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Segeberg Inklusion im Alltag: Ein Netzwerk mit vielen Partnern hilft
Lokales Segeberg Inklusion im Alltag: Ein Netzwerk mit vielen Partnern hilft
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22:22 30.10.2013

Es ist schon fast ein Schlagwort: Inklusion. Beinhaltet so vieles und doch ist die Realisierung ein äußerst langwieriger Prozess. Wie schwierig es tatsächlich ist, dieses Wort im täglichen Leben umzusetzen und in die Gedanken der Menschen zu implantieren, erfährt das „Netzwerk Inklusion Kreis Segeberg“ in den Phasen seines Aufbaues. Trotzdem bezweifelt Projektleiterin Sylvia Johannsen (Lebenshilfe Bad Segeberg und Umgebung) nicht den Erfolg des Zusammenschlusses. „Wenn die Ergebnisse weiterhin in so raschem Tempo eingehen, werden wir bald ein ganzes Stück weiter sein“, sagte sie gestern bei Vorstellung des Konzepts.

Dabei ist das Netzwerk noch recht jung; vor einem halben Jahr erst haben sich zunächst sechs Kooperationspartner zusammengetan: die Lebenshilfe, die evangelische Freikirche Bad Segeberg, die Gemeinde Klein Gladebrügge, die Jugendakademie, der Kreis und die Stadt Bad Segeberg. Dann traten der Wege-Zweckverband, die Städte Wahlstedt und Bad Bramstedt, die Tourismusagentur Schleswig-Holstein und die Wankendorfer Baugenossenschaft bei. Ziel sind etwa 30 Partner. Das Projekt ist auf insgesamt drei Jahre angelegt, hat ein Finanzvolumen von 332 000 Euro, davon trägt die Aktion Mensch 250 000 Euro, die Partner beteiligen sich mit 82 000 Euro. Schirmherr des Projekts ist der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung.

In den nächsten sechs Monaten, so Sylvia Johannsen, ruhe die Ausbauphase, die Partner würden sich mit vielen verschiedenen Maßnahmen beschäftigen. Das heißt auf der einen Seite viel theoretische Arbeit, wie die Verbreitung des Gedankens Inklusion und die Förderung des Bewusstseins bei Entscheidungsträgern zur Übernahme von Verantwortung. Auf der anderen Seite geht es um das Praktische, die Umsetzung von Ideen, Gedanken und Vorschlägen. Und hier haben Kommunen, Verbände und Institutionen teilweise doch schon einiges bewegt. Dem Netzwerk gehören auch Behinderte an, und die sagen, was sie eigentlich wollen: „Eine einfache Sprache, zum Beispiel bei Behörden, und Barrierefreiheit“, nannte Thies Teegen zwei von vielen Forderungen. Der junge Mann arbeitet bei den Segeberger Wohn- und Werkstätten in Wahlstedt und vertritt die Interessen von Behinderten im Werkstattrat und im Beirat der Lebenshilfe.

Gabi Bornheimer, Behindertenbeauftragte von Wahlstedt, fordert: „Dass die Medien Behinderte nicht immer als Opfer darstellen und beschreiben.“ Die Stadt Wahlstedt gehört zu jenen Kommunen, die schon einiges in puncto Inklusion getan haben und noch vieles angehen wollen. „Im nächsten Jahr soll das Rathaus barrierefrei werden“, kündigte Bürgermeister Matthias Bonse gestern an. Auch werde der öffentliche Zugang von Behinderten-WC in der Politik diskutiert. Schwerpunkt jedoch sei — und da geht der Wahlstedter Verwaltungschef mit den Behindertenvertretern konform — die sogenannte Leichte Sprache: eine Vereinfachung des Behörden- und Beamtendeutsch.

Barrierefreiheit sei seit drei Jahren ein Thema, mit dem sich die Stadt Bad Segeberg befasse, erklärte Ute Heldt, zuständige Mitarbeiterin aus dem Bauamt. „Denn Barrierefreiheit ist Voraussetzung für Inklusion.“

Zu jenen, die Erfahrung in diesem Thema im Netzwerk beisteuern können, gehört der Wege-Zweckverband. „Beim WZV arbeiten auch einige Schwerstbehinderte, zum Beispiel im Rechnungswesen“, präzisierte Verbandsvorsteher Jens Kretschmer. Beim Verein für Jugend- und Kulturarbeit — auch Partner im Netzwerk — sei Inklusion Bestandteil der Aus- und Fortbildung junger Leute. „Zum Beispiel für den Jugendgruppenleiterlehrgang“, so Geschäftsführer Dieter Fiesinger. Bei jenen, die für den Verein arbeiten, solle ein Grundverständnis für den Umgang mit behinderten Menschen gebildet werden. „In unserem Haus ist dafür eine große Sensibilität entstanden“, betonte er.

„Barrierefreiheit ist Voraussetzung für Inklusion.“
Ute Heldt, Bauamt

Ursula Kronlage

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