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Segeberg „Jeder gefasste Intensivtäter ist Gold wert“
Lokales Segeberg „Jeder gefasste Intensivtäter ist Gold wert“
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22:06 07.11.2013
Bad Segeberg

Seit 2012 steigen die Deliktzahlen deutlich. „Wir müssen ein Auge drauf haben“, sagte Hahn.

Genau das habe die Polizei auch, schob er hinterher. „Normalerweise dümpelt die Aufklärungsquote bei zehn Prozent. 2012 ist sie abgestürzt, und wir wissen nicht warum.“ Derzeit liege sie aber bei erfreulichen 15 Prozent. Die meisten Einbrüche in Privatwohnungen fänden zwischen 6 und 21 Uhr statt, sind also Tageswohnungseinbrüche, bevorzugt in der Dämmerung. Die Bewohner sind zur Arbeit, womöglich steht ein Fenster auf kipp: Und schon sind die Einbrecher im Haus, durchwühlen blitzschnell die Wohnung nach Geld und Schmuck — und verschwinden wieder. Weiter geht‘s zum nächsten Tatort. „Viele Einbrüche werden von Profis, oft Banden, verübt, die gezielt und geplant vorgehen“, weiß Hahn. Etwa durch vorherige Anrufe bei ihren Opfern oder gezieltes Klingeln. Viele Bürger machten es den Einbrechern zu leicht.

Seit 2012 verfolgt die Polizei landesweit ein neues Konzept, um die Täter festzusetzen. Mit Erfolg, so Hahn: 45 seien 2012 festgenommen worden, viele seien Intensivtäter, die regelrecht täglich „zur Arbeit“ ausgeschwärmt seien. Betroffen sei vor allem der Hamburg-Rand. 45, das klingt nicht gerade üppig. Doch sie seien an sehr vielen Taten beteiligt gewesen. Hahn: „Jeder von denen, der weg ist von der Straße, ist Gold wert.“ 2013 haben man bereits weniger Einbrüche registriert.

Wer bricht ein? „Örtlich Arbeitende, ferner Gelegenheitstäter, die ihren Drogenkonsum finanzieren, und überörtlich agierende Täter oder Gruppen“, berichtete Hahn, der von Michaela Eisermann, stellvertretende Leiterin des Sachgebietes II (Einbruch, Raub, Erpressung) unterstützt wurde. Außer Deutschen seien Osteuropäer und Chilenen ganz groß „im Geschäft“. Manche Gruppen kämen „für eine unheimlich große Zahl von Straftaten in Frage“.

Die Polizei tauscht nun landesweit Informationen aus, um bestimmte Strukturen, die für das ganze Land gelten, zu erkennen. Und nach Einbrüchen „sichern wir genauestens Spuren am Tatort und gehen bei den Nachbarn von Tür zu Tür“, sagte Hahn. „Aktiv Infos zu Taten abzurufen, ist unheimlich kostbar.“ Dabei wird auch informiert, Stichwort Prävention. Eisermann: „Man kann sehr gut vorbeugen.“ Sie rät zu einbruchhemmenden Türen und Fenstern — „die gibt es, und die Mehrausgaben lohnen sich in jedem Fall.“ Jeder Polizist weiß: Einbrecher doktern nicht lange an Wohnungen herum, um hinein zu kommen.

Bei Problemen lassen sie rasch ab. Eisermann: „Und wenn Nachbarn aufmerksam sind, bemerken Einbrecher dies auch und verzichten lieber auf einen Einbruch anstatt ein Risiko einzugehen.“

Christian Spreer

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