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Segeberg „Ich wäre auch gern früher zurückgekommen“
Lokales Segeberg „Ich wäre auch gern früher zurückgekommen“
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20:26 06.07.2013
Wayne Carpendale über seine Rückkehr: „Die Kombination aus Schauspielerei, freiem Himmel und einem Publikum, das so begeisterungsfähig ist und begeistert werden möchte, gibt es glaube ich nur hier.“

Lübecker Nachrichten:Schön, wieder hier zu sein“, sagt Old Shatterhand bei seinem ersten Auftritt. Sagt das auch Wayne Carpendale?

Wayne Carpendale: Na, klar sagt das auch Wayne Carpendale. Für mich ist es schön, wieder in Bad Segeberg zu sein und für Old Shatterhand ist es schön, wieder in den Wilden Westen zu kommen. Und wenn ich mir die Reaktionen des Publikums anhöre, scheinen sich auch ein paar Menschen zu freuen, dass ich wieder hier bin. Das ist ein tolles Gefühl.

LN: Was war denn der Reiz, nach zehn Jahren wiederzukommen?

Carpendale: Ach, die Lust wieder in die Kalkbergarena einzureiten, war auch während der letzten zehn Jahre oft da, aber das hat aufgrund anderer Engagements nie geklappt. Und das hängt ja nicht nur von mir ab, sondern auch von der Kalkberg GmbH und den Figuren, die es zu besetzen gibt. Mich in irgendeine Rolle reinzuquetschen, die nicht zu mir passt, hätte niemandem gut getan. Nun war aber auch klar, dass 2013 mit einem neuen Winnetou ein Jahr des Aufbruchs werden würde. In Winnetou I den Old Shatterhand zu spielen und dabei noch dem neuen Winnetou hier sozusagen den roten Teppich auszurollen, empfand ich sofort als schöne Herausforderung, die ich gerne angenommen habe.

LN: Die Rolle des Winnetou wäre nichts für Sie gewesen?

Carpendale: Das stand wirklich nie zur Debatte. Aber um ehrlich zu sein, fühle ich mich auch viel wohler als Cowboy. Das fängt schon damit an, dass die Indianer ziemlich lange geschminkt werden, während ich ein paar Minuten vor der Vorstellung in die Maske gehe und nur kurz abgepudert werde. Das ist ziemlich cool, weil mir für lange Maskenzeiten wirklich die Geduld fehlt (lacht).

Außerdem war ich als Kind beim Karneval immer Cowboy und nie Indianer. Ich fühle mich also genau richtig besetzt und sehr wohl als Old Shatterhand.

LN: Als solcher liefern Sie sich ja sehr aufwändige Kampfszenen im Stück. Wie lange dauert es, so etwas einzustudieren?

Carpendale: Das kommt immer auf die Choreographie an und ist auch von Typ zu Typ verschieden. Wir hatten ja 30 Tage Zeit, um diese Kämpfe zu üben, bis jedes Detail sitzt. Am Anfang wiederholt man die Schläge immer und immer wieder in sehr langsamen Tempo, denn Sicherheit steht dabei an erster Stelle. Aber dann werden die Kämpfe jeden Tag ein wenig schneller, und kurz vor der Premiere perfektioniert man das Ganze noch. Auch während der Spielzeit gehen wir hinter der Bühne immer wieder auf einzelne Details ein, weil sich im Laufe der Zeit auch mal etwas einschleicht, was nicht so gut aussieht oder zu Verletzungen führen kann. Da schlägt mal der eine an einer bestimmten Stelle immer zu spät zu, oder eine Bewegung ist zu hektisch. Und je körperlich fitter man hier antritt, desto spektakulärere Kämpfe können die Stuntleute natürlich mit uns Schauspielern einstudieren.

LN: Haben Sie sich besonders vorbereitet und trainiert?

Carpendale: Ich bin vorher jetzt nicht dauernd am Strand gejoggt, wenn Sie das meinen. Aber da ich leidenschaftlicher Sportler bin, habe ich das Engagement hier als Anreiz gesehen, fit in den Sommer zu gehen und vorher besonders viel Sport zu treiben.

