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Segeberg Junge Naturfilmer im Wildpark Eekholt: Tiere schreiben das Drehbuch
Lokales Segeberg Junge Naturfilmer im Wildpark Eekholt: Tiere schreiben das Drehbuch
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22:08 25.07.2018
Lia Voigt aus Kiel (l.) und Sandra Biskop aus Schenefeld sind um 4 Uhr aufgestanden, um die Wölfe in Ruhe zu filmen. Quelle: Fotos: Irene Burow
Großenaspe

Jana, Sandra, Selina und Lia sind die „Wolfsmädchen“. Sie halten das Tier für ziemlich aktuell. Das Raubtier streift wieder durch Schleswig-Holstein. „Der Wolf hat ja den Ruf, gefährlich zu sein. Wir sind der Meinung, er hat den Ruf nicht verdient“, sagt Lia Voigt. „Es sind spannende Tiere, über die man sehr viel herausfinden kann“, so die 16-Jährige. Dafür ist die Gruppe morgens um 4 Uhr aufgestanden. Da ist es noch ruhig im Park, ganz ohne Besucher. Das Licht ist noch nicht so hart, und das Wichtigste: Die Wölfe sind da. „Obwohl sie länger geschlafen haben als wir“, sagt Sandra Biskop (16) lachend. Eine halbe Stunde mussten sie warten mit ihrem Stativ, der Kamera, Mikrofonangel samt Windschutz.

Dann kamen die drei. „Janosch“, „Alex“ und „Mascha“ wissen die Mädchen aus dem Effeff. „Sie haben gerauft und auf die Sonne gewartet“, berichtet Sandra von den Momenten, in denen sie allein mit den Tieren waren. Genug Zeit für ruhige Aufnahmen ohne Störgeräusche. Sie erwischten die Tiere mit der Kamera im Wasser und ganz nah, lernten über die Rangfolge und den Lebensraum. „Später, als wir ohne Technik hier langgejoggt sind, sind sie mitgelaufen“, erzählt Sandra von dem Naturerlebnis. Später waren sie bei Fütterungen dabei und haben Besucher befragt. Das Klischee des bösen Wolfes sei zwar tief verwurzelt, erzählen sie. „Aber überraschend viele haben auch gemeint, dass es gut ist, dass der Wolf zurückkommt. Und dass es der Mensch ist, der sich anpassen muss. Das hätten wir nicht erwartet“, sagt Lia. Die anderen Gruppen, die sich mit Fischottern, der Faszination Greifvögel und anderen Tieren beschäftigen, dürfen unter Aufsicht in die Gehege. Die Wolfsmädchen nicht. „Die Wölfe würden weglaufen“, wissen sie, „da haben sie sich ihren natürlichen Instinkt noch erhalten.“

Fünf Tage dauert das Camp, die Aufnahmen sind nun im Kasten. Ab heute wird geschnitten. „Sie müssen richtig ran, richtig arbeiten“, sagt Ute Kröger, Leiterin der Wildparkschule. Freitagnachmittag müssen die fünf bis zehn Minuten langen Kurzfilme fertig sein. „Sich fünf Tage lang intensiv mit einem Thema zu beschäftigen – ich bin überzeugt davon, die Jugendlichen nehmen diese Erfahrung mit ins Leben“, sagt der Vorstand des Internationalen Naturfilmfestes Green Screen in Eckernförde, Michael van Bürk. „Wir möchten Jugendliche erreichen. Im Wildpark haben wir dafür das intensivste Naturerlebnis“, sagt er. „Die Profis sitzen in Namibia wochenlang im Tarnzelt, hier leben die Tiere konzentriert – eine tolle Gelegenheit, sie vor die Kamera zu bekommen.“

Angeleitet werden die Campteilnehmer erstmals von Udo Zimmermann, der bis 2015 Redaktionsleiter beim Bayrischen Rundfunk war. Dreharbeiten führten ihn um die ganze Welt. Bis Sonntag saß er in der Jury des Umweltfilmfestes in Ludwigsburg, kam dann nach Segeberg. „Wir freuen uns riesig über den Nachfolger von Dieter Hoese“, sagt Michael van Bürk. Der Kameramann hatte die Aufgabe neun Jahre zuvor mit Leben gefüllt und altersbedingt aufgehört. Zimmermann: „Wir wollen über den Film einen anderen Blick auf die Natur ermöglichen. Wenn man einen Tag lang einen Fischotter beobachtet, steht man künftig vielleicht länger davor, beobachtet, wird aufmerksamer“, so der Redakteur und Autor zahlreicher Natur- und Tiersendungen. Das Filmcamp ist „unglaublich nachhaltig“, so Ulrike Lafrenz, Vorsitzende des Fördervereins von Green Screen. Und es ist beliebt; die Vorbereitungen für 2019 laufen schon. Jugendliche können sich anmelden, Eltern zahlen einen Teilbetrag.

Beliebtes Camp

300 Jugendliche haben in den vergangenen Jahren 60 eigene Natur- und Tierfilme hergestellt. Sie können bei Green Screen für den „Heinz-Sielmann-Jugendfilmpreis“ und für den „Green Report Junior-Filmpreis“ eingereicht werden. Nominierte Filme werden am 16. September auf dem Festival in Eckernförde gezeigt. Einige Nachwuchsfilmer waren bereits Preisträger.

Green Screen findet vom 12. bis 16 September in Eckernförde statt. Jährlich zieht es über 30000 Besucher an. Hier treffen sich 200 Naturfilmer und Produzenten aus aller Welt.

Irene Burow

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