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Segeberg Junge Uhus: Suchaktion am Kalkberg
Lokales Segeberg Junge Uhus: Suchaktion am Kalkberg
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20:56 15.05.2018
Beim Beringen: Karl-Heinz Reiser (l.) und Hans-Wilhelm Hansen. Quelle: Burow
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Bad Segeberg

Alle sind pünktlich zu diesem Termin, doch die drei Hauptakteure, die fehlen. Der Nistkasten ist leer. Ausgerechnet übers Wochenende haben sich die drei jungen Uhus am Kalkberg überlegt, ihr Wanderstadium zu beginnen. Und so tappen am Fuße des Kalkbergs eine handvoll Mitarbeiter des Noctalis-Teams zwischen dichten Büschen umher. Eine tote Krähe ist zu sehen, doch von den Uhus fehlt jede Spur. Sie sind wenige Wochen alt, hüpfen zu dieser Zeit normalerweise vom Baum oder – in diesem Fall – aus dem Nistkasten.

Klicken Sie hier, um zahlreiche weitere Fotos davon zu sehen, wie die jungen Uhus am Kalkberg beringt werden.

Am Boden warten sie auf ihre Eltern und Nahrung. So die Annahme. „Sie können nicht weit sein“, sagt Florian Gloza-Rausch, Leiter des Fledermauszentrums. „Aber sie sind Meister im Verstecken.“ Die Jungtiere sind rund 40 Tage alt und tragen die Farbe des Kalkbergs. Schließlich hat der Tierschützer eine Idee: Die Vögel könnten den Weg nach oben gewählt haben, denn sie sind im oberen von zwei Nistkästen geschlüpft. Zu finden sind sie jedenfalls auf den ersten Blick nicht.

Fast ausgestorben

400 Uhu-Paare leben in Schleswig-Holstein. Die große Eule war in Deutschland fast verschwunden, vor 50 Jahren wurde gegengesteuert. In Schleswig-Holstein startete 1982 ein Auswilderungsprogramm. Seit drei bis vier Jahren wird in Nationalparks und anderswo die offizielle Rückkehr gefeiert.

Wie immer: Abseilen

Da bleibt den Helfern beinahe nichts anderes übrig, als wie gehabt vorzugehen: Von oben mit Kletterausrüstung abseilen und dann mal sehen . . . Und dann geht es auf einmal doch ganz schnell. Biologe und Kletterer Björn Leupolt kommt keine drei Meter weit, da entdeckt er sie. Sitzend in einer Felsspalte, wo sie niemand sehen konnte – geschützt im toten Winkel sozusagen.

In einer großen Tüte bringt er sie nach oben, wo Fachleute vom Landesverband für Eulenschutz warten. Sie halten die Tiere einzeln gut fest, denn mit ihrer schon beachtlichen Größe können die spitzen Krallen der weltweit größten Eulenart durchaus gefährlich werden. A3001, -2 und -3 lautet die Aufschrift der Ringe, die mit einer Zange vorsichtig am Fuß zusammengekniffen werden. Schließlich lässt Björn Leupolt sie an der gleichen Felsnische wieder frei. In Kürze beginnen die Tiere mit dem Fliegen, halten sich aber noch etwa drei Monate rund um den Kalkberg auf.

Brutzahlen in diesem Jahr gut

Die lange Suche diesmal hat gezeigt: „Das war gerade noch rechtzeitig“, sagt Florian Gloza-Rausch. Denn das Zeitfenster für eine Beringung ist gering. Die Tiere müssen schon groß genug sein, aber noch nicht so sehr, dass sie flüchten können. So wurde zum Beispiel im vergangenen Jahr auf eine Beringung verzichtet, weil es schwierig war, die Tiere aus dem Nest zu holen.

Seit fünf Jahren werden die Tiere am Fledermauszentrum Noctalis beringt; für die Mitarbeiter eine willkommene Abwechslung. Der Nabu entdeckte vereinzelt Uhus, in 2012 hatte es schließlich wieder einen Brutversuch gegeben, das Uhu-Pärchen kehrte aber nicht wieder. 2014 dann die gute Nachricht: Es gibt wieder Nachwuchs. „Das hat sich jetzt etabliert“, sagt Gloza-Rausch. Deshalb hat sein Team in diesem Jahr zum Spaß Namen verteilt: „Heribert“, „Lotta“ und „Donald“. „Die Kalkberg-Uhus bekommen traditionell drei Junge“, fügt er schmunzelnd hinzu. In diesem Jahr zum ersten Mal nicht über dem Höhleneingang oder in einer Brutmulde über dem Kalkbergstadion, sondern in einem der Nistkästen. Mittlerweile sind zwölf Tiere mit Ringen der Kalkberg-Signatur versehen worden.

„Wir hoffen auch diesmal, dass die Uhus woanders Karriere machen oder eines Tages hierher zurückkehren, um zu brüten“, sagt er. Dass einer der Vögel andernorts beobachtet und gemeldet wurde, ist bisher aber noch nicht geschehen. Das würde in der Vogelwarte Helgoland registriert werden. „Die Brutzahlen sind wieder gestiegen“, zeigt sich Karl-Heinz Reiser, Leiter der Arbeitsgruppe für Uhus beim Landesverband für Eulenschutz, erfreut. Der vergangene Jahrgang war durchwachsen. „Wir haben jetzt gute Vierergelege“, sagt er. Das ist deshalb so wichtig, weil 70 Prozent der Jungen das erste Jahr nicht überleben. Beringungen dienen dem Schutz: Dadurch wird die Ausbreitung beobachtet. Obwohl die Uhus keine natürlichen Feinde haben, sterben sie durch Stromleitungen, Stacheldraht oder im Verkehr.

THW seilte sich zum Füttern ab

Dass den Uhus in Bad Segeberg besondere Beachtung geschenkt wird, zeigt 2012: Hier sorgte das Pärchen Furore. Das Männchen war gegen ein Fenster am Hochhaus am Kurpark geflogen und fiel für die Nahrungssuche aus. Das Technische Hilfswerk Bad Segeberg seilte sich 30 Meter ab, nur um Leckerlis im Nest zu deponieren. Bei den Karl-May-Spielen reagierte man umgehend: Feuerwerke wurden im selben Jahr nicht mehr nach jeder Abendvorstellung gezündet. Inzwischen passiert das zwar wieder, sie werden aber speziell ausgerichtet. „Wir freuen uns, dass die Uhus nun jeden Sommer zurückkehren.

Besonders schön ist, dass sie erstmals die Nisthilfen angenommen haben und sich somit ein etwas ruhigeres Plätzchen hinter der Bühne gesucht haben“, sagt Geschäftsführerin Ute Thienel. Der Nabu sieht die Feuerwerke zwar noch immer nicht gern. Im Noctalis ist man aber entspannt: Würden sich die Tiere nicht wohlfühlen, würden sie schließlich nicht wiederkommen.

 Irene Burow

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