LN: Vor zehn Jahren haben Sie für Karl May Reiten gelernt und das offensichtlich richtig gut. Sie bekommen Szenenapplaus, wenn sie sich da lässig auf das Pferd schwingen. Wo lernt man das?

Carpendale: Ich habe mich damals und auch in diesem Jahr in Amerika auf einer richtigen Ranch vorbereitet. Da gibt es keine Schulpferde, die gelangweilt vor sich hin traben. Das sind richtige Nutztiere, die sehr gut trainiert sind und mit viel Respekt behandelt werden, weil die Cowboys ja wissen, dass die Tiere existentiell für ihre Ranch sind. Hier in Deutschland tendieren die Reitlehrer dazu, sehr lang über gutaussehende Technik zu reden. In den Staaten setzen sie dich aufs Pferd, erklären dir kurz, was du machen musst und warum du es machen sollst. Und bevor du dich versiehst, galoppierst du davon. Und nebenbei schnappt man dann noch so kleine Tricks wie man aufs Pferd zu springen hat auf, weil man nicht so sehr damit beschäftigt ist, ob die Haltung turnierfähig ist oder nicht.

LN: Bei Winnetou I ist das Thema Freundschaft ganz groß, was ist für Sie ein echter Freund?

Carpendale: Erst einmal jemand, dem ich 100 Prozent vertrauen kann. Und darüber hinaus ist jede Freundschaft so individuell, dass man das nicht einfach verallgemeinern kann. Eine Besonderheit der Freundschaften in meinem Leben ist sicherlich, dass ich aufgrund meines Berufs wirklich oft und lange unterwegs bin und nur Freundschaften habe, die diese längeren Pausen vertragen.

Da führt man dann fast das Gespräch dort weiter, wo man es ein paar Wochen vorher unterbrochen hat. Trennungen, aber auch Wiedersehen, sind in meinem Leben allgegenwärtig.

LN: England, Amerika... Sie sind in Ihrem Leben viel rumgekommen. Old Shatterhand findet seine Heimat im Wilden Westen. Wo ist für Sie Zuhause?

Carpendale: Da hat sich meine Sichtweise über die letzten Jahre sicherlich geändert. 2003 hätte ich gesagt, dass meine Heimat dort ist, wo ich gerade bin, weil ich mich überall Zuhause fühlte. Mittlerweile ist meine Heimat ganz klar in München, was auch an dieser wunderschönen Stadt liegt, aber vor allem daran, dass ich mich dort in meinem Freundeskreis und mit meiner Verlobten und mittlerweile auch meiner Familie richtig wohl und geborgen fühle. Und deshalb sitze ich meistens am Sonntag schon eineinhalb Stunden nach der Vorstellung im Flieger gen Süden.

LN: Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach dem 1. September?

Carpendale: Ein Film für die ARD ist geplant, eine Episodenrolle in einer ZDF-Serie werde ich auch noch spielen. Aber vor allem werde ich mich nach Segeberg auch erstmal ein bisschen erholen, meinem Körper eine Pause gönnen. Ich bin momentan mehrmals die Woche beim Physiotherapeuten. Aber das sage ich mit einem Lächeln, weil ich weiß, dass das hier auf eine gewisse Art und Weise Hochleistungssport ist, der mir sehr viel Spaß macht. Ich bin bloß halt kein Hochleistungssportler, und das spüre ich nach sieben Vorstellungen in vier Tagen sehr intensiv.

LN: Wo zwickt es denn?

Carpendale: Ach, eigentlich überall. In einem Kampf habe ich mir in der Probenzeit eine ziemlich schmerzhafte Muskelprellung zugezogen, kurzzeitig hatte ich auch eine Sehnenentzündung und natürlich überall kleine Cuts. Manchmal kommt man abends nach Hause und wundert sich, wo man sich denn jetzt schon wieder die Verletzung zugezogen hat. Auf der Bühne merkt man das gar nicht.

LN: Das Medieninteresse ist groß, Sie führen viele Interviews. Was ist die derzeit nervigste Frage von Journalisten?

