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Segeberg Inspiration Holz: Wahlstedter „Wald-Art“
Lokales Segeberg Inspiration Holz: Wahlstedter „Wald-Art“
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12:31 02.08.2016
Jeden Morgen vor der Arbeit nimmt sich Henning Thode der Baumstümpfe im Gildewald an, macht aus ihnen hölzerne Kunstwerke. Eine halbe Stunde gibt er sich dafür Zeit. Unter Zeitdruck setze er sich dabei nicht, so der 49-Jährige, der sich vom Werkstoff inspirieren lässt. Quelle: Heike Hiltrop

Das gleichmäßige Geräusch eines Hammers, der immer wieder dumpf aufschlägt, klingt durch den Gildewald. Es ist zwischen sieben und acht Uhr morgens, und so mancher, der dort gerade mit seinem Hund Gassi geht oder Richtung AOK-Bildungszentrum unterwegs ist, weiß: Henning Thode bearbeitet wieder einen Baumstumpf. Schon vor Monaten hatten die Lübecker Nachrichten über einen Unbekannten berichtet, der mitten in Wahlstedt Schrate, Tiere oder anderes gestaltet. Der 49-Jährige ist es, der den Gildewald zum Kunstraum im Grünen macht. „Wald-Art“ sozusagen – abgeleitet von der Street-Art.

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In dieser Bildergalerie sehen Sie weitere fantastische Baumstumpf-Skulpturen von Henning Thode.

Holz sei schon immer sein Lieblingswerkstoff gewesen, sagt Henning Thode. „Angefangen, mit der Säge zu arbeiten, habe ich 1998 in Österreich. Bis auf ein paar Reliefs in der Garage habe ich dann nichts mehr gemacht“, erinnert sich der Chef eines Reisebüros. „Als aber die Stürme viele Bäume umgehauen hatten, die hier wie überdimensionale Mikadostäbchen herumlagen, und der Gildewald dann im vergangenen Jahr gelichtet wurde, kam das wohl wieder durch.“

Das Holz habe ihn angesprochen, er legte los. „Und wenn es dann funktioniert, macht man einfach weiter.“ Anliegern und Spaziergängern gefällt, was er mit Kettensäge, Schnitzeisen und Klüpfel erschafft. „Und bisher bin ich noch nicht durch ein Negativerlebnis gestoppt worden.“ Lediglich Harzbahnen oder morsche Stellen im Werkstoff halten ihn gelegentlich kurz auf. „Aber dann überlege ich, ob man die Figur kleiner oder etwas anderes macht oder es ganz sein lässt. Das ist nicht schlimm.“

Zehn große Schnitzereien sind so im Wald entstanden – und ein paar kleine Handschnitzereien. Das Ganze erinnert ein wenig an die Tradition skandinavischer Trollwälder, in denen sich oft solche Figuren finden lassen. „So etwas gibt es auch in Thüringen, wo Waldwege ein Stück von geschnitzten Figuren und Tieren gesäumt werden“, unterstreicht Henning Thode. Das, was er macht, sei daher gar nicht so selten. Inspiration gibt ihm ein Skizzenbuch oder das Holz selbst.

„Filigran wird es nicht, das habe ich vor zehn Jahren mal im Gildewald probiert, doch es wurde zerstört. Jetzt mache ich Dinge, die ein Hilfspunk mit seinen Springerstiefeln nicht kaputttreten kann.“ So entstehe eben die Schlange, die sich um einen Baumstumpf windet, aber niemals eine mit freistehendem Kopf oder Schwanz. „Das sind so Erfahrungswerte.“

Jeden Tag geht Thode in den Wald und arbeitet an einem Projekt: „Für mich ist das so meditativ wie andere Stricken oder Gitarrespielen. Man muss sich einfach mal anders konzentrieren als im Alltag.“ Maximal eine halbe Stunde morgens vor der Arbeit und manchmal auch nach Feierabend verbringt Henning Thode im Gildewald. „Und die Teile ich mir noch mit unserem Hund, der muss ja auch bewegt werden.“

 Heike Hiltrop

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