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Kampf den Methan-Rülpsern: Die Suche nach der idealen Kuh

Bimöhlen Kampf den Methan-Rülpsern: Die Suche nach der idealen Kuh

Das Rindvieh soll kein Klimakiller sein, sondern gesund bleiben und viel Milch geben. Auf einem Bauernhof in Bimöhlen versuchen Forscher, das alles unter einen Hut zu kriegen. Unter anderem sollen die Tiere durch Züchtung und Änderungen am Futter weniger Rülpsen und Furzen.

Im Kälberstall wächst die nächste Generation der Karkendammer Milchkühe heran.

Quelle: Spreer

Bimöhlen. Er sieht aus wie jeder x-beliebige Bauernhof, doch bei Hof Karkendamm in Bimöhlen handelt es sich um einen Versuchsbetrieb der Universität Kiel. Hier wird Forschung betrieben, Forschung rund um die Milchkuh. Und das ist eine spannende Sache.

Denn der wissenschaftliche Leiter, Dr. Wolfgang Junge vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung, und der Betriebsleiter Jens Matthiesen mit seinen vier Mitarbeitern müssen dabei mehrere Ziele unter einen Hut kriegen. Sie wollen gesunde Kälber aufziehen, die Milchmenge der Kühe steigern, ihre Krankheitsanfälligkeit senken und ihre Methanausscheidungen reduzieren. Letzteres wird immer wichtiger. Denn Kühe sind „Klimakiller“.

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Bei Kühen kommt‘s auch aufs Futter an.

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Sie rülpsen und furzen und stoßen dabei etwa alle 40 Sekunden Methan aus — über 200 Liter täglich, manche Quellen sprechen gar von bis zu 500 Litern. Und das hat Einfluss auf das Weltklima. Methan ist ein aggressives Treibhausgas und trägt zur Erderwärmung bei — vielmehr als Kohlendioxid. Die Arbeit der Uni-Leute auf Karkendamm hat demnach auch den Klimaschutz zum Ziel. Junge: „Wir wissen, dass Kühe wie andere Wiederkäuer klimaschädliche Gase ausstoßen, vor allem Methan. Die Frage ist: Wie viel ist das? Und: Wie kann man das reduzieren?“

Rund 15 Prozent der Methan-Emission kommen aus der Tierhaltung, meint Junge. Methan entsteht im Pansen und wird eher „ausgerülpst“ als dass es durch den Darm entweicht. In sogenannten Klimakammern könne man die Menge messen, doch das sei sehr aufwendig und teuer. Parallel kann man das vermutlich an einem Biomarker im Kot analysieren. Eine Doktorandin forscht derzeit, ob man den Methanausstoß auch anhand dieses Markers so korrekt messen kann wie in Klimakammern. Auf ihre Erkenntnisse sind alle gespannt. Denn daraus resultieren Fragen wie: Kann man den Methanausstoß reduzieren? Und wie?

Durch die Futtergabe oder über die Zucht? Man weiß: Die Rülpsmenge hängt stark vom Futter ab.

Das Problem: Jede Änderung beim Futter könnte zwar eventuell den Methangasausstoß verringern, aber womöglich auch die Milchleistung einer Kuh. Das ist das Dilemma einer auf Menge ausgerichteten Produktion. Zwischen 7500 und 15000 Liter Milch gibt eine Kuh jährlich. Rülpst die eine zufällig mehr als die andere? Hängt das vom Futter ab? Oder von der Milchmenge? Oder ist das genetisch bedingt? Die „Kunst“ ist nun, die Kühe herauszufiltern, die wenig gasen, aber viel Milch produzieren. Und dann noch krankheitsresistent sind. Im Grunde ist es die Suche nach der idealen Kuh.

Die Hoffnung ist, dass der Biomarker eine korrekte Alternative zur Messung in der Klimakammer darstellt. Junge: „Der Pansen der Kuh ist wie ein Gärbottich. Durch bestimmte Arten von Bakterien wird das Methan erzeugt. Diese werden weit hinten im Darm verdaut, aber Zellwandbestandteile von ihnen bleiben über. Im Kot kann man den Zellwandbestandteil dieser Arten messen.“ Von der Doktorarbeit erhofft man sich Aufklärung, wie man weiter verfahren sollte.

Sicher sei, so Matthiesen: „Wer viel Milch produziert, der frisst auch mehr.“ Wäre es besser, wenn die Kühe weniger Methan produzierten, aber dafür auch weniger Milch gäben? Unklar jedenfalls ist:

Nimmt die Methanmenge proportional zur vermehrten Futteraufnahme zu? Das wäre kein gutes Ergebnis. Die „Karkendammer“, das Gut gehört seit 1978 der Universität, wollen mit ihrer Arbeit aber nicht nur „wenig gasende“ Kühe für die Landwirtschaft heranziehen, sondern auch solche, die viel Milch produzieren. Das zumindest gelingt bisher. Ihre Kühe erzeugen durchschnittlich im Jahr 11500 Kilo Milch (der Landesdurchschnitt liegt bei 9000 Kilo) — „damit gehören wir zu den besten fünf Prozent der Erzeuger“, sagt Matthiesen.

Das Gut unterliegt dem Zwang zur Produktionssteigerung, stellt der Betriebsleiter klar. Es muss sich nämlich finanziell selbst tragen, das Gut produziert Getreide, Fleisch und vor allem Milch.

Matthiesen: „Was wir kaufen wollen, müssen wir uns mit Verkäufen verdient haben.“ Doch bei den Erlösen hapert es. Matthiesen: „Unser Kontostand ist Besorgnis erregend schlecht. Wir haben 2015 dieselbe Milchmenge verkauft wie 2013, und doch uns fehlen 250000 Euro Einnahmen.“ Grund sei „der dramatische Preisverfall“, erklärt Junge: „Ein Cent je Liter mehr oder weniger sind für uns 20

000 Euro im Jahr. Unsere Kosten sind erst bei 37 Cent je Liter gedeckt.“ Matthiesen: „Wir kriegen derzeit aber nur 26 Cent.“

Forschung für gute Milch und gesundes Klima

190 Milchkühe und 210 Kälber und weibliche Jungtiere leben auf dem Hof Karkendamm in Bimöhlen. Die Milchkühe liefern durchschnittlich 11500 Kilo Milch pro Jahr — ein sehr guter Wert. Pro Jahr verkauft das Gut etwa zwei Millionen Liter Milch. Betriebsleiter Jens Matthiesen, ein Herdenleiter, ein weiterer Mitarbeiter und zwei Auszubildende bewirtschaften darüber hinaus 221 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche.

Die Uni Kiel hält neben diesem Hof zwei weitere. An der Eckernförder Bucht wird Ökolandbau und Schweinehaltung betrieben, bei Achterwehr ist ein Marktfruchtbetrieb (Raps, Gerste), der auch Schweine hält.

1978 wurde das Gut Karkendamm von der Uni übernommen, weil die Agrarwissenschaftliche Fakultät bis dahin keine Forschungsmöglichkeit auf dem Gebiet der Milchviehhaltung hatte.

Dabei ist dieser Betriebszweig für Bauern finanziell besonders wichtig. Die Forschung richtet sich vor allem auf die Messung der Futteraufnahme der Tiere, ihre Krankheitsanfälligkeit, ihre Milchproduktion und die Zucht. Neue Melktechniken und Haltungsformen sowie variierende Futtergaben werden immer wieder getestet — vor allem in Bezug auf die unerwünschte Methanproduktion der Kühe.

spr

Christian Spreer

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