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Segeberg Im Stress ist er die Ruhe selbst
Lokales Segeberg Im Stress ist er die Ruhe selbst
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20:24 23.12.2015
Auch den Baum schmücken gehört zu seinem Job. Sechs Meter hoch ist der Baum, 260 Lichterkerzen erleuchten den Altarraum.

Der Dezember ist ein harter Monat für einen Küster. Je näher es auf das Fest der Feste zugeht, nimmt die Arbeit für ihn zu. Und die Hektik. Doch Thomas Teegen, seit 29 Jahren „der gute Geist“ von Bad Segebergs St. Marien, scheint die Ruhe selbst zu sein. Klar, Arbeit hat er jetzt mehr als genug. Das aber kriegt er alles hin — „wenn die Kommunikation in der Gemeinde stimmt“.

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Auch den Baum schmücken gehört zu seinem Job. Sechs Meter hoch ist der Baum, 260 Lichterkerzen erleuchten den Altarraum.

In der Adventszeit muss der Kranz aufgehängt werden, da gibt es zahlreiche weihnachtliche Konzerte in der Kirche, Extra-Veranstaltungen wie den Adventsweg, wo gezeigt wird, wie in anderen Ländern Weihnachten gefeiert wird. Da proben (und spielen) die Erzieherinnen und Erzieher für ihre Kita-Kinder in der Kirche, das Weihnachtshilfswerk ist ein Riesentermin für Teegen, das Konzert des Marinemusikkorps Ostsee ebenso, andere Weihnachtskonzerte (Jubilate-Chor, Trubadix-Chor, Kammerchor, Sinfonieorchester), drei Senioren-Adventsfeiern mit insgesamt über 200 Menschen sind zu bewältigen, Andachten, die Krippe muss aufgebaut werden — und dann gibt es noch die „normalen“ Veranstaltungen wie die „Musik zur Marktzeit“, das „Eine-Welt-Café“ im „JaM“, das „Frühstück zur Marktzeit“ im Gemeindesaal, Meditation in der Johanneskapelle, Bibelkreise, Frauengruppen und natürlich die Gottesdienste. An all diesen Veranstaltungen hat Thomas Teegen (52) irgendwie Anteil — er bereitet vor, hilft dabei oder klariert hinterher alles wieder. Ungezählte Veranstaltungen im Dezember — und die tägliche Arbeit kommt noch hinzu. Und dann sind da noch die nicht vorhersehbaren „Einsätze“ für Pastoren und Küster: „Wir haben fast täglich Trauerfeiern.“

Da kann man schon ins Rotieren kommen. Doch Thomas Teegen ist die Ruhe selbst. „Hauptsache, es wird korrekt informiert.“ Soll heißen: Er muss frühzeitig wissen, was wann wo und wie geplant ist — dann regelt er das schon. Er arbeitet seit fast 30 Jahren „bei Kirchens“. Notfalls muss er den Pastor auch mal daran erinnern, dass der auf der Kanzel sein Mikro anknipst.

Eigentlich ist Teegen immer da. Sein regulärer Arbeitstag geht von 7.30 bis 16 Uhr. Aber davon kann er in der Weihnachtszeit nur träumen. Stühle ranholen (und wegschaffen), Tische aufbauen (und abbauen), die Liedertafeln an den Säulen aufhängen (und abnehmen), Kerzen an- (und ausmachen), der sechs Meter hohe Weihnachtsbaum muss vorm Altar aufgestellt und geschmückt werden. Dabei hilft ihm seit Jahren die Familie Wohlert. 350 elektrische Kerzen erhellen den Baum. Froh ist Teegen auch über die gelegentliche Hilfe von Hilke Gradert (44). „Sie springt auch schon mal für mich ein“, sagt er dankbar. Auf die Frage, wie viele Termine er im Dezember hat, kann er nur mit den Schultern zucken: „‘n Batzen!“

Teegen ist ledig, hat keine Kinder. „Ich glaube, das ist in diesem Beruf nicht verkehrt.“ Da gebe es zu Hause keine Spannungen. Die Familie eines Küsters müsse die Besonderheiten seiner Tätigkeit akzeptieren, sonst gebe es garantiert Ärger. Natürlich hat Teegen auch Familie; seine Eltern und Geschwister hätten sich auch erst an seinen Job gewöhnen müssen. Gerade der Heilige Abend ist für den Küster unter Arbeitsgesichtspunkten ein „Hammertag“. Vier Gottesdienste, um 15 Uhr („die ersten Besucher werden schon um 14 Uhr da sein“), um 16.30, 18 und 23.15 Uhr. Und vermutlich alle werden von jeweils 640 Menschen besucht sein (mehr geht auch bei zusätzlicher Bestuhlung nicht). Und Teegen ist bei allen dabei — es könnte ja etwas schiefgehen. Und doch sagt er: „Heiligabend ist gar nicht so stressig, da habe ich nämlich alles fertig. Und wenn man dann die Kinder mit den leuchtenden Augen ‘reinkommen sieht, dann ist das einfach nur schön.“

Kann er sich an Pannen in seiner 29-jährigen Zeit in der Marienkirche erinnern — Stromausfall, kaputte Heizung oder „meterhoher“ Schnee? „Nö, eigentlich ging immer alles gut.“ Einmal allerdings hat jemand die Kollektendose am Ausgang geklaut. Doch das war nicht in der Weihnachtszeit. „Die haben wir aber wiederbekommen.“ Eine kleine Episode aus diesem Jahr fällt Thomas Teegen dann doch ein: Auf der schwedischen Station des Adventsweges war als typisches Wintergetränk eine Flasche Glögg hingestellt worden. Teegen: „Am Freitag war die Flasche voll, am Sonnabend war sie halbleer. Da hat ein Kirchenbesucher einen ordentlichen Schluck genommen.“

„Wenn man dann die Kinder mit den leuchtenden Augen ‘reinkommen sieht, ist das einfach nur schön.“
Küster Thomas Teegen

Christian Spreer

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