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Keine böse Überraschung zum Fest

Norderstedt Keine böse Überraschung zum Fest

Der Verein „Paulinchen“ in Norderstedt warnt zur Advents- und Weihnachtszeit vor Umgang mit Feuer und heißen Getränken.

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Anneliese Stapelfeldt, die als stellvertretende Vorsitzende die Bundesgeschäftsstelle des Vereins „Paulinchen“ in Norderstedt leitet, warnt: „Eine Brandnarbe bleibt ein Leben lang.“

Quelle: Fuchs

Norderstedt. Die Weihnachtszeit bringt nicht nur Freude und leuchtende Kinderaugen in die Familien. Sie ist auch gefährlich, was mögliche Unfälle mit Feuer und heißen Flüssigkeiten angeht, warnt Anneliese Stapelfeldt vom Verein „Paulinchen“, der Initiative für brandverletzte Kinder, die sich seit 1993 um die Unterstützung und Beratung von Eltern kümmert, deren Kinder sich verbrannt oder verbrüht haben. „Wir wollen mit unseren Aktionen davor warnen, wie schnell sich Kinder durch Feuer oder heiße Flüssigkeiten verletzten können“, sagt die stellvertretende Bundesvorsitzende, die die Bundesgeschäftsstelle von „Paulinchen“ in Norderstedt leitet.

„Was die wenigsten Menschen wissen: Schon eine Temperatur von 52 Grad Celsius reicht, um die Haut erheblich zu schädigen. Und eine Tasse Tee ist oft viel heißer.“ In den meisten Unfällen hätten die Eltern die Reichweite und Schnelligkeit ihrer Kinder unterschätzt. So halte sich die Zahl der brandverletzten Kinder in Deutschland weiterhin auf einem hohen Niveau, klagt Stapelfeldt. 31 000 Kinder und Jugendliche erlitten jedes Jahr zum Teil schwerwiegende Verbrennungen, die oft jahrelang behandelt werden müssten und unschöne Narben hinterließen. Die allermeisten von ihnen — drei von vier Betroffenen — seien Kinder unter fünf Jahren, so die Paulinchen-Vizevorsitzende. „Verbrühungen sind inzwischen die Unfallursache Nummer eins.“ 1500 Kinder werden jedes Jahr so stark verletzt, dass sie monatelang in Spezialkliniken behandelt werden müssen und zum Teil in Lebensgefahr schweben. 6000 Kinder müssten stationär in Krankenhäusern behandelt werden.

Darum rät sie vor allem Eltern kleiner Kinder, den Herd in der Küche zu einer abgesperrten No-Go-Area für die Kleinen zu erklären, damit diese sich nicht an den heißen Ofen- oder Herdplatten verletzten können. Ein solcher Sicherheitsabstand sollte auch vorsorglich um brennende Kerzen abgesteckt werden, rät Stapelfeldt, die selbst vor vielen Jahren erleben musste, wie sich ihr Sohn schwerwiegend an einer Kerze verbrannt hat. Zudem sollten Backofen- und Kaminofentüren gesichert, das Haus mit Rauchmeldern ausgestattet und Kindern niemals das Abbrennen von Wunderkerzen erlaubt sein. Der Adventskranz sollte auf einer feuerfesten Unterlage stehen. Und Kerzen immer nur im Beisein von Erwachsenen angezündet werden. „Stellen Sie heiße Getränke in die Mitte des Tisches, sodass Kinderhände sie nicht erreichen können“, rät Stapelfeldt weiter. „Und hantieren Sie nicht mit heißen Getränken, während sie ein Baby im Arm oder auf dem Schoß halten. Denn Kinder sind neugierig und versuchen, die Tasse oder das Glas zu greifen, um zu sehen, was darin ist.“

Wer nicht auf brennende Kerzen am Weihnachtsbaum verzichten möchte, sollte kleine Kinder in dessen Nähe nicht allein lassen. „Feuerzeuge und Streichhölzer bitte immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren“, appelliert die Vizevorsitzende des Vereins, der bundesweit 1150 Mitglieder zählt und zahlreiche Preise für seine Kinderschutzaktivitäten im In- und Ausland eingeheimst hat. Wenn die Kinder älter sind, sollten die Eltern ihnen aber den richtigen Umgang mit Feuerzeug und Streichhölzern zeigen. „Denn alles, was verboten ist, übt einen zusätzlichen Reiz auf die Kinder aus.“

Broschüre auch in arabischer Sprache

4000 Anfragen und Beratungen organisiert der Verein „Paulinchen“ in seiner Bundesgeschäftsstelle in Norderstedt (Segeberger Chaussee 35) jedes Jahr über seine kostenlose Hotline (0800/0112123). Den Anrufern könnte mit einem Netzwerk zahlreicher Adressen und Ansprechpartner von Kliniken, Ärzten, Sanitätshäusern, Therapiemöglichkeiten und Selbsthilfegruppen schnell und umfassend geholfen werden. So habe die Uniklinik Lübeck gerade eine Station für solche Brandverletzungen eingerichtet.


Wenn sich ein Kind durch Feuer oder heiße Flüssigkeiten verbrannt hat, sollte die betroffene Körperstelle sofort gekühlt werden, allerdings mit handwarmen Wasser (etwa 20 Grad Celsius), damit es nicht zu einer Unterkühlung kommt.


„In jüngster Zeit stellen wir eine zunehmende Zahl von Verletzungen bei Migrantenkindern fest“, sagt die stellvertretende Bundesvorsitzende Anneliese Stapelfeldt über die Entwicklung durch die Flüchtlingskrise. Deshalb habe der Verein „Paulinchen“ seine bunte Notfallbroschüre „So schützen Sie Ihr Kind vor Verbrennungen und Verbrühungen“ nach türkischer nun auch in arabischer Sprache aufgelegt. „Unser Ziel ist es, alle werdenden Mütter mit unseren Warnhinweisen zu erreichen.“ Denn zwei von drei Unfällen ließen sich durch Aufklärung vermeiden.

Burkhard Fuchs

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