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Segeberg Jetzt doch eine neue Ihlwaldkapelle?
Lokales Segeberg Jetzt doch eine neue Ihlwaldkapelle?
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22:04 14.06.2018
Etwas Neues würde eine Sanierung der Kapelle bringen: Architekt Kölbel empfiehlt die künstlerische, farbliche Gestaltung der Glasflächen. Quelle: Foto: Glombik
Bad Segeberg

Fünf Jahre ist es her, da kam das Thema auf den Tisch, dass die Kapelle auf dem Ihlwaldfriedhof dringend saniert werden müsse – das werde teuer. Die Bauverwaltung hatte auch angeregt, die Kapelle abzureißen und neu aufzubauen. Hintergrund: Bei einem Neubau werden auch die dem Friedhof angeschlossenen Umlandgemeinden finanziell mit herangezogen. Eine bloße Sanierung der kleinen Kirche müsste die Stadt als Betreiber alleine stemmen.

Trotzdem hatten die Stadtpolitiker nun im Herbst 2017 einstimmig einen Beschluss zur Renovierung gefasst, verbunden mit dem Auftrag, ihr eine neue Kostenschätzung für eine Mindestsanierung des Gebäudes aus dem Jahre 1966 vorzulegen. Dieses Gutachten von Architekt Achim Kölbel liegt jetzt vor. Die Kosten dafür betragen danach insgesamt 300 000 Euro. Insbesondere eine Erneuerung der seitlichen Fassaden der Kapelle stehe an. Die verglaste Stahlkonstruktion weise Korrosionsschäden auf, die Fassaden müssten hier komplett erneuert werden.

Auch der von den Politikern vorgeschlagene Teilabriss der nicht mehr benötigten Nebengebäude der Kapelle, um bei der Renovierung und Unterhaltung zu sparen, wurde von Kölbel überprüft. Teilabriss – das wäre eine „erkennbar unwirtschaftliche Vorgehensweise“, urteilt der Experte. Denn Kapelle und Nebengebäude seien baulich eng miteinander verknüpft, auch durch die Teilunterkellerung der Kapelle.

Da würden zusätzliche Kosten für Anpassungsarbeiten bei der Statik – neue Mauern – auf die Stadt zukommen. Kölbel: „Wenn man den ganzen Seitentrakt abreißen möchte, muss man ja auch dafür sorgen, dass die Kapelle stehenbleibt.“

Und täglich grüßt das Murmeltier: Altgedienten Stadtpolitikern muss es so wie in der US-Filmkomödie vorkommen. Denn nun liegt den Bauausschussmitgliedern (öffentliche Sitzung am Mittwoch, 20. Juni, 18.30 Uhr im Bürgersaal) wieder die seit fünf Jahren gestellte – und eigentlich schon beantwortete – Frage vor: Sanierung oder Neubau? Um hierauf nun erneut korrekt antworten zu können, müsste Kölbel ein neues Gutachten mit Kostenermittlung für ein neues Gotteshaus erstellen. Denn die kursierenden Kosten von 665 700 Euro für einen Kapellen-Neubau sind einige Jahre alt, und Kölbel sagt selbst, dass die Baukosten in den vergangenen Jahren massiv gestiegen seien. Ob die von der Verwaltung angegebene Bausumme noch aktuell sei, könne er nicht sagen.

Also noch ein Gutachten? Noch eine Kostenermittlung? Doch allmählich wird’s eng, denn die große Stahl/Glasfassade rostet wie ein alter Eimer vor sich hin. Eine gutachterliche Beurteilung der Standsicherheit oder eine zügige Erneuerung der betroffenen Bauteile sei „dringend angeraten“, so Kölbel. Er könne nicht Brief und Siegel dafür geben, dass die Wand so stabil sei, wie sie sein sollte. Da müsste – sollte die Entscheidungsfindung noch länger dauern – geprüft werden, wie stabil der Stahl unter der abblätternden Farbe noch sei.

Unklar ist auch, was auf die Stadt noch an Kosten zukommt, wenn sie die Mindestsanierung für Fassadensanierung, Flachdachsanierung und weitere Reparaturen geschafft hat. Kölbel hält sich bedeckt, was eine Komplettsanierung mit Erneuerung der elektrischen Anlage, Wärmedämmung, Renovierung der Räume kosten würde. Klar sei, dass man das Haus nicht energetisch auf den gleichen Stand bringen könne wie einen Neubau. Aber die Kapelle werde ja auch nicht dauernd, sondern nur zu Trauerfeiern genutzt.

Urheberrechte von Architekt Feldsien müssten berücksichtigt werden

Schön ist die Kapelle ja aus heutiger Sicht nicht, aber es ist auch ein Ort, den viele mit persönlichen Erlebnissen verbinden. Wenn man ein altes Gebäude, erst recht eine Kapelle, sanieren und erhalten möchte, müsse man sich dem Gebäude auch zuwenden, so Architekt Achim Kölbel. Es könne nicht nur darum gehen, die Ihlwaldkapelle zu sanieren und sich dann nicht mehr damit zu beschäftigen.

Es gehe darum, Sensibilität für dieses Haus zu entwickeln. Die Kapelle, die 1966 nach Plänen des Kaltenkirchener Architekten Werner Feldsien erbaut worden ist, hat ihre Geschichte, ihr besonderes Aussehen. Da seien auch Urheberrechte zu berücksichtigen.

Bei Umbau- und Sanierungsarbeiten, die die Optik verändern, zum Beispiel auch bei Veränderungen durch bunte Glasscheiben, müsste Architekt Feldsien gefragt werden. Auch bei einer Veränderung der Innenräume, um zum Beispiel eine andere meditative Atmosphäre zu erreichen. Dann sollte man auf jeden Fall in Kontakt mit dem Architekten treten. Selbst den vorgeschlagenen Teilabriss der Nebengebäude hätte man sich genehmigen lassen müssen. Für Kölbel selbst ist es schon etwas Besonderes, sich mit dem Werk von Feldsien zu beschäftigen.

 Wolfgang Glombik

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