so Tür und Tor geöffnet. Und wenn jemand seinen Flugdrachen auf dem Feld steigen lassen möchte, könne er das jetzt doch schon. Er müsse nur vorher fragen. Sager: „Ich habe noch nie gehört, das ein Kind abgewiesen worden ist, wenn es den Landwirt gefragt hat, ob es auf dem Stoppelfeld seinen Drachen steigen lassen kann. Man kann ja mal vorher klingeln.“

Deshalb müsse ein freies Betretungsrecht nicht gesetzlich verankert werden. Er glaube, dass Landschaftgenuss und Erholung auch auf diesem Wege möglich seien.

Tatsächlich scheint noch nicht einmal das Betretungsrecht auf privaten Waldwegen in der Landschaft überall durchgesetzt worden zu sein. Oft versperren Gatter ohne ersichtlichen Grund den Weg in einen privaten Wald. Hier verweist der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde Axel Timmermann auf der Pressekonferenz auf die „Sozialpflichtigkeit“ von Eigentum. Hier könne nicht jeder Landbesitzer willkürlich sagen: Du darfst hier nicht ‘rauf. Deshalb sei eine Nutzung der Wege im Rahmen des freien Betretens zum Zwecke der Erholung zulässig. Timmermann: „Es gib Ausnahmeregeln, wenn Waldwege gesperrt werden dürfen.“ Das müsse im Einzelfall geprüft werden. Und wenn es Gründe gebe, müsse das durch entsprechende Beschilderung auch kundgetan werden. Ihm sei wichtig, dass durch Schilder auch deutlich gemacht werde, warum dort kein Durchgehen erlaubt sei. Zum Beispiel seien Seeadlerhorste und Kraniche sehr störanfällig. Timmermann: „Die Untere Naturschutzbehörde möchte Natur und Ausflügler versöhnen.“ Sie habe jetzt Schilder entworfen, die zu Verständnis und Rücksichtnahme auffordern.

„Wir machen Naturschutz mit und für die Menschen“, betont auch Sager. 28 Flächen gebe es allein im Kreis, die als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) streng geschützt sind. Sager verwies darauf, dass es im Kreis Segeberg einige schöne Flächen gebe, die man zugänglicher machen könnte. Er sei von Bürgern angeschrieben worden, dass Wege zum Beispiel am Tarbeker Moor besser gekennzeichnet werden. Schön wäre es, wenn es hier einen Verbindungsweg von Blunk nach Tensfeld geben könnte. „Jetzt suchen Naturliebhaber dort die Wege, und wir können nur hoffen, dass sie nicht einem Kranich auf den Kopf treten.“ Die Menschen wollten schon angeleitet werden, man müsse ihnen aber klar sagen, wo sie im Naturschutzgebiet den Weg nutzen können. Es fehlten Hinweisschilder und Infotafeln. Sager: „Das klappt ja zum Beispiel hervorragend mit den Kanuwanderern an der Trave.“ Dort gebe es kaum Vandalismus. „Warum nicht auch in anderen Gebieten?“, fragt Sager.

Naturschutzbeauftragter hatte kaum ruhige Minute
Ein Kreisnaturschutzbeauftragter hat viel zu tun. Mit 233 „Aktivitäten“ sei das Naturschutzjahr für ihn erneut sehr arbeitsreich gewesen, erklärte Hans Peter Sager bei der Vorstellung seiner Bilanz für 2015. So mussten exakte Grenzen für die 28 FFH-Gebiete und die Überarbeitung der sehr alten 17 Landschaftsschutzverordnungen gesteckt werden.
Sehr am Herzen liegt Sager die Pflanzung des jeweiligen „Baum des Jahres“ in einer Segeberger Gemeinde. 22 Mal habe er Behörden aufgesucht, um Stellungnahmen abzugeben oder Verfahren abzusprechen. 34 Mal musste er Stellungnahmen zu Flächennutzungsplänen, zu B-Plänen, zu Baumschutzsatzungen und zu Anliegen von Einzelpersonen abgeben. Wie viele Bäume er im vergangenen Jahr „gerettet“ habe, wollte oder konnte Sager nicht sagen. Aber 60 Mal habe es Kontakte zu Einzelpersonen gegeben, um Empfehlungen zu geben. Zweimal habe Sager auch Plattdeutsch-Vorträge zum Thema „Praktischer Naturschutz“
gehalten. Ansonsten gab es reichlich Ortstermine mit Behörden und Teilnahmen an Mitgliederversammlungen.

Wolfgang Glombik

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