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Segeberg Jubiläum der „singenden Revolution“
Lokales Segeberg Jubiläum der „singenden Revolution“
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20:49 16.08.2017
Heike und Siegfried Huss (beide 72) sind seit der ersten Stunde der Partnerschaft mit dem estnischen Kreis Pölva dabei. Quelle: Foto: Petra Dreu

Eine Partnerschaft kann nur dann gut sein, wenn sie auch gepflegt und mit Leben gefüllt wird. Wie das geht, weiß die Kirchengemeinde Sülfeld, die nach einem Vorstoß des damaligen Kirchenkreises Segeberg seit 1992 mit dem „Kammerkoor Maarja“ aus dem estnischen Pölva verbunden ist. Bereits gestern sind mehr als 30 Sänger und Begleiter aus dem Baltikum in Sülfeld eingetroffen, um das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft mit einem Festkonzert und einem bunten Programm zu feiern. Am Sonntag gestalten die Gäste aus Estland den Gottesdienst in Sülfeld mit.

Kammerchor aus Estland besucht die Sülfelder Kirchengemeinde. Die Partnerschaft entstand vor 25 Jahren.

Auf Initiative des damaligen Pastors Frank Eggert wurde die Partnerschaft zwischen der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sülfeld und dem Kirchenchor „Kammerkoor Maarja“ 1992 geschlossen, die bis heute anhält. Heike und Siegfried Huss waren wie der Dekan Reiner Krickhahn von der ersten Stunde der Partnerschaft an dabei und wissen, was die Menschen in Estland nach dem Zerfall der Sowjetunion bewegt hat. „Sie haben sich gefreut und sangen mit Begeisterung die Lieder, die in Russland verboten waren. Freiheitslieder. Noch heute spricht man dort von der singenden Revolution“, erläutert Siegfried Huss.

Den ersten Besuch des estnischen Chores hat das Ehepaar noch genau vor Augen. „Im September 1992 kamen die Sänger mit einem uralten Bus in Sülfeld an. Dieser landete schließlich sogar noch zu einer Notreparatur in der Poggensee-Werkstatt. Sonst hätte der Chor nicht zurück nach Pölva fahren können“, erinnert sich Heike Huss.

Der Bus sei zwar alt gewesen und hätte hierzulande wahrscheinlich keine Tüv-Untersuchung mehr überstanden, ein ganz anderes Bild aber hätten die Menschen geboten, als sie nach der langen Fahrt aus dem alten Vehikel geklettert seien. „Die Frauen und Männer waren voller Elan und neugierig auf unsere Lebensart. Ihr musikalisches Repertoire war toll und die Stimmen einzigartig“, schwärmt Siegfried Huss auch heute noch, der zu Beginn der Partnerschaft Mitglied des Kirchengemeinderates war.

Das offene Wesen der Besucher kam an bei den Sülfeldern und so ist es kaum verwunderlich, dass der alte Bus vollgestopft mit ausrangierten Dingen des täglichen Lebens die Heimreise antrat.

Schreibmaschinen, alte Telefone und sogar einen Geburtshelfer für Kälber nahmen die Gäste damals mit in ihr Heimatland.

Seit 1992 finden alle vier bis fünf Jahre offizielle Besuche statt, darüber hinaus führte schon so manche private Urlaubsreise nach Sülfeld oder Pölva. Erst vor einem Jahr hatten Heike und Siegfried Huss der Partnerstadt auf eigene Faust einen Besuch abgestattet. „Dort sind wir richtig nett aufgenommen worden“, erzählt Huss, der die Esten zu einer Jubiläumsfeier nach Sülfeld einlud und eine Förderung über 500 Euro durch die Aktivregion „Alsterland“ ergatterte.

Wie immer sind die Gäste aus Pölva privat untergebracht. Die Koordination der Gastfamilien haben seit dem Beginn der Partnerschaft Heike und Siegfried Huss übernommen. Beide sind inzwischen 72 Jahre alt und möchten sich gerne in die zweite Reihe zurückziehen. Wer sich vorstellen kann, die Aufgaben des Ehepaars zu übernehmen, wird gebeten, sich in der Kirchengemeinde Sülfeld zu melden.

Das Jubiläums-Programm

Am heutigen Donnerstag und dem morgigen Freitag stehen neben Ausflügen nach Travemünde und Hamburg mit Besuch der Elbphilharmonie Aktivitäten mit den Gastfamilien auf dem Programm der Besucher aus Estland. Am Sonnabend, 19. August, wird der Kammerkoor Maarja ab 19 Uhr während eines Festkonzertes in der Sülfelder Kirche zu hören sein. Anschließend wird das Jubiläum in einem Zelt an der „Remise“ mit einem bunten Programm gefeiert. Während des Festaktes gibt Pastor Wolfgang Stahnke einen Rückblick auf die Partnerschaft. Der Eintritt ist frei.

Eine zweite Gelegenheit den Chor live zu erleben, haben die Sülfelder während des Gottesdienstes. Beginn ist am Sonntag, 20. August, um 11 Uhr. Urlaubsbedingt wird Pastor Steffen Paar dabei von Diakon Jens Gröftholdt-Kiefer vertreten. Die Kollekte am Ausgang kommt dem Chor aus Estland zugute. pd

Einstiger Sowjet-Staat

Bereits in den 80er-Jahren machte die einstige Staatengemeinschaft der Sowjetunion eine schwierige Zeit durch. Die Planwirtschaft der kommunistischen Weltmacht drohte zu scheitern. Außerdem setzten die Nuklearkatastrophe des Kernkraftwerks Tschernobyl und der Krieg Russlands in Afghanistan der damaligen UDSSR zu. Die Sowjetunion zerfiel in 15 souveräne Staaten, die von März 1990 bis Dezember 1991 ihre Eigenständigkeit zurückerlangten. Darunter auch Estland. Seit 2004 gehört Estland der Europäischen Union an; es ist Mitglied des Europarates und der NATO. pd

Petra Dreu

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