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„Infraschall-Haus“: Digitalfunk scheidet als Ursache aus

Nehms „Infraschall-Haus“: Digitalfunk scheidet als Ursache aus

Im Haus von Maria Bochert-Urbane ist ein permanentes Vibrieren oder Druck auf den Ohren zu spüren. Das Landespolizeiamt reagierte jetzt und schaltete einen Funkmast probeweise ab - doch die mysteriösen Vibrationen bleiben bestehen. Die Ursachensuche geht weiter.

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Bernd Siedler (v.l.) und Rico Brauer nehmen die Klagen von Maria Borchert-Urban ernst. Und rätseln, woher die Phänomene kommen.

Quelle: Fotos: Pd

Nehms. Das permanente Vibrieren oder einen Druck auf den Ohren spürt nahezu jeder Besucher im Haus von Maria Borchert-Urban (die LN berichteten). Gutachter haben sich bei ihr bereits die Klinke in die Hand gegeben, einen Verursacher konnte jedoch niemand benennen. In kleinteiliger Puzzlearbeit haben sich Maria Borchert-Urban und ihre ebenfalls betroffene Nachbarin Hannelore Kuchenbecker an die Ursachenfindung gemacht. Von den Behörden weitgehend allein gelassen, reagierte jetzt die „Koordinierende Stelle“ im Landespolizeiamt in Kiel auf den Hilferuf aus Nehms und schaltete einen Digitalfunkmast für geplante 20 Minuten ab. Die Beeinträchtigungen aber blieben bestehen.

 

LN-Bild

„ Ich sehe auch die Behörden in der Pflicht.“Hannelore Kuchenbecker, Nachbarin

Quelle:

„Ich bin so dankbar, ich könnte heulen“, sagt Maria Borchert-Urban (53), als sie und Hannelore Kuchenbecker (50) Polizeihauptkommissar Rico Brauer und Regierungshauptsekretär Bernd Siedler in ihrem Wohnzimmer gegenübersitzen. Die Beamten erleben nicht nur die Verzweiflung der beiden Frauen, sondern auch, worum es geht. „Ich spüre einen Druck auf den Ohren, als wenn man in die Berge fährt“, sagt Bernd Siedler nach wenigen Minuten am Wohnzimmertisch. Rico Brauer dagegen empfindet den Infraschall als leichtes Vibrieren.

Sie sind gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen und um den Funkmast auf dem etwas mehr als vier Kilometer entfernten Deponiegelände auszuschalten. Für beide Männer ist der Digitalfunk technisch vergleichbar mit einem Handynetz für einen beschränkten Benutzerkreis. „Diskussionen, ob Digitalfunk gesundheitsgefährdend ist, gibt es jedoch bei Kollegen in allen Bundesländern“, erzählt Rico Brauer, bevor er zum Handy greift, um mit der Regionalleitstelle in Elmshorn zu telefonieren und sie darüber zu informieren, dass der Mast in wenigen Minuten vom Netz genommen wird.

Das Abschalten selbst veranlasst schließlich Bernd Siedler mit einem Anruf beim Technischen Betrieb eines Dienstleisters, der das Funknetz in ganz Deutschland überwacht. „Jetzt ist er vom Netz“, so Siedler — und alle vier Anwesenden warten auf das, was passiert. Jeder lauscht in sich hinein, doch schon nach wenigen Minuten ist klar: keine Änderung. Der Druck in den Ohren ist ebenso noch vorhanden wie das Vibrieren. Früher als geplant wird der Mast wieder ans Netz genommen.

„Ein Punkt weniger auf ihrer Liste“, sagt Bernd Siedler. Für beide Männer ist der Arbeitsauftrag eigentlich erledigt, doch auch sie spüren die Verzweiflung von Maria Borchert-Urban, die keine Nacht mehr durchschlafen kann. „Selbst mein Hund will manchmal nicht mehr ins Haus.“ Besonders bitter ist für sie das Gefühl, von den Behörden allein gelassen zu werden. „Ich habe vom Amt Trave-Land bis hin zum Kreis-Gesundheitsamt und dem Umweltministerium alle Behörden angeschrieben und um Hilfe gebeten. Von den meisten Behörden habe ich noch nicht einmal eine Rückmeldung bekommen, dass meine Mail angekommen ist.“ Ähnlich empfindet es Hannelore Kuchenbecker: „Ich sehe auch die Behörden in der Pflicht. Wir als Einzelkämpfer auf weiter Flur überblicken ja gar nicht die Möglichkeiten, die es gibt.“

Von Petra Dreu

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