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Job-Messe: Erst Flucht, dann Ausbildung?

Bad Segeberg Job-Messe: Erst Flucht, dann Ausbildung?

Hier Betriebe, die händeringend qualifizierte Mitarbeiter brauchen, dort junge Geflüchtete auf der Suche nach Perspektive: Zum zweiten Mal bekamen beide Seiten mit einer Ausbildungs- und Berufsmesse eine gemeinsame Gesprächs- und Informationsplattform zum Austausch.

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Rayhane Akbari (l.) und Parisa Rezai schauen sich um, beide wollen weiter zur Schule gehen. Ihre Traumberufe: Ärztin und Kosmetikerin.

Quelle: Fotos: Hiltrop

Bad Segeberg. Die Anzahl der teilnehmenden Unternehmen hat sich mit 30 zur Erstauflage vor einem Jahr verdoppelt – ein positives Signal für die Ausbildungs- und Berufsmesse, die ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund und Betriebe zusammenbringen soll. Mehr als 200 Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr, die Mehrheit Schüler aus DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) aus der Region, haben sich gestern Vormittag in der Kreissporthalle umgesehen, informiert und Kontakte geknüpft. Die Gespräche an den Ständen machen deutlich, dass beide Seiten sehr aneinander interessiert sind.

LN-Bild

Hier Betriebe, die händeringend qualifizierte Mitarbeiter brauchen, dort junge Geflüchtete auf der Suche nach Perspektive: Zum zweiten Mal bekamen beide Seiten mit einer Ausbildungs- und Berufsmesse eine gemeinsame Gesprächs- und Informationsplattform zum Austausch.

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„Wir haben gar nicht damit gerechnet, dass das so gut läuft“, sagt Marcel Godau. Schon lange sucht seine Firma händeringend Auszubildende zum Landmaschinenmechaniker und Gesellen. Erstmals auf diesem Weg, der über ein Praktikum führen soll. Die Unterhaltung mit einem jungen Mann klappt gut. Sein Deutsch ist verständlich, es hat aber Lücken, ebenso wie sein Englisch. Ich glaube wir werden fündig“, wagt Unternehmensbuchhalterin Stefanie Zimmer eine Prognose für die Messe.

Über die ist Andreas Findeisen von der Supermarktkette Famila schon hinaus: „Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Wie wichtig dabei jedoch die Sprachkenntnisse sind, macht das Beispiel eines jungen Flüchtlings deutlich, der seine Ausbildung bei Famila beginnen konnte. „Leider ist er sprachlich in der Berufsschule nicht mitgekommen. Jetzt unterstützen wir ihn bei Kursen, dann bekommt er die Chance seine Ausbildung weiterzumachen.“

Nicht alle, die ihr Job-Angebot präsentieren, glauben an den Erfolg. So wird es für die Bundeswehr schwierig, hier die passenden Bewerber oder Praktikanten für nicht militärische Aufgaben aus Verwaltung, Handwerk und Sanitätswesen zu finden. Denn das Förderprogramm wird in diesem Jahr gar nicht mehr fortgeführt. So bleibt nur die Präsenz auf der Messe.

Anders sieht es im Handwerk aus. Die Motivation unter den jungen Geflüchteten und der Wille seien beeindruckend. „Oft klappt es mit dem Deutsch viel besser, wenn ein Flüchtling erst einmal im beruflichen Umfeld ist“, sagt Willkommenslotse Ingo Green von der Handwerkskammer Lübeck. Vehement unterstreicht er, dass so eine Messe kein „Make-Up“ ist, um Probleme zu kaschieren. Ganz im Gegenteil: „Das läuft super. Wichtig ist, dass man den richtigen Betrieb findet, der weiß, worauf er sich einlässt, und bei dem es menschlich passt.“ Greens Quote kann sich sehen lassen: Knapp 80 junge Geflüchtete konnte er bereits vermitteln. Einige weitere dürften gestern die ersten Schritt auf dem Weg dorthin gemacht haben.

Von Heike Hiltrop

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