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Segeberg Auge zeigt Jahresschau in der Villa Flath
Lokales Segeberg Auge zeigt Jahresschau in der Villa Flath
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19:28 27.09.2018
Die AUGE freut sich über Künstler Michael Krautzig aus Glückstadt. Seine Bilder fallen sofort auf: Gemalt auf Holz oder Holzfaserplatten, mit Öl oder gespachtelt. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

„Maler sind keine Spitzenverdiener“, sagt der Maler und Grafiker Konrad Schüler aus Kükels. „Das ist nicht neu.“ Wie auch heute noch hätten selbst die größten Künstler ihr Geld meist anders verdient. „Dass Grünewald Wasserbauer war und Tizian Holzhändler, das wissen viele nicht.“ Handwerk, Verarbeitung sowie Technik seien mit der klassischen Kunst untrennbar miteinander verbunden.

Die Ausstellungsgemeinschaft Auge bietet eine „Schnittstelle“ an: Dem Thema widmet sie ihre Jahresschau in der Villa Flath, die am Sonntag um 11.30 Uhr beginnt. „Kameras, Schiffe und Autos – das sind immer auch künstlerische Produkte“, sagt Schüler. „Wir haben mit der Ausstellung eine Nische gesucht.“

„Schnittstelle“

Malen auf Holzfaser

Die Künstlergemeinschaft Auge freut sich besonders über Michael Krautzig aus Glückstadt. „Er macht etwas ganz Besonderes, das hat Segeberg noch nicht gesehen“, sagt Konrad Schüler. Seine Bilder, alles Einzelstücke, fallen auf: Gemalt auf Holz oder Holzfaserplatten, mit Öl oder gespachtelt – sie bekommen teilweise Formen, die über das Zweidimensionale hinausgehen. Dass immer wieder Augen in seinen Werken auftreten und eine Verbindung zur Abkürzung der Ausstellungsgemeinschaft „Auge“ herstellen, ist Zufall. „Das Sinnesorgan mich eine ganze Zeit lang beschäftigt“, erzählt er.

Technik der Wahrnehmung

Er hat die Bilder für das Thema der Schau ausgewählt, weil Augen für den Menschen Technik sind. „Die Technik unserer Wahrnehmung“, sagt er. Manch einem Betrachter sei das vielleicht zu direkt. Immerhin wird dieser ja quasi selbst zum Motiv. „Es ist eine besondere Sache, wenn das Bild anfängt zu schauen“, schmunzelt Krautzig. Auch ein Hang zu Kreisen und Kugeln ist bei ihm unverkennbar.

Malerei und Keramik verschwimmen

Denn das Arbeiten mit Formen, als Keramiker auch an der Drehscheibe, ist Teil seines Schaffens. Zwischen Malerei und Keramik macht er kaum einen Unterschied. Das eine müsse man vor allem visuell begreifen, das andere sei nichts weiter als Plastizieren mit Licht. Einige Keramiken stellt er in der Villa aus. Segeberger Künstlern war er auf dem Töpfermarkt in Kellinghusen aufgefallen. Ihrer Einladung folgte er gern.

Ein mulmiges Gefühl bleibt

Ursel Wiesen-Klomp aus Wahlstedt hat sich mit künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist mit Öl und Acrylfarben auf Leinwänden zu sehen. „Ich habe Skepsis verarbeitet. Ist Künstliche Intelligenz Hilfe oder doch mehr Konkurrenz? Das ist ja immer noch nicht ganz klar“, sagt sie. Weltweite Vernetzung, permanente Verfügbarkeit und Roboter, die unsere Arbeit übernehmen – ein mulmiges Gefühl bleibt. „Kreuzfahrtanbieter verwenden Maschinen, die weiblich wirken und die Gäste einchecken. Sie nehmen wahr, was gewünscht ist und finden Lösungen.“ Das sei vielleicht hilfreich, aber auch gewöhnungsbedürftig.

Vernissage

Die Vernissage ist am Sonntag, 30. September, um 11.30 Uhr in der Villa Flath in der Bismarckallee 5. Die Schau der acht Künstler ist bis zum 21. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten sind sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Acht Künstler sind dabei

Acht Künstler, die meisten aus dem Kreisgebiet, stellen in der Villa ihre Schnittstellen-Werke aus. Kerstin Hagge aus Bad Segeberg zeigt Fotografien, die Metallgestalter Gudrun und Kurt Tischler aus Trappenkamp zeigen Schmiedearbeiten und Katrin und Klaus Lienau aus Bad Segeberg präsentieren vor allem „Stirling aus Metallbauteilen“. Diese Werke sind funktionstüchtig: „Es ist immer die gleiche Technik, aber völlig verschieden gestaltet“, erklärt Konrad Schüler, der auch selbst Malereien zeigt.

Skurrile Maschinen

Die Lienaus haben die technischen Kunstwerke von Klaus Koch aus Hohenwestedt erstanden. Der gelernte Gebrauchsgrafiker war 50 Jahre lang als Designer, Illustrator und Fotograf in der Werbebranche tätig. Daneben entstanden unter seinem Pseudonym Lucas Epret kritische Cartoons und satirische Texte. „Seit 1970 konstruierte und fertigte er skurrile, fantastische und funktionstüchtige Maschinenobjekte“, erklärt Katrin Lienau. Die Geräte funktionieren mit Stirlingmotoren. Die Antriebstechnik war Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden – der schottische Pfarrer Robert Stirling erhielt das Patent für die Kurbelstellung und der Siegeszug der Heißluftmaschine begann. Rund hundert Jahre später haben andere Motoren die Arbeit übernommen.

Werke werden zum Leben erweckt

„Ein Teelicht oder ein bisschen Spiritus reichen bei unseren Exponaten für stundenlange Mobilität“, sagt Klaus Lienau. „Unsere Auswahl seiner Werke beschränkt sich auf Konstruktionen mit Metallbauteilen, meist aus Märklin-Kästen. Damit passen sie wunderbar in unser Museum des Sammlervereins in der Wickelstraße.“ Andere seiner Werke sind bei seiner Übersiedlung in ein Seniorenheim dem Technikmuseum in Berlin übergeben worden.

Irene Burow

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