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Segeberg In Pastell und auf dem Smartphone
Lokales Segeberg In Pastell und auf dem Smartphone
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20:19 20.05.2016
Der Smartphone-Bildschirm als Leinwand: Brigitta Borchert.

„Dass jemand wie ich mit 75 Jahren so etwas anfängt, ist ja auch schwer zu glauben . . .“ Brigitta Borchert, die ab Sonntag in der Villa Flath ausstellt (Vernissage mit der Künstlerin ab 11.30 Uhr) nimmt ihr Smartphone und einen schmalen Stift zur Hand. In dem Bereich, wo andere hastig irgendwelche Notizen hinkritzeln mögen, zeichnet sie – und wie.

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Bilder vom Tablet: Klaus Tippmann und Ingeborg Hornberger vom Kunstverein staunen.

Beim Hängen ihrer Bilder kann die Kielerin wegen ihrer Gehbehinderung nicht helfen. Und in der kurzen Zeit, die der LN-Reporter benötigt, um sich einen Ausstellungsüberblick zu verschaffen, hat Brigitta Borchert schon wieder zwei, drei Schnellzeichnungen auf dem Smartphone fertig. Trauben sich freuender Fußballspieler, Portraits, Alltagsszenen, ein Akt . . . weil die so rasch dahin geworfenen Zeichnungen nicht ohne Reiz sind, werden einige von ihnen auch im letzten Raum der Ausstellung „Durchblick – Einblick – Ausblick“ zu sehen sein.

Doch es ist nicht die Schnellzeichnerin Brigitta Borchert, die sich in ganz Norddeutschland einen nachhallenden Ruf erworben hat: Ihre Landschaften, Portraitstudien und ungewöhnlichen Blickwinkel sind es, die sie zu einer der Aushängeschilder der Norddeutschen Realisten machen. Seit 1991 gehört sie dieser Künstlergruppe an.

Gleich am Eingang empfängt die Besucher ein großes Ölbild: „Ende einer Ausstellung“. Doch in der Bad Segeberger Villa geht die Schau erst los: Pastellarbeiten, Vorzeichnungen, und dann in Raum 2 gleich die erste große Überraschung: Ein riesengroßes Aquarell ihres Sohnes Sebastian, damals im Abi-Jahr entstanden. Nur der Schwede Anders Zorn schuf sonst derart riesige Aquarelle. Daneben die Künstlerin selbst, in jungen Jahren am Telefon portraitiert: „Unterbrochene Verbindung“.

Im dritten Raum ein Pastell-Selbstportrait und Bilder einer Malreise der Norddeutschen Realisten nach Schweden. Das war erst vor zwei Jahren, und manche ihrer Kollegen sind auf dem Bild deutlich zu erkennen, an der Staffelei an einem Hafen malend. Etwas verschwiegen in der Ecke ein Beleg, zu welcher Genauigkeit die Zeichnerin Brigitta Borchert mit dem Bleistift fähig ist: Der Dirigent Christoph Eschenbach im seitlichen Ganzkörper-Portrait. An der großen Wand links noch zwei Ölbilder aus Berlin . . . Moment, was schimmert denn da durch? „Das Parlament“, „Tagesspiegel“: Borchert hat ihre Hauptstadt-Ansichten auf Zeitungspapier gemalt. Berliner Zeitungen, klar.

Im 4. Raum geht es auf die Gorch Fock. Ein Jahr lang haben die Realisten das Segelschulschiff der Bundesmarine begleitet, bis in die Werft, bis nach Rostock. Gegenüber zwei Tafelbilder: Ein Bauernhof mit Schafen und ein Möbelrestaurator im flandrischen Brügge. Viele Stunden und Tage hat die Malerin auch im Kieler Landtag verbracht, was die wunderbaren kolorierten Zeichnungen im fünften Raum verraten. Im 6. Raum, bevor wir zu den an Tablet und Smartphone entstandenen Schnellzeichnungen zurückkehren, finden wir noch Gouachen von der Insel Sylt sowie großformatige Bilder von Seerosen und geschälten Äpfeln.

Insgesamt eine beeindruckende Gesamtschau aus vielen Jahren eines langen Künstlerlebens, eines Künstlerlebens überdies, das auch schon einmal Station in Bad Segeberg machte: „Ende der 90er habe ich hier schon einmal ausgestellt“, sagt Brigitta Borchert. Und schon malt sie wieder auf dem Smartphone herum.

In Berlin geboren, doch schon lange eine Künstlerin des Nordens

1940 Brigitta Borchert wird in einer Künstlerfamilie in Berlin geboren, wo sie auch aufwächst.

1958 bis 1962: Studium der Malerei und der experimentellen Graphik an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin.

1962bis 1967: Fest angestellt bei bei Gruner & Jahr in Hamburg, unter anderem in der Redaktion von „Brigitte“.

1967 und Folgejahre: freiberuflich für Agenturen und Verlage tätig.1971 Umzug nach Molfsee, verstärkte Hinwendung zur Malerei, Beteiligung an den meisten Landesschauen.

1991 Mitglied der Gruppe „Norddeutschen Realisten“ und Beteiligungen an deren Symposien, Malreisen und Ausstellungen.

2013 Brigitta Borchert bekommt über die Norddeutschen Realisten den Kunstpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft zuerkannt.

Lothar H. Kullack

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