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Segeberg Im Gasthof wird aufgeräumt: Ab März ziehen die Flüchtlinge ein
Lokales Segeberg Im Gasthof wird aufgeräumt: Ab März ziehen die Flüchtlinge ein
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21:21 18.02.2016
Eine Ära geht zu Ende: Seit 1892 existierte die alte Gaststätte am Wardersee, demnächst wird sie zur Flüchtlingsunterkunft. Quelle: Fotos: Glombik

Bei der Aufnahme von Flüchtlingen steht der Kreis Segeberg kurz vor seinem selbst gesteckten Ziel, die Kommunen von möglichst vielen der rund 4000 pro Jahr erwarteten Flüchtlinge durch Gemeinschaftsunterkünfte zu entlasten. In die komplett renovierte und ausgebaute Unterkunft in Schackendorf sind bereits die ersten Asylbewerber eingezogen. Und ab Mitte März soll auch der für 1,33 Millionen Euro gekaufte „Gasthof am See“ in Warder für die Aufnahme von bis zu 100 Flüchtlingen bereitstehen. In Warder begannen vor wenigen Tagen die Entrümpelungsarbeiten.

Die Ära des 1892 gegründeten Gasthofs ist zu Ende. „Mit Schmackes“ landet ausgedientes Küchenzeugs im Container. Mit einem Radlader bugsiert ein Arbeiter überflüssige Blechteile in einen der großen Container. Das alles lässt niemanden kalt. Nachbarn hatten sich schon im Ort beschwert, dass selbst Geschirr und Töpfe aus dem Gasthof weggeschmissen wurden. Dabei sei genau das oftmals Mangelware, wenn für Familien aus Syrien oder dem Irak Unterkünfte eingerichtet werden. Die LN schauten sich vor Ort um: Tatsächlich lag in einem Container auch kaputtes Porzellan. Der Mitarbeiter der Entrümpelungsfirma sagte nur, dass man auftragsgemäß handele und alles wegräume.

Eine Kreis-Mitarbeiterin vor Ort stellte aber klar, dass nichts weggeschmissen werde, was man noch für die Asylbewerberunterkunft benötige. Allein unbrauchbares Geschirr sei weggeworfen worden.

Immerhin sind schon in Kisten Teile von Kaffeeservice und Teller — alles im besten Zustand — vor dem Container gerettet und zur Abholung bereitgestellt worden. Betreiber der Kreisunterkunft soll das Rote Kreuz werden, erfuhren die LN.

Fachdienstleiterin Elke Andrasch berichtete auf LN-Nachfrage:„Wir haben abgestimmt, dass alles, was wir gebrauchen können, nicht vernichtet wird.“ Gammelige Bettwäsche aus dem Keller, auch alte, riesige Töpfe aus der Großküche werde man nicht aufbewahren, stellte sie klar. Die alte Großküche der Gastwirtschaft mit einem „riesigen Gasherd“ müsse abgebaut werden. Dieser sei von Laien nicht sicher zu bedienen. Stattdessen sollen im alten Küchenraum mehrere kleine Küchenzeilen für die Flüchtlinge eingerichtet werden.

Wichtig seien die Brandschutzmaßnahmen. Aus brandschutztechnischen Gründen dürften die Kellerräume im Gasthof nicht genutzt werden. Die Kellerräume seien auch nicht als Unterkünfte für Asylbewerber eingeplant gewesen. Zur Seeseite soll auf dem Grundstück im ehemaligen Kaffegarten ein Zaun gezogen werden. Elke Andrasch: „Es liegt uns am Herzen, dass dort keine Kinder durch das Gewässer gefährdet werden.“

Das Gästehaus, der ehemalige Hoteltrakt des Gasthofs, könnte schnell von Flüchtlingen bezogen werden. Andrasch: „Dort werden wir mit der Belegung beginnen.“ Geprüft werde gerade, ob man in dem Wohnhaus der früheren Gastwirte nicht auch Aufenthaltsräume einrichten könne. Das gesamte Mobilar mit Stühlen und Tischen könnte weitergenutzt werden — auch wenn es den Charme der 80er habe, sei es brauchbar.

Mitte März, so schätzt Elke Andrasch, werden die ersten Asylbewerber dort unterkommen. Erst zehn Tage vor ihrer Ankunft bekomme der Kreis von den Landesbehörden Bescheid, ob Familien oder Einzelpersonen untergebracht werden müssen. Zuerst werde die komplett sanierte Unterkunft in Schackendorf mit Flüchtlingen belegt. Die ersten haben dort schon ihre Räume bezogen. Offiziell eingeweiht werde das Haus am Freitag, 4. März, teilte Elke Andrasch mit.

Hier können Sie helfen

Wer sich für Flüchtlinge engagieren möchte, kann sich an Leeza Lorenz wenden. Sie ist Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche beim Kreis Segeberg, hat Kontakt zu gut 300 Flüchtlingshelfern.

Zu erreichen ist Lorenz unter ☎ 04551/951762 oder per E-Mail: Leeza.Lorenz@kreis-se.de

Weitere Kontakte:

Wahlstedt: E-Mail: fluechtlinge@wahlstedt.de

Trappenkamp: Harald Krille, ☎ 04323/91 4116

Amt Itzstedt: Silke Telemann, ☎ 04535/509-174.

Amt Leezen: Holger Pirdzuhn, ☎ 04552/997727.

Verein „Alleineinboot“: E-Mail info@alleineinboot.com; Internet: www.alleineinboot.com

DRK-Kreisverband Segeberg, Telefon 04551/99211, www.drk-segeberg.de; info@drk-segeberg.de

Verein Willkommen in Boostedt, E-Mail: info@willkommen-in-boostedt.de; Internet: www.willkommen-in-boostedt.de

Bartholomäus Kirchengemeinde Boostedt, Arbeitskreis Flüchtlingspartnerschaft, E-Mail: Fluechtlinge@Kirche-Boostedt.de

Wolfgang Glombik
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