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Segeberg Kandidatenmangel: Trabis stehen vor dem Aus
Lokales Segeberg Kandidatenmangel: Trabis stehen vor dem Aus
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20:44 04.01.2018
„Aufgrund der Personalsituation werden die Trabis wohl schließen“, sagt Fraktionsvorsitzende Ute Böse. Am 17. Januar ist Fraktionssitzung.

Dass in Dörfern der Gemeinderat von nur einer Wählergemeinschaft besetzt wird, ist nicht neu. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele auch im Amt Bornhöved, zu dem Trappenkamp gehört: Damsdorf, Gönnebek, Stocksee, Tarbek, Tensfeld. Trappenkamp aber ist kein Dorf, hier legt man Wert darauf eine „Gemeinde“ zu sein. Größer als ein Dorf. Zuletzt konnte Trappenkamp wieder die 5000-Einwohner-Marke überspringen und dürfte sich damit für einen hauptamtlichen Bürgermeister entscheiden. Und: Die neue Gemeindevertretung wird größer: Statt 17 werden am 6. Mai sogar 19 Gemeindevertreter gewählt. Zehn direkt, neun über die Liste. Und wie es momentan aussieht, werden alle der SPD angehören. Die Partei wird damit ihre Sitze mehr als verdoppeln.

Der formale Beschluss der Wählergemeinschaft Trabi steht zwar noch aus, aber die Mitgliedersituation ist katastrophal vor der Kommunalwahl im Mai. „Wir werden nicht antreten“, sagt Vorsitzender Bernd Wedel. Übrig bleibt als einzige politische Kraft dann nur noch die SPD.

19 Gemeindevertreter werden am 6. Mai für Trappenkamp gewählt. Zwei mehr als bei der Kommunalwahl 2013, da die Gemeinde nun über 5000 Einwohner hat. Bis zum 12. März, 18 Uhr, müssen die Kandidatenlisten der teilnehmenden Parteien beim Wahlleiter vorliegen.

Denn bei den Kommunalwahlen war es eng zwischen Trabis und SPD. 2008 bekam die Wählergemeinschaft über 48 Prozent der Stimmen, 2013 waren es 46,6 Prozent. Acht Sitze gegen neun bei der SPD. Der Zweikampf, der auch in so mancher Gremiensitzung ausgefochten wurde, wird mit der kommenden Wahl enden – wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Den Trabis ist es nicht gelungen, Nachwuchs zu gewinnen. „Keiner will Verantwortung übernehmen“, klagt Trabi-Vorsitzender Bernd Wedel. Überall sei es das gleiche Bild. Auch in Vereinen. Was politisch im Ort geschehe, interessiere viele nicht mehr. Zuschauerinteresse bei den Gemeinderatssitzungen habe es nur gegeben, wenn es um das Baugebiet gegangen sei.

Die Mitglieder-Misere bei den Trabis hat sich länger angekündigt. Der harte Kern der Trabis ist alt geworden – einige wollten eigentlich in dieser Wahlperiode schon nicht mehr wirklich mitmachen.

Drei der aktuellen Trabi-Gemeindevertreter sind in den 1930er Jahren geboren und über 80 Jahre alt, sagt Wedel. Manche sind gesundheitlich angeschlagen, können nicht wieder antreten. Er selbst wird 70. Der jüngste Trabi-Vertreter ist Jahrgang 1960 und hat bereits vor einiger Zeit angekündigt, nicht weiterzumachen – aus beruflichen Gründen, so Fraktionschefin Ute Böse (59). „Wir werden die Trabis wohl schließen“, sagt sie. Nach zehn Jahren. „Es ist traurig.“ Aber man habe keine 19 Kandidaten – oder auch nur zehn für die Direktmandate.

Hoffnung hatte man noch gesetzt in Burghardt Scholz, der vor einem Jahr den Versuch startete, eine zweite Wählergemeinschaft zu gründen. Die Bit – Bürgerinteresse Trappenkamp. Aber ohne Erfolg. „Wenn er ein paar Leute gefunden hätte und wir, dann hätten wir uns zusammentun können“, sagt Böse. Doch daraus wurde nichts. Am 17. Januar trifft sich die Fraktion, dann soll über die Zukunft der Trabis abgestimmt werden. Das Ergebnis scheint klar. Und ohne die Trabis werde auch sie nicht politisch weitermachen, kündigt Böse an.

Ein ehemaliges Trabi-Mitglied, Astrid Niels, hat sich unterdessen der SPD zugewandt und ist dort Mitglied geworden, sagt SPD-Ortsvorsitzender Axel Barkow, der sich über eine positive Mitgliederentwicklung freut. Man werde 19 Kandidaten aufstellen können – am 20. Januar (14 Uhr, Bürgerhaus) ist Mitgliederversammlung. Trotzdem sei es „ärgerlich“, dass die Trabis keine Kandidaten zusammenkriegen. „Eigentlich müsste ein Ort wie Trappenkamp mehrere Parteien haben“, sagt er. „Politische Konkurrenz wäre wünschenswert“, sagt auch Bürgermeister Harald Krille. Nur eine Partei auf dem Wahlzettel – „die Wahlbeteiligung wird entsprechend gering sein“.

20 Jahre Trabis

1998 gründete sich die Wählergemeinschaft Trappenkamper Bürgerinteresse – kurz Trabi. Ursprünglich war das Anliegen, neben SPD und CDU weiterhin eine dritte Kraft zu gewährleisten. Seit 2008 tritt auch die CDU nicht mehr zu Kommunalwahlen an in Trappenkamp. Lösen sich nun die Trabis auf, bleibt am 6. Mai nur noch die SPD als Wahloption.

Nadine Materne

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