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Segeberg Jugendliche pflegen jüdischen Friedhof
Lokales Segeberg Jugendliche pflegen jüdischen Friedhof
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22:21 29.05.2013
Von Heike Hiltrop

Hinter einer hohen Mauer und einem großen, schmiedeeisernen Tor liegt der alte jüdische Friedhof von Bad Segeberg. Nur selten sind dort Besucher anzutreffen. Die letzte Beisetzung fand 1937 statt. Beinahe verwunschen liegt das Areal zwischen hohen Bäumen mitten in der Stadt und findet doch wenig Beachtung.

Vor einigen Monaten aber hatten Mitglieder der jüdischen Gemeinde bemerkt, dass dort sieben der verwitterten Steine mutwillig umgerissen worden waren. Vergangene Woche war zudem ein am Eingang befestigtes Schild mit Farbe beschmiert worden. Die Polizei ermittelt.

Gestern nun herrschte auf dem Friedhof ungeachtet des regnerischen Wetters geschäftiges Treiben — acht Jugendliche brachten wieder in Ordnung, was Grabschänder angerichtet hatten. In einer mehrmonatigen berufsvorbereitenden Maßnahme der JobA GmbH (einst Jugendaufbauwerk) bereiten sich 15- bis 18-jährige Jugendliche, meist mit Lernbehinderung, auf eine mögliche Ausbildung oder das Berufsleben vor. Gärtnermeister und Ausbilder Tim Lauer hatte bereits im Herbst vergangenen Jahres die Idee, den jüdischen Friedhof mit seinen Schützlingen zu pflegen. „Ich habe zwei Motive“, sagt Tim Lauer. „Es ist für die jungen Leute wichtig, Bestätigung zu erfahren. Die bekommen sie hier. Außerdem gibt es Studien, die besagen, dass jeder Dritte antisemitische Vorurteile hat. In unseren Berufsvorbereitenden Maßnahmen haben wir oft mit solchen und rechtsradikalen Tendenzen zu tun. Und ich denke einfach: Was man kennt und versteht, das hasst man nicht.“

So besuchte seine Gruppe 2012 die Jüdische Gemeinde Segeberg, die die Idee sehr begrüßte. Das Gemeindezentrum wurde besichtigt, viel für sie Neues kennengelernt und Interesse geweckt. Mit Schiebkarren, Haken, Schaufeln und Rechen rückten die Jungen gestern auf dem jüdischen Friedhof an. Sie richteten Grabsteine wieder auf, gaben ihnen neue Fundamente. Sie legten eine Kompostkiste an, jäteten Unkraut, pflanzten eine Hecke und nahmen damit ein Projekt aus der JobA-Erwachsenenfortbildung, das vor einigen Jahren auslief und danach von niemandem fortgesetzt worden war, wieder auf.

Während neugierige Passanten die Gelegenheit nutzten, um einmal einen Blick auf die Ruhestätte zu werfen, machten sie sich so ihre ganz eigenen Gedanken: „Ich würde gerne einmal wissen, was da eigentlich steht“, sagt Tobias Engelkes (16) und zeigt auf einen Hebräischen, in Stein gemeißelten Text. Auch Rico Schwab findet die Arbeit richtig gut. „Dass es Leute gibt, die solche Steine umkippen, das ist doch echt Scheiße“, ergänzt Vikas Chichar. Tim Lauers Plan scheint zu funktionieren.

Heike Hiltrop

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