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Segeberg Itzstedter See: Gemeinden sollen kaufen
Lokales Segeberg Itzstedter See: Gemeinden sollen kaufen
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21:45 08.09.2016
Die Badestelle am Itzstedter See wird vom Amt verwaltet, der Rest des Sees ist in privater Hand und steht für 1,4 Millionen Euro zum Verkauf – eine „Jahrhundertchance“ für die umliegenden Gemeinden? Quelle: dpa

Der Itzstedter See steht zum Verkauf. Schlappe 1,4 Millionen Euro soll das Gewässer mit 15 Hektar Wald und einem sanierungsbedürftigen Bungalowbau kosten (die LN berichteten gestern). Ein stolzer Preis, bei dem Otto-Normalverbraucher tief durchpusten muss. Trotzdem nennt der CDU-Kreistagsabgeordnete aus Nahe, Uwe Voss, die Kaufmöglichkeit eine „Jahrhundertchance“ und fordert die Gemeinden Itzstedt und Nahe auf, den See zu erwerben. „Damit würde der Badebetrieb für nachfolgende Generationen gesichert und ein Rundwanderweg ermöglicht“, argumentiert Voss. „Kredite sind günstig wie nie.“ Und sicher könnten auch Fördermittel eingeworben werden. Ein guter Plan oder eine Schnapsidee?

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CDU-Politiker Uwe Voß aus Nahe stößt mit seiner Forderung auf offene Ohren – Doch der hohe Preis schreckt ab.

„Das ist in der Tat eine Jahrhundertchance“, sagt Itzstedts Bürgermeister Peter Reese (CDU). Schon als der See in den 1950ern zum Verkauf stand – damals für 100000 Mark –, habe es die Diskussion gegeben. Zu teuer, lautete das Urteil am Ende. Damals wie heute ist es eine Preisfrage. Sowohl in Itzstedt als auch in Nahe gibt es andere Großprojekte mit Millionenvolumen: Itzstedt will seinen Ortskern erneuern und dafür den Gasthof Juhls erwerben – zu der Frage wird derzeit ein Bürgerbegehren angestrengt. Nahe hat den Birkenhof für 1,1 Millionen gekauft, um hier den Bauhof anzusiedeln und Gewerbeflächen zu schaffen.

Grundsätzlich sei er für einen Erwerb des Sees, sagt Itzstedts Bürgermeister Reese, aber vielleicht doch eher im Verbund mit den anderen Amtsgemeinden. „Das ist ein Naherholungsgebiet, davon profitieren wir alle.“ Man müsse mal die Stimmungslage austesten.

Reinhard Schümann, Fraktionschef der FDP in Itzstedt, spricht von einer „tollen Idee“, die er vor einigen Jahren selbst schon mal ins Gespräch gebracht habe. „Mein Vater hat 1956 in der Gemeindevertretung gesessen, als es um die Frage ging, ob die Gemeinde den See kauft.“ Für die Gemeinde sei der kauf zu teuer, aber „der Amtsvorsteher sollte das in die Hand nehmen“.

Es wäre schon gut, wenn der See in öffentlicher Hand wäre, findet Helmut Thran von der SPD. Gerade für die Ökologie des Sees, der kürzlich erst saniert wurde. Zwei Jahre habe er für die Phosphatfällung gekämpft, sagt Thran. Weil man sich mit dem privaten Eigentümer absprechen musste. Eigentlich müsse man auch etwas gegen den zu hohen Fischbestand tun, sagt Thran, doch hier werde man sich nicht einig mit der Besitzerin. Solche Sachen würden einfacher, wenn eine oder mehrere Gemeinden den See kaufen würden. „Aber die Verkaufssumme ist natürlich ganz schön heftig“, sagt Thran.

Oberste Priorität habe der Kauf des Sees für ihn nicht.

„Wir haben nicht das Geld, um den See zu kaufen“, sagt Heiko Ehwald, Fraktionssprecher der UBI. „Was soll die Gemeinde mit einem See?“, fragt er. Bei dem Vorschlag schwinge eine Menge Nostalgie mit.

1,4 Millionen für einen Wanderweg um den See sei unverhältnismäßig. Da könnte man über ein zweites Bürgerbegehren nachdenken. Wie schon zur Frage, ob die Gemeinde den Gasthof Juhls kaufen soll für 1,2 Millionen Euro. Man könne nicht einfach immer neue Schulden machen. Die Badestelle sei auch bei einem Verkauf an einen privaten Eigentümer sichergestellt, betont Ehwald. Einzig, wenn das Amt den See übernehmen und dann das Haus lukrativ verkaufen würde, sei das Projekt vorstellbar.

In der Nachbargemeinde Nahe ist man nicht abgeneigt, doch auch Bürgermeister Holger Fischer (WDN) schreckt der Kaufpreis angesichts anderer wichtiger Projekte in der Gemeinde – wie den Birkenhof.

Allerdings sei er auch schon von Bürgern angesprochen worden, den See zu kaufen. Fischer: „Wir werden das in der Gemeindevertretung besprechen.“

 Nadine Materne

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