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Segeberg Junger Rotmilan in die Freiheit entlassen
Lokales Segeberg Junger Rotmilan in die Freiheit entlassen
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22:03 27.07.2018
Hans Wirth freute sich auf Gut Pettluis über die ersten Flügelschläge des jungen Rotmilans in Freiheit.
Daldorf

Als einziger Überlebender eines Rotmilan-Horstes mit vier Jungvögeln hatte er es in Schleswig-Holstein zu trauriger Berühmtheit gebracht. Zwei seiner Geschwister waren tot unter ihrem Horst aufgefunden worden, ein weiteres Junges starb auf der Fahrt zum Wildpark. Wenige Tage später wurde ein ausgewachsener Rotmilan tot aufgefunden, kurz darauf ein Seeadler (die LN berichteten).

Großer Bahnhof für einen kleinen Rotmilan: Vier Wochen, nachdem seine drei Geschwister am Insektizid E 605 verendet sind und er als einzig überlebendes Jungtier von Tierpflegern im Wildpark Eekholt aufgepäppelt wurde, ist der Rotmilan am Freitag in die Freiheit entlassen worden.

„Der 20. Juni war ein schwarzer Tag für die Natur.Hans Wirth

Ornithologische Arbeitsgemeinschaft SH

„Ich bin am 7. Juni zum ersten Mal nach Blunk gekommen, um mir genau anzusehen, wie weit die beiden Rotmilanhorste voneinander entfernt sind. Das war mit nur 1,2 Kilometern der bislang kürzeste Abstand in Schleswig-Holstein“, erzählt Hans Wirth, Artbearbeiter für Rotmilane in der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein. „Das war vor dem schwarzen Tag. Am 7. Juni war noch alles in Ordnung. Dass es sich so entwickeln würde, konnte damals niemand wissen“, bedauert der Fachmann.

Der „schwarze Tag“ schließlich war am 20. Juni. An dem Tag war einer der beiden bestehenden Rotmilanhorste bereits leer. Was passiert ist, weiß man bis heute nicht. An dem Tag fand Matthias Krause von der Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach zudem die beiden toten und das gerade eben noch lebende Junge unter dem zweiten Horst. „Wir wussten nicht, dass ein viertes Jungtier im Nest war. Matthias Krause hat nur den Kopf gesehen, als der Jungvogel nach unten schaute“, sagt Lars Lorenzen von der Naturschutzgemeinschaft.

„Dass die Rotmilane nicht mehr da waren, hat man gemerkt. Wir wünschen uns so sehr, dass die Blunker-Bachniederung als Greifvogel-Habitat erhalten bleibt“, so Lorenzen. Froh ist er, dass der überlebende Rotmilan wieder bei Kräften ist. Nachdem seine Eltern und Geschwister tot waren, wurde er im Wildpark Eekholt aufgepäppelt. In der Voliere lernte er fliegen und sein eigenes Futter zu erjagen. Am Freitag wurde der kleine Rotmilan nach einer letzten Untersuchung im Wildpark auf Gut Pettluis in die Freiheit entlassen.

Auch wenn bislang nur bei den drei jungen Rotmilanen einwandfrei feststeht, dass sie dem seit 2002 nicht mehr zugelassenen Insektizid „Parathion“ (E 605) zum Opfer gefallen sind, hatte die Serie der toten Greifvögel zu einem Aufschrei vor allem bei Windkraftgegnern gesorgt, denn die Lage der Horste könnte ein K.-O.-Kriterium für Windkraftanlagen sein, die ein Investor zwischen Blunk, Daldorf und Groß Rönnau errichten möchte. Der Verdacht kam auf, Profiteure der Anlagen hätten das Gift bewusst eingesetzt, um „freie Fahrt“ für Windenergie zu bekommen. Der Bundesverband für Windenergie wies das scharf zurück. Ein Rotmilanhorst bleibt zwar ein Ausschlusskriterium für den Bau von Windrädern, auch wenn er nicht mehr besetzt ist, aber nur drei Jahre lang.

Petra Dreu

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