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Segeberg Kenner von Guts- und Schlossgärtnereien
Lokales Segeberg Kenner von Guts- und Schlossgärtnereien
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18:31 02.06.2018
Das Buch ist reich bebildert mit alten Karten, historischen Ansichten, neuen und alten Fotos von den Luxusgärten und den Gärtnern, die sie pflegten.
Bad Segeberg

Als Jochen Paustian vor vier Jahre als langjähriger Leiter der Bad Segeberger Dahlmannschule in Pension ging, hatte er noch angekündigt, an seinem Krad DKW 200 aus den 30er Jahren zu schrauben.

Er ist der Sohn des letzten Schlossgärtners von Gut Panker: Jochen Paustian. Jetzt veröffentlicht der frühere Leiter der Dahlmannschule das Buch „Guts- und Schlossgärtnereien in Ostholstein“. Es widmet sich den Gärtnern, die über Jahrhunderte Küchen- und Lustgärten pflegten.

Doch daraus wurde nichts, Geographielehrer Paustian „schraubte“ anders und erfüllte sich einen Traum. Er legt jetzt nach vier Jahren „Unruhestand“ ein fulminantes wissenschaftliches Werk vor:

„Schlossgärtnereien in Ostholstein/Eine historisch-geographische Untersuchung“. Es geht Paustian dabei weniger um die Architekten, die Schlossgärten und Parkanlagen im Auftrag des Adels anlegten, sondern um die sonst nie gewürdigten Guts- und Schlossgärtner des 18. bis 20. Jahrhunderts. Oft waren sie es, die die Fehler der höfischen „Stararchitekten“ in den Parkanlagen heilen mussten. Sie hatten das Wissen um die Pflanzen, waren die „Gartenkünstler“ des Nordens, die hier exotische und mediterrane Früchte gedeihen ließen. Und nicht zuletzt waren sie Garanten dafür, dass in den Gütern Essen auf den Tisch kam.

Alles im Buch ist mit Quellenangaben belegt

Paustian ist familiär vorgeprägt. Sein schon früh gestorbener Vater hatte schon von 1936 an die Gärtnerei und den herrlichen Park von Gut Panker gepflegt und weiterentwickelt. Der Sohn wollte schon deshalb mehr über die Geschichte dieser Gartenanlage recherchieren. Er forschte und forschte, es wurde immer mehr, was der pensionierte Lehrer aus den Archiven zutage förderte. Längst ging es auch um die Gärten und Parkanlagen von mehr als 70 Gütern zwischen Kieler Förde und Lübecker Bucht. Immer mehr Quellen kamen zum Vorschein. „Bei mir reifte die Idee, daraus ein Buch zu machen.“ Es wurde eine wissenschaftliche Arbeit, in der alles mit Quellenangaben belegt ist. Aber die wurden in dem herrlich bebilderten Buch aus dem Wachholtz-Verlag so geschickt eingebettet, dass sie den Lesefluss nicht stören und die Sehnsucht des Lesers, hinter die alten Mauer der Gutshöfe zu schauen und etwas über das Leben und Fachwissen der Gärtner vergangener Jahrhunderte zu erfahren, nicht behindert. „Das ist das erste Buch, das sich mit Guts- und Schlossgärten beschäftigt“, bekräftigt Paustian. Nur noch sehr wenige Gutsgärtnereien sind als solche heute noch erlebbar oder gar öffentlich mit einem Cafe, wie zum Beispiel auf Gut Sierhagen, zugänglich. Aber Paustians Band ist kein Führer für gartenbegeisterte Touristen, die auf eigene Faust Küchen und Lustgärten – oder das, was davon übrig ist – besichtigen wollen. Paustian bietet Einblick in eine Facette der Landesgeschichte, präsentiert detailgetreu Tagebücher von Gärtnern aus dem 19. Jahrhundert: Wann sie die Orangen- und Feigenbäume aus den Orangerien holten, wann sie Farnsämlinge eintopften oder im Gemüsegarten „geyätet und Hecken geschorren“ haben. Spannend ist auch ein detaillierter „Lehrplan“ für die Ausbildung von Schlossgärtnern von 1811. Lehrer Paustian ist ganz begeistert von diesem Fund. Wann wurden Gärtner von der Leibeigenschaft befreit, wie wurden die mehr als 100 Meter langen Mistbeete angelegt? Das Buch ist ein Fundus auch zum praktischen Gärtnern anno dazumal. In Zeiten niedriger Löhne und höherer Gewinne in der Gutswirtschaft sei es früher deutlich leichter gewesen, die kulturhistorisch wertvollen Parkanlagen und Gärten durch gut ausgebildete Gutsgärtner pflegen zu lassen. „Es wäre zu wünschen, dass auch in heutiger Zeit diese Kulturgüter erhalten werden können“, regt Paustian an.

Türen bei den Gutsbesitzern standen ihm meist offen

21 Gutsgärtnereien werden in dem Buch vorgestellt. Auch die Schlossgärtnereien in Eutin, Plön und Panker werden detailliert beschrieben. Selten gab es alles in öffentlich zugänglichen Archiven.

„Aber die Türen standen meist offen. Einige Gutsbesitzer waren sehr hilfsbereit. In einigen Privatarchiven hat man mir alle Freiheiten gegeben,“ schwärmt Paustian. Da war ihm auch der Zeitaufwand für die aufwändige Recherchen nicht zu viel. Er listete im Anhang des Buches die vielen Gärtner und Gartengehilfen auf, die über Jahrzehnte – bis in hohe Alter – die Prestige-Gärten der Adelsfamilien hegten und entwickelten. Von dem Wissen dieser Gartenkünstler bei Hofe profitieren wir heute noch. Autor Paustian ist selbst Praktiker. Zu Hause arbeitet er im 1300-Quadratmeter-Garten.

Und die alte DKW kommt auch noch irgendwann zu ihrem Recht. . .

Lesung in Eutin

Da stecken vier Jahre Arbeit drin: Das im Wachholtz-Verlag erschienene Buch „Guts- und Schlossgärtnereien in Ostholstein“ wurde vom Autor Jochen Paustian noch gar nicht offiziell vorgestellt, da gibt es schon Vorbestellungen. Auch im „Druckwerk“ ist es jetzt schon für 24,80 Euro erhältlich. Am Dienstag, 5. Juni, stellt Paustian sein Werk von 19.30 Uhr an in Eutin vor. Die Lesung mit Präsentation vieler Pläne und Fotografien über die prachtvollen Gärten und Parks Ostholstein aus dem 18. und 19. Jahrhundert findet in der Landesbibliothek, Schlossplatz 1, statt. Eintrittskarten (12 Euro) kann man über ☎ 04521/70780 bei der Buchhandlung Hoffmann in Eutin reservieren oder an der Abendkasse erwerben.

Wolfgang Glombik

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