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Segeberg Anlieger wollen weiter die S21 verhindern
Lokales Segeberg Anlieger wollen weiter die S21 verhindern
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18:43 22.01.2019
IG Nahverkehr Kaltenkirchen - Hamburg gegen S21-Projekt Sind gegen die Technik von gestern für ein Verkehrsprojekt von morgen: Torsten Brandes (v.l.), Markus Spiering und Gösta Klemm von der IG Nahverkehr Kaltenkirchen – Hamburg auf einem Grundstück der Bahnstraße in Ellerau. Foto: Fuchs Quelle: Burkhard Fuchs
Ellerau/Kaltenkirchen

Der Erfolg der Bürgerinitiative Bahnstraße aus Ellerau macht den Mitstreitern Mut. Den Anwohnern der AKN-Strecke KaltenkirchenEidelstedt aus Ellerau und Quickborn ist es gelungen, den zweigleisigen Ausbau vor ihrer Haustür bei der geplanten Elektrifizierung der Linie A1 zur S-Bahn 21 zu verhindern. Darum haben sie jetzt die „Interessengemeinschaft Nahverkehr KaltenkirchenHamburg“ gegründet, die die Interessen aller Anlieger auf dieser Strecke beim S21-Projekt bündeln und notfalls ihren Widerstand organisieren soll. Auf zwei Info-Veranstaltungen im Februar soll die Bevölkerung darüber aufgeklärt und weitere Unterstützer gewonnen werden, kündigt ihr Gründer und Vorsitzender Markus Spiering aus Ellerau an. „Wir haben jetzt schon 200 Mitstreiter in unseren Reihen“, sagt Anlieger Torsten Brandes. Insgesamt wären rund 1000 Anlieger betroffen, sagt Spiering aus Ellerau, der die erfolgreiche BI Bahnstraße gegründet hatte. „Ich habe gerade so viele Flyer an die betroffenen Haushalte verteilt.“

Gegen das erste, jetzt zurückgezogene Planfeststellungsverfahren hatte es 222 Einwendungen von Anliegern gegeben. Die Landesregierung hat im Herbst 2018 das zweite Gleis auf dem 800 Meter langen Teilstück zwischen den Bahnhöfen Ellerau-Tanneneck und Quickborn als nicht mehr notwendig befunden und aus dem laufenden Planfeststellungsverfahren herausgestrichen. Sonst wäre das gesamte Projekt bei der angekündigten Klage der BI Bahnstraße vom Verwaltungsgericht kassiert worden, erklärte Verkehrsminister Bernd Buchholz nun bei einem Besuch vor Ort.

IG Nahverkehr Kaltenkirchen - Hamburg gegen S21-Projekt Verkehrsminister Bernd Buchholz (v.l.) informierte sich jetzt vor Ort am Bahnhof Ellerau mit den Bürgermeistern Thomas Köppl (Quickborn) und Ralf Martens (Ellerau) sowie AKN-Vorstand Wolfgang Seyb. Foto: Fuchs Quelle: Burkhard Fuchs

Der Minister zeigte sogar ausdrückliches Verständnis für die Betroffenen. Er sei auf dem Führerstand einer Bahn die Strecke mit AKN-Vorstand Wolfgang Seyb entlang gefahren und habe dabei aus nächster Nähe gesehen, wie dicht die Bahnlinie an den Häusern vorbei führt, die den Eigentümern einen Teil ihres Grundstücks für das zweite Gleis gekostet hätte. „Wenn das mein Haus und meine Terrasse gewesen wäre, hätte ich wohl auch eine Bürgerinitiative gegründet“, stellte Minister Buchholz fest.

