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Segeberg Jetzt erst recht: Das Dorf der Kämpfer gibt nicht auf
Lokales Segeberg Jetzt erst recht: Das Dorf der Kämpfer gibt nicht auf
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22:15 24.09.2013
Immer Ärger mit Winsen: Die Kreisverkehrsaufsicht ist alarmiert. In der 430-Seelen-Gemeinde bei Kisdorf kämpfen die Bürger inzwischen mit Plagiaten gegen den vom Kreis verfügten Standort ihres Ortsschildes.

Und sie graben und graben: Der Schilderstreit zwischen dem Örtchen Winsen und der Kreisverkehrsaufsicht verschärft sich immer mehr. Kürzlich hat wieder der Unbekannte, den jeder im Ort augenzwinkernd „Robin Hood“ nennt, zum 16. Mal die Ortsbeschilderung nächtens auf den alten Platz zurückversetzt. Prompt griffen die Mitarbeiter des Wege- Zweckverbandes zum Spaten und setzten die Ortsbeschilderung wieder an die vom Kreis gewünschte Stelle, 150 Meter weiter gen Dorfzentrum. Ein Schild wird seit dem Hin und Her vermisst. Die Polizei sucht weiter nach „Robin Hood“. So weit ist alles „normal“ — wie seit Monaten. Doch damit nicht genug. Jetzt tauchen auch noch zwei falsche Plastik-Ortstafeln in Winsen auf. Erst auf den zweiten Blick entpuppen sie sich als Fälschungen.

Die Plagiate wurden etwa 150 Meter vor den offiziellen Ortstafeln von einem Scherzbold aufgestellt. Die gelben Ortsschilder haben den Zusatz „Gleich kommt Winsen“ und „Fast schon Winsen“. Autofahrer mit leichter Augenschwäche fallen drauf rein und gehen auf die Bremse. Aber mittlerweile hat sich durch die Berichterstattung schon in ganz Norddeutschland der Kampf der unbeugsamen Winsener gegen die Landrätin herumgesprochen. Sogar im Kreistag war das ein Aufreger. Wie mehrfach berichtet, vertritt der Kreis vehement die Auffassung, dass ein Ortschild nur unmittelbar vor der geschlossenen Ortsbebauung stehen darf. Und die beginne etwa 150 Meter weiter Richtung Ortszentrum und nicht dort, wo seit 54 Jahren die alte Ortstafel stand. Mit einem Spruchband „Winsen kocht vor Wut“

demonstrieren die Bürger. Die Winsener gründeten eine Bürgerinitiative, kämpfen um den alten Standort von 1959. Schulkinder würden durch die Schnellstraße gefährdet. „Überall werden Ortstafeln zum Wohle der Bürger weiter herausgestellt, nur bei uns geht man den umgekehrten Weg“, so Bürgermeister Kurt Bonekamp. Er gebe nicht klein bei. Die neuen Plastiktafeln, gesponsert von Fernsehleuten, seien Hinweisschilder „auf das was noch kommt“, betonte er. Er sehe darin keinen Rechtsverstoß.

Ganz anders da Michael Krüger, Leiter der Kreisverkehrsaufsicht: Er will die falschen Ortsschilder unverzüglich entfernen lassen. „Eine Aufstellung von Schildern — soweit sie echten Verkehrszeichen ähneln — ist verboten.“ Ob die auf privatem Gelände stehen, sei da unerheblich. „Die Dinger müssen sofort abgebaut werden.“ Der Kreis werde die Grundstückseigentümer herausfinden und sie direkt benachrichtigen. Das Amt Kisdorf-Land wurde um Amtshilfe gebeten. Krüger: „Wenn das nicht gelingt, bauen wir die Dinger halt selbst ab.“ Sofort kommt Kontra aus Winsen: „Das sollen die mal versuchen“, warnt Bonekamp, gestählt durch monatelangen Kampf und Schulterklopfen aus anderen Kommunen.

Jetzt weigert sich Winsens Oberhaupt auch, ein zusätzliches Ortsschild zu finanzieren. Denn wer von Kisdorf kommend aus der Kreisstraße in die Ministraße „Zum Felde“ einbiegt, kommt unvermittelt in eine Tempo-30-Zone. In der jetzigen Situation sei diese Straße außerhalb geschlossener Ortschaft. So gelte dort eigentlich Tempo 100 für Ortsunkundige, warnt Krüger. Seine Behörde habe gegenüber dem Amt hier „eine Anordnung zur Aufstellung erlassen“. Krüger frage sich, warum die Ortstafel noch nicht stehe. Bonekamp pocht hingegen darauf, dass es sich um ein „schwebendes Verfahren“ handele. Der Antrag der Gemeinde auf die Wiederherstellung der alten Schilderordnung in Winsen sei noch nicht beantwortet. Außerdem werde man bei einem negativen Bescheid klagen. Bonekamp: „Wir geben keinen Cent für ein Schild aus, bis das nicht geklärt ist.“ Klagen könne nicht die Gemeinde, sondern nur Bürger, die von einer Anordnung betroffen seien, gibt Krüger zu bedenken. Das Buddeln hört nicht auf, die Gräben zwischen Winsen und Kreis werden tiefer.

„Das ist verboten, auch

auf privatem Gelände. Die Dinger müssen sofort abgebaut werden.“
Michael Krüger, Kreisverkehrsaufsicht

Wolfgang Glombik

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