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Inklusion in der Lehrwerkstatt

Bad Segeberg Inklusion in der Lehrwerkstatt

Wer als Schüler mit Defiziten in der geistigen Entwicklung die Trave-Schule absolviert hatte, besuchte danach die Wahlstedter Werkstätten. Die Zeiten dieses automatischen Wechsels sind vorbei, denn gemeinsam mit dem Berufsbildungszentrum Bad Segeberg geht die Schule neue Wege.

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Carolin Möller (16, l.) und Luisa Brack (16) gehören zu den ersten neun Schülern der Trave-Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, die eine Klasse im Berufsbildungszentrum besuchen.

Quelle: Foto: Petra Dreu

Bad Segeberg. Inklusion, das gemeinsame Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen, gemeinsam spielen, lernen und seine Freizeit verbringen: In Kindergärten und Grundschulen ist das in der Regel selbstverständlich geworden. In weiterführenden Schulen sieht das zwar etwas anders aus, aber mit einem Inklusionsprojekt an der Dahlmannschule hatten das Förderzentrum Trave-Schule und der Kreis Segeberg als Träger des Förderzentrums bereits den Beweis dafür angetreten, dass es möglich ist, den Inklusionsgedanken auch in einem Gymnasium umzusetzen.

Doch was passiert danach, wenn die Schulpflicht beendet ist? Hört Inklusion dann abrupt auf? Bislang jedenfalls war es so. In der Regel wechselten die Schüler von der Trave-Schule zu den Werkstätten nach Wahlstedt, selbst wenn die Schüler zuvor Integrationsklassen der weiterführenden Schulen besucht hatten. „Das kann es doch nicht sein“, sagte sich der Sonderpädagoge Olaf Schneider, der nach einem Weg suchte, um Schülern aus Inklusionsklassen berufliche Bildung angedeihen zu lassen. Einen ersten Versuch hatte es zwar bereits in den Schuljahren 2009 bis 2011 gegeben, doch der wurde nach nur drei Jahren aufgegeben.

Erste Adresse für einen Neustart war für ihn abermals das Berufsbildungszentrum Bad Segeberg, in dem der Pädagoge in Karin Pätzold eine Mitstreiterin fand. Sie gingen auf die Suche nach ähnlichen Projekten und tauschten mit den dortigen Pädagogen Erfahrungen aus, die wiederum in das Konzept eingeflossen sind. Karin Pätzold leistete zudem Überzeugungsarbeit bei ihren Kollegen, für die ein solches Projekt absolutes Neuland war und für das sie letztlich auch nicht ausgebildet waren.

Bedenken, dass sich die Förderschüler in dem riesigen Bildungszentrum mit zwei Gebäuden, vielen Ecken und Räumen nicht zurechtfinden würden, räumten die Schüler selbst aus, indem sie probeweise im BBZ hospitierten und teilweise über sich selbst hinauswuchsen.

Inzwischen arbeiten und lernen neun Schüler der Trave-Schule, die zuvor die Inklusionsklassen am Städtischen Gymnasium und in der Dahlmannschule besucht haben, das BBZ. Jeweils drei Schüler sind Teil der Klassen für die Bereiche Holztechnik, Farbtechnik sowie Kochen und Backen. „Die Schüler sind schon nach kurzer Zeit mit ihren Aufgaben gewachsen“, erzählt BBZ-Schulleiter Heinz Sandbrink.

Wahrscheinlich werden es nach dem Projekt nur wenige Schüler schaffen, sich für einen Helferberuf zu qualifizieren, aber sie hatten die Möglichkeit, einen anderen Weg kennenzulernen. „Ich bin dankbar, dass Sie ausgetretene Wege verlassen“, sagte Schulrat Jürgen Hübner bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung. Von dem Projekt zeigte sich auch Landrat Jan Peter Schröder überzeugt: „Ich bin mir sicher, aus Sicht der Kinder können wir es uns nicht leisten, sie nicht wählen zu lassen. Und wir müssen die Arbeitgeber davon überzeugen, was sie können.“

Von Petra Dreu

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