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Segeberg It's clear: Joshy Peters will weitermachen
Lokales Segeberg It's clear: Joshy Peters will weitermachen
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17:16 01.09.2017
Joshy Peters stöbert gerne in den alten Bildern seiner zahlreichen Rollen bei den Karl-May-Spielen. Bad Segeberg ist zur zweiten Heimat geworden. Quelle: Glombik/kalkberg-Archiv
Bad Segeberg

Jede Rolle hat er gemeistert, und deshalb wurde der Publikumsliebling auch immer wieder an den Kalkberg geholt. Jetzt spielt er bei den Karl-May-Spielen den Old Wabble. „It's clear“ (engl: ist klar, logisch) lautet dessen Spruch. „It's clear“ wird auch gerufen, wenn er an den Zuschauern vorbeiprescht. „Die rennen uns wirklich die Bude ein“, Joshy Peters ist wie das gesamte Ensemble stolz über den Erfolg. Seine Rolle des zotteligen Old Wabble, ein zwielichtiger Cowboy, der gerne Indianer tötet, sei vielschichtig und damit spannend. „Die Empathie der Zuschauer für den Bösewicht ist manchmal größer als für die Guten“, sagt er schmunzelnd. Bösewichte liegen ihm. Als skrupelloser Roulin im „Tal des Todes“, 1993 als der Ölprinz. Und im 30. Jubiläumsjahr spielt er Old Wabble, der erst schießt und dann denkt, an der Seite von General Douglas, den Mathieu Carriere als eiskalten Gentleman interpretiert.

Karl-May-Spiele Bad Segeberg 2017, "Old Surehand", Pressekonferenz mit ersten Szenen

1987 ging es mit Joshy Peters los, damals noch an der Seite von Winnetou-Darsteller Klaus-Hagen Latwesen. Der musste im drauffolgenden Jahr Pierre Brice weichen. „Dieses erste Jahr war wenig erfreulich“, erinnert sich Peters. Die Aussicht, dass Pierre Brice Latwesen ablösen sollte, habe die Spielzeit überschattet. Joshy Peters: „Ich hatte das Gefühl, ich wohne einem Psychodrama bei.“ Es habe ein kurzes Zusammentreffen mit Brice gegeben. Doch der Altersunterschied sei zu groß gewesen, als damals noch junger Old Shatterhand an der Seite des Winnetou- Veteranen zu spielen. Besonders gerne erinnert sich Joshy Peters an die Rolle als Großer Wolf an der Seite von Gojko Mitic („Schatz im Silbersee“), der Winnetou von 1992 bis 2006 spielte. Da durfte er sogar historische Sätze von Sitting Bull, dem weisen Stammeshäuptling der Sioux, einflechten.

„Es gab tolle Szenen. Eine tragende Indianerrolle.“ Er ist Fan der indianischen Kultur, alter Weisheiten, die längst überholt und vergessen sind. „1992 war für mich das schönste Jahr. Da sind wir wie verrückt geritten.“ Mit dem Segeberger Winnetou Gojko Mitic habe er einen Freund gewonnen. „Ein liebevoller Mensch, der für alle ein Ohr hatte und sich nie in den Vordergrund spielte.“ Eine Saison habe er mit ihm eine Wohnung geteilt und zusammen gekocht. Auch das jetzige Ensemble sei eine gute Truppe. „Wir haben viel Spaß gehabt, trotz des oft sehr schlechten Wetters, da waren keine Mimosen dabei.“

Bad Segeberg sei zu seiner zweiten Heimat geworden. Vor geschätzt fünf Millionen Zuschauern ist er hier geritten. Auch nach 30 Jahren denkt der fitte 59-Jährige, trotz parallel laufender Fernsehrollen (unter anderem bei „Nord bei Nordwest“) nicht ans Aufhören. Er könne gut noch einmal den Old Shatterhand, seine Lieblingsrolle, spielen. „Ich werde im September 60.“ Doch bei einem sportlichen Härtetest bescheinigte man ihm die Fitness eines 40-Jährigen.

Und nun wird er auch noch Vater. Mit seiner künftigen Frau Daniela Wichmann erwartet der Schauspieler, der im Jahr 2008 bereits Vater von Zwillingstöchtern wurde, im Oktober einen Sohn. „Stichtag ist der 12. Oktober“, hatte Joshy Peters verraten. „Die Zwillinge freuen sich riesig auf ihren Bruder. Es ist ein großes Glück.“

Ein Schauspieler zum Anfassen. „Ich finde es toll, wenn mich die Leute auf der Straße erkennen.“ Inzwischen habe Bad Segeberg so eine Wertigkeit, „dass mich auch die Leute zu Hause in Hamburg-Eppendorf auf das Stück anquatschen“. Und dann fischt er noch vergnügt grinsend eine Zeitungsartikel von 1987 aus dem Bilderstapel. „Old Shatterhand schlug drei Räuber in die Flucht“ titelte ein Boulevardblatt 1988. „Die waren besoffen und wollten meine Kohle.“ Als ihn einer der Banditen mit dem Messer verletzte, schlug er die Angreifer mit Fäusten in die Flucht. Old Shatterhand hat sein Handwerk gelernt. Heute würde er ihnen „It's clear“ hinterherrufen.

Fällt Sonntag der Rekord?

Noch fünf Vorstellung von „Old Surehand“ stehen für die Darsteller der diesjährigen Spielzeit auf dem Programm. Am Sonntag, 3. September, zum Finale erwartet die Fans wieder eine besondere Vorstellung mit kleinen Gags, die es sonst nicht im Drehbuch gibt. Das ist längst Tradition. Die Vorstellung ist jedoch nahezu ausverkauft, im Online-Buchungssystem sind lediglich noch wenige Einzelkarten erhältlich.

Wer das Stück jetzt noch sehen möchte, darf nicht wählerisch sein. Für die heutigen Freitagsvorstellungen werden bereits keine Tickets mehr angeboten. Auch für Sonnabend, 2. September, sind nur noch Restkarten für die Nachmittagsvorstellung erhältlich.

Gibt es einen neuen Rekord am Kalkberg? Die magische Marke von 300000. Besucher wurde locker erreicht. Zum zehnten Mal überhaupt. Dieses Jahr in der 63. Vorstellung – wie bereits 2016 bei „Schatz im Silbersee“. 366369 Besucher wurden am Ende gezählt, es war das vierte Rekordergebnis in Folge. Die Marke könnte am Sonntag geknackt werden.

Zuschauerzahlen der Karl-May-Spiele

 Wolfgang Glombik

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