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Segeberg „Im Bild“: Der Künstler Johannes Duwe
Lokales Segeberg „Im Bild“: Der Künstler Johannes Duwe
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22:23 28.08.2018
Im Bus: Johannes Duwe (r.) portraitiert Menschen, aber auch Stadtleben. Dafür bindet er mitunter Freunde ein, wie Nazan (l.) und Jacob (Hintergrund, r.).
Bad Segeberg

Sein Umgang mit Licht ist besonders, sein Strich unverkennbar, seine inszenierten Motive scheinen spontane Momente einzufrieren. So dicht und groß, dass der Betrachter gar nicht darum herumkommt, in sie einzutauchen. Viele der für die Ausstellung „Im Bild“ zusammengetragenen Werke sind Synthese aus visuellem Eindruck und Themen der Zeit. So entwickelt Duwe eine eigene Allegorie.

Eindrücke des Alltags inspirieren Johannes Duwe. Aus wie zufällig entdeckten, aber in Szene gesetzten Motiven entstehen Stadtportraits. Im Mittelpunkt: der Mensch. Der Segeberger Kunstverein stellt derzeit 22 meist großformatige Arbeiten des Malers in der Villa Flath aus.

Etwa, wenn er auf einer Bank sitzende Frauen mit kräftigem Pinselstrich in klarer Farbe auf die Leinwand bringt, die nebeneinander sitzen, einander aber nicht begegnen.

Der Hamburger arbeitet mit Modellen, aber auch Bekannten, beispielsweise in einer Bus-Szene. „Nächster Halt Bernhard-Nocht-Straße“ ist im Hintergrund des eine ganze Wand einnehmenden Werkes zu lesen.

Im Vordergrund steht Nazan Sahan, Schauspielerin und mittlerweile eine Freundin Duwes. In einem YouTube-Video spricht der Künstler über seine Arbeit und über Hamburgs früheren Bürgermeister Henning Voscherau, den er portraitiert hat, während er im Atelier ausgerechnet an dieser Bus-Szene arbeitet. In dunkelblauer Schürze, grauem Pulli, die Farbpalette in der Hand, setzt er den Pinsel an. Freund Jacob steht dabei Modell. Er dreht sich im Kurzmantel und mit geschultertem Rucksack in die gewünschte Position, wird in diesem Moment Teil der Arbeit.

„Und manchmal greift man Dinge auf und wundert sich Jahre später, wie gut sie ins Zeitgeschehen passen“, sagt Johannes Duwe und schaut auf seine Darstellung von Performance-Künstler Jan-Holger Mauss, der ein Pferd am Halfter führt. „Und warum trägt er BH?“, fragt ein Betrachter rhetorisch. Erstens ist es ein Bikini und zweitens, weil die Kunst es will. Das ebenfalls üppig dimensionierte Bild entstand lange vor der aktuellen Gender-Debatte um das dritte Geschlecht, das zukünftig auf Amtsformularen neben „Mann“ und „Frau“ als „Sonstige“ notiert ist. Mit der Arbeit reiht sich Duwe in das seit 18 Jahren laufende Mauss-Projekt ein. In dem stellt sich dieser meist Fotografen als Modell zur Verfügung, immer bekleidet mit dem von der Installations-Künstlerin Eva Gruber entworfenen Badezweiteiler.

Johannes Duwe portraitiert Autos, als zentrales Thema unserer Gesellschaft und begehrtes Objekt. Stillleben, mit denen er vor mehr als 30 Jahren schon Kunstfreunden wie Gerd und Herberta Engel aus Bad Segeberg aufgefallen war, sind nicht vertreten. Dafür aber Tankstellen. Eine Auftragsarbeit gab vor Jahren den Anstoß dafür.

„Ich könnte eine Ausstellung nur aus Tankstellen machen.“ Macht Duwe aber nicht – noch nicht. In der aktuellen Ausstellung in der Villa Flath wird den Menschen „Im Bild“ eindrucksvoll, fast hautnah, die größere Bedeutung zuteil.

Kunst im Gespräch

Die Duwe-Ausstellung in der Villa Flath (Bismarckallee 5, Bad Segeberg) ist bis zum 23. September freitags und sonnabends zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet. Sonntags können Kunstfreunde von 11 bis 18 Uhr durch die Räume schlendern. Der Eintritt ist frei. Für Sonnabend, 8. September, 16.30 Uhr, lädt der Segeberger Kunstverein ein zu „Kunst im Gespräch“: Die Führung durch die Ausstellung wird von dem Künstler begleitet. hil

Heike Hiltrop

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