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Segeberg In Bornhöved wird wieder „geschleckert“
Lokales Segeberg In Bornhöved wird wieder „geschleckert“
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16:33 09.05.2016
Über 500 Sorten Bonbons, Fruchtgummis, Lakritz und mehr: Der Süßwaren-Großhändler Peter Hirche zieht mit seinem Unternehmen „Der Gutschmecker“ in den alten Schlecker-Markt in Bornhöved und eröffnet dort den „Bonbonladen und Feines“. Quelle: Materne (7)/Spreer (1)/Hiltrop (1)

Vor vier Jahren machte die Drogeriekette Schlecker Pleite — und verursachte gerade in ländlichen Regionen einen hohen Leerstand in den Ladenzeilen. In Bornhöved steht der blaue Schriftzug noch immer über dem einstigen Geschäft. Noch. Denn während der ehemalige Drogeriekönig Anton Schlecker nun einem Prozess wegen vorsätzlichen Bankrotts entgegensieht, gibt es in Bornhöved die Wende: Ende des Monats zieht in das alte Schlecker-Geschäft der Süßwaren-Großhandel „Der Gutschmecker“ mit einem Bonbonladen ein. „Dann wird in Bornhöved wieder geschleckert“, sagt Firmenchef Peter Hirche verschmitzt.

Leerstand, Polizeistation, etc: Was ist aus den Schlecker-Märkten im Kreis Segeberg geworden?

Damit verschwinden in der Region die letzten Schlecker-Überreste. Bis vergangenen Monat standen in dem 200 Quadratmeter großen Geschäft in der Lindenstraße noch die Regale des Drogeriemarktes. „Das mussten wir erst einmal alles ‘rausräumen“, sagt Bürgermeister Dietrich Schwarz, der große Hoffnungen auf das Gelände setzt, das ihn zuletzt eher betrübte. Erst stand hier der alte Aldi-Markt jahrelang leer bis zum Abriss 2013. 2012 kam die Schlecker-Schließung dazu. Lediglich die Volksbank hält sich bis heute am Standort. Vor knapp einem halben Jahr erwarb die Gemeinde das Grundstück samt Geschäftsgebäude und will hier ein neues Dorfzentrum entwickeln. Der bunte Bonbonladen ist für Schwarz ein erster Schritt dorthin.

Für den Süßwarenhändler Hirche ist es ein eher unfreiwilliger Umzug. Schwierigkeiten mit seinem Vermieter auf einem Hof in Ruhwinkel keine drei Kilometer entfernt machten den Standortwechsel nötig, sagt Hirche. Doch inzwischen schmieden er und seine Partnerin Janin Schnitzler große Pläne. Der neue Bonbon-Showroom in Bornhöved, in dem sich normalerweise Großkunden ihre Bestellungen aus über 500 Sorten Bonbons, Toffees, Lollies, Lakritz, Fruchtgummis und mehr in bunten Gläsern sowie aus über 100 Pralinen zusammenstellen, wird für „normale“ Kunden sogar an vier Tagen die Woche geöffnet sein.

Ein Geschäftszweig, der eher zufällig entstand, erzählt Janin Schnitzler. Nach verschiedenen Anfragen sei es ein Versuch gewesen, der unerwartet viel Zuspruch fand. Über 9000 Kunden im Jahr. „An zwei Öffnungstagen pro Woche.“ In einem Geschäft in der „Pampa“. „Von der Infrastruktur ist Bornhöved der bessere Standort“, sagt Hirche. Dafür fehlt die ländliche Idylle. Statt einer Terrasse für ein Außencafé wie in Ruhwinkel hat Bornhöved bisher nur einen Parkplatz zu bieten. Das Café im Retro-Stil der 60er wird nach innen gelegt. Wenn es gut läuft, so Hirche, könne das Geschäft auch noch erweitert, irgendwann vielleicht sogar eine Erlebnis-Bonbonkocherei eröffnet werden. Doch das ist Zukunftsmusik und auch davon abhängig, was die Volksbank nebenan plant.

Letztlich ist das Geschäft mit der Laufkundschaft für Hirche nur ein Kleines, der seit zwei Jahrzehnten in der Branche arbeitet und zu 90 Prozent Großkunden in ganz Deutschland sowie Partnergeschäfte unter der Marke „Bonbonladen und Feines“ in Hamburg und Itzehoe beliefert. Eine Konstellation, die für Bornhöved ein Glücksfall sein könnte, um die Geschäftsräume an der Lindenstraße dauerhaft zu beleben. Eine Attraktion ist der neue Laden in jedem Fall. Bürgermeister Schwarz: „Sowas Buntes können wir in Bornhöved gut gebrauchen.“

Nach der Insolvenz

9000 Schlecker-Märkte wurden Ende Juni 2012 geschlossen, nachdem die Zerschlagung der Drogeriekette beschlossen worden war. Im Januar davor hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet.

25 000 Angestellte - hauptsächlich Frauen - verloren durch die Pleite ihren Job. Im Bereich der für die Kreise Segeberg und Pinneberg zuständigen Arbeitsagentur Elmshorn waren 103 Frauen von der Schließung betroffen. 41 Prozent von ihnen war über 50 Jahre alt, 26 Prozent hatten keine Berufsausbildung, so Agentur-Sprecher Gerold Melson.

 55 „Schlecker-Frauen“ waren im Kreis Segeberg betroffen. Ein Jahr nach der Pleite hatten 30 wieder einen Job, fünf hatten sich aus anderen Gründen bei der Agentur abgemeldet. 20 waren noch unversorgt. „Dann verliert sich die Spur“, so Melson heute.

Vorsätzlicher Bankrott lautet die Anklage gegen Firmengründer Anton Schlecker, die vor Kurzem erhoben wurde. Es bestehen Gläubiger-Forderungen von einer Milliarde Euro.

Von Nadine Materne

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