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Segeberg Kaum Schmetterlinge in den Gärten
Lokales Segeberg Kaum Schmetterlinge in den Gärten
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22:31 08.08.2018
Der Schmetterlingsgarten in Kaltenkirchen hat immer mittwochs von 14 bis 17 Uhr geöffnet. FOTOS(4): IRENE BUROW
Kaltenkirchen

Ein liebevoll gestalteter Schmetterlingsgarten ist in Kaltenkirchen angelegt. An der Tür hängt jedoch ein Schloss – Zutritt zu dem 3000 Quadratmeter großen Areal gibt es nur mittwochs. „Die Menschen haben hier herumgehangen und Bier getrunken, liefen den Hang herunter und haben ihre Hunde im Biotop nebenan baden lassen“, sagt Landschaftsführerin Monika Weber, die sich im Naturschutzbund engagiert. Es werde geraucht und einfach keine Rücksicht genommen. „Ist ein Hang erst mal abgetragen, wird der Sand nie wieder so fest“, sagt sie. Deshalb ist die Tür verschlossen. Vor zwei Wochen wurde sogar bemerkt, dass jemand Feuer auf dem Gelände gelegt hat. Es wurde Brandbeschleuniger gefunden, eine Bank ist dabei verbrannt. „Sowas Seltsames haben wir noch nie erlebt“, ärgert sich Monika Weber. „Bei dieser Hitze – wer macht so etwas?“

Besonders an sonnigen und warmen Tagen sind sie da: Dann haben Schmetterlinge Hochsaison. Auf Feldern und am Wegesrand – oder in extra angelegten Gärten. In Segeberg gibt es drei. Der Nabu schließt allerdings ab – zum Schutz. Wegen der Hitze gibt es derzeit nur wenige Falter.

Das gleiche Bild zeigt sich in Bad Segeberg, der Schmetterlings- und Weidengarten im Kastanienweg ist nicht zugänglich. Führungen gibt es nur nach Anmeldung. „Er wurde als Kinderspielplatz verwendet, Besucher haben Müll hinterlassen und sogar gezeltet“, erinnert sich die Nabu-Vorsitzende der Stadt, Ruth Severin. Damit niemand mehr auf Decken die Pflanzen plattdrückt, ist die Türe zu. Auf dem rund 2000 Quadratmeter großen Areal stehen Pflanzen, die früher hier heimisch waren. Schmetterlinge legen ihre Eier an Blüten und Stängel von Wildpflanzen, damit die Nachkommen gleich Nahrung finden.

Momentan gibt es jedoch vergleichweise wenig Schmetterlinge. „Vor 20 Jahren haben wir den Kohlweißling noch als Schädling bekämpft, heute sind wir froh, wenn wir ihn überhaupt mal sehen“, sagt Arno Müller vom Nabu Kisdorferwohld. Er kümmert sich täglich um den Schmetterlingsgarten in Kaltenkirchen. „Wir haben insgesamt weniger Insekten, 70 Prozent, einschließlich der Schmetterlinge“, sagt er.

„Bei der Hitze finden die Raupen kaum etwas zu fressen“, erklärt Monika Weber. So sind auch in den privaten Gärten momentan kaum farbenfrohe Falter zu sehen.

Die Ehrenamtler wollen dennoch weitermachen. Um wieder so schöne Entdeckungen wie diese zu machen: Kürzlich war der seltene Schwalbenschwanz im Schmetterlingsgarten zu Gast. Das Areal in Kaltenkirchen liegt im Freizeitpark, ein ehemaliges Kalksandsteinabbaugebiet. Gerade wurde dort mit rund 250 Besuchern Zehnjähriges gefeiert. Zu diesem Anlass hat die Stadt der Ortsgruppe im Juli eine Wasserleitung zum Areal gelegt. Das erleichtert die Pflege jetzt ungemein. Besondere Pflanzen sind hier zu finden – Nektar- und Fresspflanzen. Brennnessel, Flockenblume oder Sommerflieder ziehen zum Beispiel Tagpfauenaugen, Distelfalter oder den Kleinen Fuchs magisch an. Der Schmetterlingsgarten in Bad Segeberg ist ein Schaugarten und liegt auf der Fledermausroute vom Kalkberg zum Großen Segeberger See. Auch der Erlebniswald Trappenkamp ist bekannt für seinen Schmetterlingsgarten, wo der Admiral oder das Widderchen zu Besuch kommen. Auf einem Metamorphosepfad können Besucher den Wandel von der Raupe zum Schmetterling nachempfinden.

Der Nabu freut sich über Helfer: Bad Segeberg, Ruth Severin, Telefon: 04551/944369; Kisdorferwohld, Karl Ratjen, Telefon: 04191/6600

Schillerfalter: Nabu Schleswig-Holstein bittet um Meldung

Mit gut sieben Zentimetern Flügelspannweite gehört der Große Schillerfalter zu den größten heimischen Tagfaltern. Bedingt durch die versteckte Lebensweise wird der Bestand wohl unterschätzt. In der Roten Liste der Tagfalter des Landes ist er als ,gefährdet’ eingestuft. Der Nabu ruft daher dazu auf, bei Wald-Spaziergängen die Augen offen zu halten. „Dabei wäre ein Fotobeleg, der auch unscharf sein kann, sehr hilfreich und wichtig“, teilt Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski mit. Besonders morgens kommen sie in Bodennähe. Sonst leben sie in Baumkronen. Nur die Männchen schillern prächtig. Er wird leicht mit dem Kleinen Schillerfalter oder dem Kleinen Eisvogel verwechselt. Diese sind noch viel seltener. Das Falterleben dauert ab Juli nur rund acht Wochen.

Irene Burow

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