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Segeberg Jubel bei den Nelkenweg-Anliegern
Lokales Segeberg Jubel bei den Nelkenweg-Anliegern
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20:39 25.09.2017
„Das ist eine eindeutige Entscheidung gegen den B-Plan.“Norbert Reher (CDU)
Bad Segeberg

Es war ein turbulenter Wahlsonntag wie nie in Bad Segeberg. Hier standen gleich je zwei getrennte Wahlurnen in den sieben Wahllokalen. Für die Bundestagswahl und für den Bürgerentscheid Nelkenweg. Wortgefechte gab es dabei in dem Wahllokal an der Theodor-Storm-Straße, wo der Andrang besonders groß war. Hier beschwerten sich Wähler, dass sie von den Wahlhelfern nicht explizit auf die Möglichkeit hingewiesen worden seien, für den Bürgerentscheid ihre Stimme abzugeben. „Wir haben die klare Anweisung von der Stadt bekommen, dass wir nichts sagen sollen“, erklärte Karin Kanschat vom Wahlvorstand den LN. „Möchten sie beides: Bundestagswahl und Bürgerentscheid?“, sei dann aber doch jeder Wähler angesprochen worden, der im Wahlverzeichnis aufgeführt war. „Einmal alles“ wurde zum geflügelten Wort in den Wahllokalen. In der Theodor-Storm-Schule war der Andrang zeitweise so groß, dass die Wahlzeit verlängert werden musste, weil die Warteschlange in den Gängen der Schule um 18 Uhr noch nicht abgearbeitet war.

Schon nach der Auszählung von fünf Stimmbezirken war gegen 21.30 Uhr klar, dass das Quorum (18 Prozent der Wahlberechtigen) erreicht worden ist. Es wurden gar insgesamt 27 Prozent. Und als Hartmut Gieske vom Bad Segeberger Ordnungsamt das Ergebnis vom Kindergarten Hamdorfer Weg in Empfang nahm, war das Ergebnis komplett. 3946 Wähler stimmten für das Anliegen der Bürgerinitiative am Nelkenweg, keine mehrgeschossige Bebauung auf der Fläche zuzulassen. Die Wahlbeteiligung war wesentlich geringer als bei der Bundestagswahl, viele Bürger verzichteten darauf, auch beim Bürgerentscheid mitzustimmen. Die Beteiligung lag bei 38,37 Prozent. Bürgermeister Dieter Schönfeld gratulierte den Initiatoren, anschließend wollte er den Investor Manfred Ranthum über das für ihn negative Wahlergebnis informieren. Die Stimmung bei der Initiative war nicht euphorisch, aber allen schien eine Last von den Schultern zu fallen. „Wir waren vorsichtig optimistisch“, fasste Karsten Wilkening die Stimmung zusammen. Mitinitiator Luzian Roth, völlig erkältet und „fertig“, hatte die Wahl in einigen Wahllokalen beobachtet. „Wir sind erleichtert.“ Jetzt werde man beobachten, wie die Politik das Ergebnis des Bürgerentscheids umsetze. Gunther von Tluck, Mitinitiator des Bürgerbegehrens, berichtete, dass eine Anzeigenkampagne des Investors doch zahlreiche Bürger verunsichert habe.

Trotzdem seien fast 4000 Ja-Stimmen erreicht worden. „Ich erwarte jetzt, dass die Stadtvertretung Wort hält und den Bürgerwillen umsetzt.“

Bei den Kommunalpolitikern denkt man jetzt an die nächsten Schritte: „Jetzt muss der Aufstellungsbeschluss geändert werden, damit dort nur noch Einfamilienhäuser oder Doppelhäuser auf der Fläche möglich sind“, sagt Torsten Bohlmann, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft BBS. Auch müsse abgeklärt werden, was der Investor überhaupt noch möchte. Das Votum der Wähler sei jedenfalls eindeutig und sollte die für zwei Jahre vorgeschriebene Bindungsfrist überdauern. Bohlmann: „Die Bürger haben Verantwortung übernommen. Gut finde ich auch, dass es einen Solidarisierungseffekt gegeben hat und auch die Bürger anderer Stadtteile die Anlieger am Nelkenweg nicht mit ihren Sorgen allein gelassen haben.“ Norbert Reher, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte: „Das ist eine eindeutige Entscheidung der Bürger gegen den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans am Nelkenweg und den Bau von mehrgeschossigen Wohnungen.“ Klar sei, dass dieser Bürgerentscheid wie andere auch in Schleswig-Holstein schon deshalb große Chancen hatte, weil er parallel zur Bundestagswahl stattfand.

„Ich freue mich sehr darüber, wir waren ohnehin gegen diesen B-Plan, der Bürgerentscheid geht in die Richtung unserer Vorstellungen“, sagte Annelie Eick, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Anerkennung für die Initiatoren: „Sie mussten durch die Klage des Investors große finanzielle Risiken eingehen. Das gab es sicher viele schlaflose Nächte.“

Bedauern des Bürgermeisters

Auch Dieter Schönfeld, Bad Segebergs Bürgermeister, informierte sich im Rathaus über den Ausgang des Bürgerentscheids. Er verwies gegenüber den LN auf die geringe Wahlbeteiligung im Vergleich zur Bundestagswahl. Tatsächlich sei es doch gerade im Bundestagswahlkampf ein wichtiges Thema gewesen, dass Wohnungen gebaut werden, bedauerte Schönfeld den Ausgang des Verfahrens. Er wollte noch am Abend den Investor informieren.

Wolfgang Glombik

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