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Segeberg Niedrigschwelliges Angebot für Arbeitslose
Lokales Segeberg Niedrigschwelliges Angebot für Arbeitslose
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18:09 13.12.2018
Kreativwerkstatt für Langzeitarbeitslose: Stefan Stahl (Jobcenter) und Heike Sommer (stellvertretende Leiterin der Fortbildungsakademie der Wirtschaft) präsentierten das Projekt und Exponate, die ausgestellt werden sollen. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

Seit September gibt es ein neues Angebot, damit vor allem Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen können. In Kooperation mit dem Jobcenter ist die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) Lübeck, eine gemeinnützige Gesellschaft, mit einer Kreativwerkstatt an den Start gegangen. Es ist die vierte ihrer Art, andere gibt es in Ostholstein (seit 2016) und in Lübeck (seit 2013). „Es ist eine niedrigschwellige Maßnahme. Die Teilnehmer werden motiviert, bekommen Tagesstruktur, können beim kreativen Gestalten produktiv sein und erfahren so Wertschätzung“, fasst Heike Sonntag, die stellvertretende Akademieleiterin, zusammen.

Zwischen Sozialkaufhaus und Kreativwerkstatt

Fünf Arbeitsgelegenheitsmaßnahmen (AGH) bietet das Jobcenter Segeberg mit unterschiedlichen Trägern an: die beiden Sozialkaufhäuser in Bad Segeberg und Bad Bramstedt, zwei Kreativwerkstätten (Kaltenkirchen, Bad Segeberg) sowie das Norderstedter Projekt Toys-Company.

145 AGH-Plätze gibt es im Kreis Segeberg. 800 000 Euro werden in diese Angebote jährlich investiert.

Seinen Anfang hat alles zu Jahresbeginn genommen: Die sogenannte Arbeitsgelegenheitsmaßnahme, kurz AGH, in Lübeck fand bei Stefan Stahl, stellvertretender Geschäftsführer, und den Teamleitern des Jobcenters Segeberg großen Anklang. „Maßnahme höre ich aber gar nicht gerne“, sagt Stahl. „Was wir machen, sind Angebote.“ Die werden nun also auch in der Dahlienstraße in Bad Segeberg offeriert. In verschiedenen Werkstätten ist Platz für 20 Männer und Frauen im Alter ab 25 Jahre. Angeleitet werden sie von Werkstattchef Thomas Thiele, betreut von Maßnahmenleiter Hartmut Gartz.

„Upcycling“ gebrauchter Gegenstände

Das große Thema ist die Wieder- und Überarbeitung von ausrangierten Dingen, neudeutsch „Upcycling“. Dabei entstehen Objekte und Gebrauchsgegenstände mit völlig neuer Nutzung. Auf dem Tisch im Aufenthaltsraum steht ein Adventskranz aus einem alten Fahrrad-Rad, urige Sessel aus alten Fässern stehen daneben. Sechs Stunden an fünf Tagen in der Woche in der Regel über sechs Monate können die Teilnehmer mit Holz, Metall, Stoffen und anderen Materialien unter Anleitung arbeiten.

Seit fünf Jahren hat Stephan Marx (51) keinen Job. Nach langer Krankheit ist der Mechanikermeister für Luftfahrzeugwartung auf der Suche, die Kreativwerkstatt sieht er als Sprungbrett zurück in den ersten Arbeitsmarkt. Quelle: Heike Hiltrop

Es sei erwiesen, dass ein Drittel der Langzeitarbeitslosen unter anderem auch psychische Problemen hätten, sich isolieren würden, berichtet Stahl. „Wir erhoffen uns von dem neuen Angebot, dass wir Teilnehmer mit multiplen Vermittlungshemmnissen in diesem geschützten Raum aus ihrem Schneckenhaus herausbekommen.“

Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt

Bis Anfang 2020 läuft das Projekt zunächst. René Peppelenbusch ist einer derjenigen, die hier für 1,50 Euro Aufwandspauschale (früher Ein-Euro-Job) pro Stunde arbeitet. Es sei anstrengend, „macht aber Spaß“, sagt der 25-Jährige, der gerne Metallbauer werden würde. Auch Stephan Marx gehört zu den Teilnehmern. Ein Herzinfarkt und ein Schlaganfall haben den 51-jährige Mechanikermeister für Luftfahrzeugwartung vor fünf Jahren aus der beruflichen Bahn geworfen. Nun hofft er, dass die Kreativwerkstatt für ihn zum Sprungbrett zurück in den Arbeitsmarkt wird.

Die Dinge, die entstehen, dürfen nicht verkauft werden, darum stehen sie als Leihgabe für öffentliche Einrichtungen und Institutionen zur Verfügung. Die ersten beiden Exponate, Collagen mit Segeberg-Bezug, werden demnächst im Jobcenter hängen.

Heike Hiltrop

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