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Segeberg Jede Woche neue Schüler für das BBZ
Lokales Segeberg Jede Woche neue Schüler für das BBZ
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21:17 07.01.2016
Praxisstunden in der Holzwerkstatt: Mahmoud Abdailah (Ägypten), Mazin Salih (Irak), Raid Seror (Syrien, v.l.) aus der DaZ-Klasse des BBZ.

Zange, Säge, Hobel. Mit Kabeln befestigt, hängen die Tischlerwerkzeuge vor der Tafel der Holzwerkstatt des Berufsbildungszentrums (BBZ) Bad Segeberg. Daneben hat Berufsschullehrer Jochen Heinzel mit Kreide deren deutsche Bezeichnung für seine Schüler aufgeschrieben. Es ist eine DaZ-Klasse — Deutsch als Zweitsprache. Die Schüler kommen hauptsächlich aus Syrien und Afghanistan. Statt Deutschstunden am Block setzt das BBZ auf eine Mischung aus Praxis und Theorie, um mit der neuen Sprache auch Berufsorientierung zu bieten. Im August war das Projekt mit 38 Migranten gestartet. Inzwischen sind es 70.

„Jede Woche kommen fünf bis zehn Schüler dazu“, sagt Fatih Sengenc, Abteilungsleiter für die Berufsvorbereitung, beim Wahlkreisbesuch des Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann (CDU) am Donnerstag. „Auch heute Morgen waren wieder fünf Neue da“, so Sengenc. Nahm die Schule Anfangs noch Flüchtlinge bis zum 25. Lebensjahr auf, musste die Altersgrenze nun deutlich nach unten geschraubt werden auf 18 Jahre, berichtet Schulleiter Heinz Sandbrink. Anders sei es nicht zu schaffen. Die Klassenstärke hat bereits die 20er-Marke übertroffen. Für einen Lehrer allein sei das nicht machbar, sagt DaZ-Lehrerin Daniela Flaschmann. Schon gar nicht bei unterschiedlichen Sprachkenntnissen. Mindestens 15 Lehrer sind in die Arbeit mit den Flüchtlingen einbezogen. „Wir haben eine Kooperation mit der Volkshochschule“, erklärt Sandbrink. So könne er Lehrer stundenweise einkaufen. Auch seien Pensionäre reaktiviert worden.

In der Holzwerkstatt sind die jungen Männer dabei, ein Stövchen zusammenzubauen. Brettchen maßgenau zusägen, schleifen, bohren, zusammenschrauben. Es sind erste Einblicke ins Tischlerhandwerk.

Außerdem durchlaufen die DaZ-Schüler die Malerwerkstatt und das E-Labor — neben den normalen Stunden in Deutsch, Mathe, Politik/Wirtschaft, betont Sandbrink. Ob die handwerklichen Kenntnisse auch für eine berufliche Qualifikation taugen, wird sich zeigen. „Im Vordergrund steht zunächst die Sprache“, sagt Sengenc. Für eine Berufsausbildung sei das Sprachniveau B1 erforderlich. „Dafür sind zwei, drei Jahre notwendig.“ Diese Zeit werden viele jedoch nicht bekommen. Mit 18 endet die gesetzliche Schulpflicht und mit dem Schuljahr dann auch der Platz am BBZ.

In diesem Jahr aber können sich noch alle DaZ-Schüler auf einen besonderen Ausflug freuen. Im Februar werden sie von Storjohann nach Berlin eingeladen, um sich anzusehen, wie im Bundestag Politik gemacht wird.

„Zwei, drei Jahre dauert es, bis das Sprachniveau für eine Ausbildung erreicht ist.“
Fatih Sengenc, Leiter Berufsvorbereitung

Nadine Materne

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