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Im Oktoberfest-Einsatz: Zwischen Tresen und Zapfanlage

Bad Segeberg Im Oktoberfest-Einsatz: Zwischen Tresen und Zapfanlage

Oktoberfest bei Möbel Kraft, das ist die größte Mottoparty im Land. Bummelig 40 000 Besucher haben bisher mitgefeiert, am Wochenende werden es noch mehr. Um sie bei bester Laune zu halten, müssen Musik und Service stimmen. Dafür legen sich bis zu 60 Servicekräfte ins Zeug.

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Auf der einen Seite der Tresen, auf der anderen die Kollegen an den Bierzapfanlagen: Im etwa eineinhalb Meter breiten Zwischengang wird für die Getränkeversorgung der Oktoberfest-Besucher mächtig Strecke gemacht und geschleppt. Die Stimmung in der eingespielten Mannschaft ist bestens.

Quelle: Foto: Petra Dreu

Bad Segeberg. Ein paar Hundert zünftig gebrezelte Partygänger haben schon Stunden bevor der DJ loslegt Bänke und Tische geentert. Am Getränketresen trudelt die Kundschaft ein. Noch ist es ruhig. „Das wird sich schnell ändern“, wissen Raffaela und Kessi. Das Team ist oktoberfesterprobt. Vor uns der 50 Meter lange Edelstahltresen, von dem mir drei Meter zugeteilt werden, hinter uns Kühlschränke, Zapfanlagen und diejenigen, die sie bedienen. Dazwischen ein etwa eineinhalb Meter breiter Gang – mein Arbeitsplatz für einen Abend.

LN-Bild

Oktoberfest bei Möbel Kraft, das ist die größte Mottoparty im Land. Bummelig 40 000 Besucher haben bisher mitgefeiert, am Wochenende werden es noch mehr. Um sie bei bester Laune zu halten, müssen Musik und Service stimmen. Dafür legen sich bis zu 60 Servicekräfte ins Zeug.

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Ein Wochenende noch

Das Oktoberfest bei Möbel Kraft geht ab morgen, Freitag, zünftig weiter. Dann und am Sonnabend ist das Festzelt von 17 Uhr an geöffnet, der Eintritt ist frei. Den Abschluss machen am verkaufsoffenen Sonntag, 8. Oktober, „Die Melker“ beim Familientag mit Spielmobil von 12 Uhr an.

„Wir unterscheiden Maß und halbe Maß. Ruf einfach zum Zapfer, was du brauchst, er stellt es hin. Dann haben wir Weizen, alkoholfreies Weizen, alkoholfreies mit Zitrone und Softgetränke. Hier sind Tabellen mit den Preisen. Für jedes Glas nimmst du zwei Euro Pfand, dafür gibst du einen Plastikchip raus. Die leeren Gläser auf keinen Fall annehmen, dafür gibt es eine extra Station – noch Fragen?“

Der Informations-Tsunami hat mich überrollt. „Mach’ dir keine Sorgen, das hast du schnell drauf.“ Der Teamgeist ist bestens. Man duzt sich. Nachnamen sind nicht nur unter den Oktoberfest-Gästen unbedeutend, auch in der Mannschaft wird es nicht förmlich.

Den bis zu 60 Kräften ist freigestellt, ob sie in schwarzer Dienstkleidung oder im Dirndl beziehungsweise in Lederhosen arbeiten. Dass sich Frau dafür in eine Art kurze Zwangsjacke ohne Ärmel quetschen muss, die jede Speckrolle in Position bringt, wird mir erst klar, als ich mich für den Bayern-Dreiteiler entscheide. „Aber macht doch auch Spaß, so rumzulaufen“, sagt Raffaela, während ich am ungewohnten Dress herumzupfe und Kessi auf meine Stiefel schaut: „Aber das sind die falschen Schuhe, das wirst du noch merken.“

Von wegen bajuwarisches Traditionsgut: Schleswig-Holsteins größtes Oktoberfest ist Wiesn-Konzentrat und einfach eine riesige Mottoparty, bei der alle stilecht mitmachen wollen. Und so steht Kollege Stefan in Krachlederner an der Schnellzapfanlage und füllt Krüge und Gläser im Sekunden-Takt. Alles ist gut durchorganisiert. Es gibt die Tresenkräfte, Zapfer, Spüler. Zubringer wie Pablo (25) aus Kolumbien, der in Lübeck studiert und über Facebook zu dem Job gekommen ist, schleppen Nachschub heran. Gläser, Getränkeflaschen, Bierfässer – 75 werden an diesem Abend leer getrunken.

Dass ich in allem etwas langsamer bin, nehmen die Besucher gelassen hin, scherzen sogar. „Das ist das Besondere. Selbst später, wenn die Leute einen in der Mütze haben, werden sie nicht meckerig oder aufdringlich.“ Die 26-jährige Raffaela ist in der dritten Saison dabei und sicherlich nicht das letzte Mal. „Zehn Euro die Stunde, alle Getränke frei und du darfst essen, was angeboten wird.“ Kessi, die 42-jährige, alleinerziehende Mutter nickt. „Also keinen Mindestlohn wie anderswo. Ich finde das sehr großzügig.“ Normalerweise arbeitet sie als Erzieherin in einer Kita, beim Oktoberfest verdient sie dazu. „Weihnachten steht bevor, die Kinder haben ihre Wünsche“, sagt sie und schiebt nach: „Hier verdienen wir mit Spaß Geld.“

„Und alleeeee: Sing Halleluja!“ Der DJ heizt die Menge an. „,Da wird die Sau geschlacht'“, gröhlt die mit. Auf der Tanzfläche, in den Gängen, auf Tischen und Bänken schunkeln und hüpfen die Menschen, während wir so eine Art Tunnelgehör entwickelt haben, nur noch die Bestellung wahrnehmen. „Fünf Maß, drei Halbe, ein Alster.“ Rufen, zusammenrechnen, Geld nehmen, wechseln, Chips greifen, Getränke rausgeben, alles wird zur fließenden Bewegung. Sogar bei mir. „Drei Brezeln plus Apfelschorle dazu.“ Vor einer Stunde hätte mich der Nachschlag voll aus dem Konzept gebracht, nun lächle ich.

Drüben in der Küche sorgen Dirk und sein Team für Haxen, Leberkäse, Knödel und Krustenbraten. Mit der Schnellzapfanlage wartet die nächste Herausforderung. Nach der dritten Maß übernimmt Stefan wieder. Ich produziere zu viel Schaum. Klar, der Job sei anstrengend, „du weißt, was du getan hast“, räumt Raffaela ein. „Aber die Stimmung ist so gut, dass du einfach nicht müde wirst“, ergänzt Pablo, der vormittags noch über einer Prüfung für seinen Master in Medizintechnik gebrütete hat. Selbst im Arbeitsbereich haken sich gelegentlich ein paar Leute unter und singen mit.

Es ist 22 Uhr. Die Füße brennen. Die Arme sind lahm. Ich mache Feierabend. Mit größtem Respekt schaue ich auf Kessi, Raffalela, Doris, Stefan, Alex und all die anderen, die noch ein paar Stunden vor sich haben und unermüdlich dafür sorgen, dass Tausende Oktoberfestbesucher bestens versorgt sind.

Heike Hiltrop

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