Carpendale: Das wissen Sie, die steht bestimmt ganz unten auf Ihrem Blatt.

LN: Ich hab eine Vermutung.

Carpendale: Ah ja?

LN: Die steht bei mir nicht. Wenn es die Frage ist, die ich annehme.

Carpendale: (lacht) Ja, die ständigen Fragen nach der Hochzeit nerven schon ein wenig, weil wir gebetsmühlenartig wiederholen, dass wir darüber nicht sprechen. Wir wollen das privat genießen, was die Leser offenbar besser verstehen zu scheinen als die meisten Medien. Besonders ärgerlich ist, dass dann einfach Zitate in die Welt gesetzt werden, die wir so nie gegeben haben.

LN: Ich hab im Internet gelesen, dass Sie von „meiner Frau“ gesprochen haben sollen, und schon über eine heimliche Hochzeit spekuliert wurde.

Carpendale: (zeigt seine Hand) Ich trage keinen Ehering.

LN: Muss man ja nicht.

Carpendale: Nö, aber keine Sorge, ich rufe zuerst die LN an, wenn es soweit ist.

LN: Anderes Thema: Zum Ende von Winnetou I heißt es, das Abenteuer beginnt jetzt erst. Sind sie nächstes Jahr auch wieder am Kalkberg dabei oder müssen die Zuschauer wieder zehn Jahre warten?

Carpendale: Wenn Sie das als warten bezeichnen, nehme ich das mal als Kompliment. Wir sind jetzt in der dritten Spielwoche. Die Saison hat gerade erst begonnen, da denke ich doch noch nicht über das nächste Jahr nach.

LN: Generell abgeneigt wären Sie aber nicht?

Carpendale: Wie gesagt, ich fand es hier vor zehn Jahren so aufregend, dass ich unbedingt irgendwann zurückkehren wollte. Vor dieser Saison war ich sehr gespannt, ob es mir genauso viel Spaß wie damals machen würde. Und diese Frage kann ich jetzt mit Ja beantworten. Ich bin wieder total begeistert und komme wirklich jeden Tag gerne zur Arbeit. Erwachsene Männer und Frauen spielen hier einen ganzen Sommer lang Cowboy und Indianer und Hunderttausende von Zuschauern sind mega begeistert. Das ist einfach der coolste Sommerjob der Welt.

Interview: Nadine Materne

Landarzt und Dancingstar
Wayne Carpendale wurde am 23. März 1977 in Köln als Sohn von Modedesignerin Claudia und Schlagersänger Howard Carpendale geboren. Schauspielunterricht nahm er in New York unter anderem am Lee Strasberg Theatre und am Film Institute. Bekannt wurde Wayne Carpendale durch seine Rolle des Maximilian Pfitzer in der Daily Soap „Unter Uns“. Seit seinem Auftritt 2003 als Old Surehand am Kalkberg spielte er in Fernsehserien wie „Der Staatsanwalt“, „Küstenwache“ oder „Soko 5113“ mit. Sein bisher größter Fernseherfolg war seine Rolle des Dr. Jan Bergmann in der ZDF-Serie „Der Landarzt“. 2006 gewann er die Tanzshow „Let‘s Dance“, 2011 drehte er gemeinsam mit Vater Howard den Fernsehfilm „Lebe dein Leben“.
Wild-West-Abenteuer von Donnerstag bis Sonntag
Wie Winnetou Jan Sosniok und Old Shatterhand Wayne Carpendale in „Winnetou I“ am Kalkberg in Bad Segeberg zu Blutsbrüdern werden, ist noch bis 1. September von donnerstags bis sonnabends jeweils 15 und 20 Uhr zu sehen, sonntags nur 15 Uhr.

Tickets gibt es an der Tageskasse oder sind im Internet buchbar unter www.karl-may-spiele.de; die günstigsten Karten kosten 15,50 Euro (Kinder bis 15 Jahre zwölf Euro), in der teuersten Kategorie werden 26,50 Euro für Erwachsene fällig (Kinder 20,50 Euro).

LN

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