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Segeberg Kalkberghöhle: 1000 Besucher zum Saisonstart
Lokales Segeberg Kalkberghöhle: 1000 Besucher zum Saisonstart
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11:32 09.04.2019
Historische Führung durch die Kalkberghöhle mit Anne Ipsen. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

Mit einer Grubenlampe in der Hand, einem Schutzhelm auf dem Kopf und einem Bluetooth-Lausprecher um den Hals steht Anne Ipsen vor der bunt zusammengewürfelten Gruppe. Bei bestem Sonnenschein und 20 Grad Celsius geht es in die dunkle Kalkberghöhle – 100 Prozent Luftfeuchtigkeit bei bummelig zehn Grad. Bei dieser Exkursion geht es nicht um das Große Mausohr, von dem seltene fünf gezählte Exemplare hier leben, oder die sechs anderen Fledermausarten, die das Winterquartier gerade verlassen haben. Auch der Segeberger Höhlenkäfer, dem Laien seine Einzigartigkeit kaum ansehen würden, ist Randthema. Zum offiziellen Saisonstart wird es historisch.

Hörspiel der Erstbefahrung 1913

Ähnlich wie ein Hörspiel erleben die Teilnehmer fast hautnah mit, wie es vor fast genau 101 Jahren gewesen sein musste, als im März 1913 ein paar spielende Jungen erst ein tiefes Loch entdeckten und dann eine Wäscheleine stibitzten, um einen von ihnen in die offensichtliche Höhle abzuseilen. Die Erstbefahrung der Höhle, wie es korrekt, aus der Bergmannssprache entlehnt, heißt. Der Leinenklau flog damals auf, die Entdeckung der Höhle rief die Lehrer auf den Plan. Soweit die Geschichte, die sich zugetragen haben soll, bevor Bad Segebergs Wahrzeichen zu einem touristischen Hotspot geworden ist. Schüler und die Enkeltochter eines der Entdeckerkinder erzählen sie über Lautsprecher.

2200 Meter Gangsystem

Zigtausende von Besuchern haben sich seither auf die rund 300 begehbaren Meter des 2,2 Kilometer langen Gangsystems der einen großen Höhle mit mehreren Hallen gemacht. In den vergangenen Tagen, seit der Eröffnung am 1. April, seien es rund 1000 gewesen, so Noctalis-Geschäftsführerin Anne Ipsen. Sie bringt den Zuhörern im fahlen Licht kleiner Taschenlampen geologische Besonderheiten näher, wie Säulen und Rinnen entstehen, und dass Gipslappen klingen, ja sogar musizieren mit ihnen möglich ist.

Höhlenforscher und Geologe Dr. Friedhart Knolle (63) gehörte 1988 zum Team um Uwe Fricke, das die Vermessung der Höhle vorgenommen hatte. Noch heute ist sie die Grundlage für alle Pläne. Quelle: Heike Hiltrop

Sie berichtet von der Zoologin Erna Mohr, die angesichts der Störung der Fledermäuse (32 000 überwinterten aktuell) sowie Beleuchtung das Aus des Naturschauspiels prophezeite. Ipsen: „Sie sehen es ist nicht so gekommen.“ Was vor allem dem Umdenken für mehr Naturschutz geschuldet war. Auch die Vermessung der „atmenden“ Höhle durch Uwe Fricke und sein Team im Sommer 1988 beschreibt sie. Einer, der damals dabei war, hatte sich auch zum Saisonstart wieder eingefunden: Höhlenforscher Friedhart Knolle (63).

Saisonstart mit historischer Tour im Kalkberg

Der Geologe hat den Gips und das Gestein im Visier. Die Teilnehmer der Führung zieht es zu den Feldermäusen im Noctalis. Hier hat sich einiges getan: Das Modell des Berges mit der Freilichtarena ist nach vier Ausleihjahren zurück.

Und die kleinen Vampire sind nicht die einzigen tierischen Bewohner. In der Ausstellung „Fressen und gefressen werden“ erwartet die Besucher, 38000 waren es 2018, ein schmucker Baumpyton, die kleinsten Mäuse der Welt, prächtige Frösche und andere Überraschungen.

Besucherinfos

Mit einem Sommerticket geht es für Besucher ins Noctalis und auf eine Führung durch die Kalkberghöhle. Es kostet für Kinder sechs Euro, Erwachsene zahlen zwölf Euro. Geöffnet ist das Fledermaus-Zentrum montags bis freitags von 9 Uhr an bis 18 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 10 Uhr bis 18 Uhr, an Tagen mit Karl-May-Spätvorstellung bis 19.30 Uhr.

Heike Hiltrop

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