„Wir sind ja keine Krawallmacher, die sich an die Gleise ketten“, sagt dazu IG-Sprecher Spiering. Aber der Spuk sei noch nicht vorbei. Das Land plane nach wie vor, die AKN-Strecke mit Hochspannungs-Oberleitungen zu elektrifizieren. Mindestens 600, etwa 14 Meter hohe Strommasten sollen dafür auf den Grundstücken aufgestellt werden. Was die Bewohner „als massiven Eingriff“ in ihre Grundstücke bewerten, wie Mitstreiter Gösta Klemm aus Bönningstedt sagt. Sie fürchten Elektrosmog, optische Beeinträchtigungen, Aufbrüche ihre Zäune und Sichtschutzwälle, Landschaftsverschandelung und Wertminderung ihrer Grundstücke. Davon wären alle Anwohner entlang der Strecke negativ betroffen.

Zudem halten sie die Technologie für veraltet und zu teuer. So würde die Oberleitung die Züge um jeweils eine Million Euro teurer machen als eine Gleichstromschiene, was bei 37 neu anzuschaffenden Zügen eine beträchtliche Summe wäre, die anderweitig sinnvoller zu investieren wäre. Und selbst eine Stromschiene, die die Oberleitungsmasten unnötig machen würde, wäre „nur die zweitschlechteste Lösung“, argumentiert IG-Sprecher Brandes. „Darum wollen wir versuchen, gemeinsam eine sinnvolle Nahverkehrs-Lösung mit Verbesserung beim Lärmschutz und ohne Oberleitung, Hochspannungsmasten, Enteignungen oder Zwangs-Grunddienstbarkeiten zu erreichen.“

Das Projekt S21

Bis 2025 soll die derzeitige AKN-Strecke zwischen Hamburg Eidelstedt, Quickborn und Kaltenkirchen für den S-Bahn-Betrieb ausgebaut und hergerichtet werden. Dafür ist die Elektrifizierung der gesamten, 30 Kilometer langen Strecke notwendig. Für einen barrierefreien Zugang zu den S-Bahn-Zügen müssen darüber hinaus die Bahnsteige erhöht und verlängert werden. Der geplante zweigleisige Ausbau ist nach Intervention der Anwohner aber vom Tisch.

Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein versprechen sich von dem Verkehrsprojekt eine engere Abindung von Hamburg an das schleswig-holsteinische Umland. Mit Fertigstellung der S21 können Ziele in der Hamburger Innenstadt direkt ohne Umsteigen erreicht werden. Vorgesehen ist ein 20-Minuten-Takt ab Kaltenkirchen.

So schlagen die IG-Sprecher statt der Stromleitungen vor, die jetzt offenbar „auf Biegen und Brechen durchgesetzt werden sollen“, batterie- oder Akku-betriebene Züge auf dieser Strecke einzusetzen. Auch Wasserstoffantrieb käme in Frage, der bereits im Nahverkehr in Niedersachsen erfolgreich eingesetzt würde. Zumal sich mit Wasserstoff der überschüssige Windstrom in Schleswig-Holstein hervorragend für solche Verkehrsprojekte speichern ließe. „Wir sollten nicht die Technik von gestern für ein Verkehrsprojekt von morgen einsetzen“, erklärt Bahnanlieger Klemm.

Bei Verkehrsminister Buchholz stoßen die S21-Gegner allerdings in dieser Frage auf wenig Gegenliebe. „Die Oberleitungsmasten werden die Anwohner auf ihren Grundstücken zu akzeptieren haben“, sagt Buchholz. Weil er aber ahnt, dass auch das bei den Betroffenen sehr umstritten ist, rechne er mit Klage gegen den etwa im nächsten Jahr erwarteten Planfeststellungsbeschluss für das neue S21-Verfahren. Frühestens 2025 könnte dann aus seiner Sicht die von den meisten Bürgermeistern entlang der AKN-Strecke begrüßte neue S-Bahn von Kaltenkirchen nach Eidelstedt fahren.

Die IG Nahverkehr will das verhindern und lädt alle Anlieger und Bürger zu zwei Info-Veranstaltungen ein. Die erste ist am Dienstag, 5. Februar, um 20 Uhr im Bürgerhaus im Hoyerweg 2 in Ellerau. Die zweite am Donnerstag, 7. Februar, um 20 Uhr im Restaurant Montenegro in der Rugenbergener Straße 50 in Bönningstedt.

Burkhard Fuchs

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