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„Kennst du denn auch schon Moin?“

Boostedt „Kennst du denn auch schon Moin?“

Seine Sommertour führte Ministerpräsident Albig gestern zur Erstaufnahme für Flüchtlinge in Boostedt.

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Torsten Albig (r.) im kurzer Schnack mit Ylber (12). „Moin“, den typischen Gruß im Norden, kennt der Junge aus Albanien zwar nicht, aber die ersten Deutschbrocken wie Ja, Nein und das Zählen klappen.

Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Boostedt. Es waren nicht die Bilder von massenhaft untergebrachten Flüchtlingen, die auf engen Pritschen mit ein paar Wolldecken hocken. Das, was Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gestern in der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge und Asylbewerber in Boostedt zu sehen bekam, war seinem ersten Eindruck nach ein „Ort, an dem man ankommen kann“, wo sich viele kümmerten, die Stimmung spürbar gut sei. Gut 350 Männer, Frauen und Kinder sind derzeit dort untergebracht.

Sein erster Stopp beim Rundgang mit Katja Ralfs, der stellvertretenden Leiterin im Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, und Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU): die Verwaltung. Zwischen Taschengeldausgabe, kleiner Polizeistation und Ersatz-Passbüro gibt es nicht nur Smalltalk. Winterabschiebestopp, die Flut von Anträgen werden zwischen dem Landeschef und den Leuten an der Basis angeschnitten. Es sei eine sehr angenehme Aufgabe, alle seien gerne hier, sagt Polizistin Nicole Böckers, die zu der kleinen Dienststelle auf dem Gelände gehört. Sie spricht von sich und den Kollegen, die sich um die Menschen kümmern, die aus Kriegs- und Krisengebieten kommen.

Ausgelassen spielen Jungen und Mädchen in der neuen Kinderstube, der nächsten Station der Besucher. Ein großer Raum mit selbstgemalten Bildern an den Wänden. Ab Januar soll die Beschulung vor Ort beginnen, erfährt Albig. Dann geht es zur medizinischen Servicestelle und vorbei am Volleyballfeld zu zusätzlichen Gebäuden für die Unterbringung. „Platz haben wir genug“, sagt Katja Ralfs. Der Tross erregt aufsehen. Die Flüchtlinge beobachten Albig. Die Atmosphäre ist sehr freundlich und locker. Khalid, Shukri und ein paar andere junge Iraker, die vor neun Tagen in Boostedt ankamen, wollen ein Gruppenfoto mit dem Politiker. Handyfotos werden gemacht. Ein kleiner Junge zwängt sich nach vorne. Ylber aus Afghanistan. „Kennst du denn auch Moin?“, fragt Albig. Kopfschütteln, aber Ja, Nein und zählen auf Deutsch, das klappt. Was ein guter Anfang sei, räumt der Ministerpräsident ein.

Auch in Boostedt sei die Diskussion im Vorwege nicht leicht gewesen, sie habe ein breites Kreuz benötigt, so Albig. Das, was er nun sehe, sei Verdienst großer Anstrengungen. Politik, Medien und Gesellschaft seien gemeinsam gefordert, Antworten auf mitunter feindselige Einstellung zu geben. „Ich habe viel Verständnis für Menschen, die im ersten Zugang sagen, dass ihnen Fremdartigkeit Sorgen mache. Das darf man nicht wegreden. Kennenlernen hilft am Besten gegen Fremdheit — die Menschen in Boostedt zeigen wie‘s geht.“ Und König betont, dass er als „kleiner Bürgermeister“ ja nicht anordnen könne, sondern alle zum gemeinsamen Handeln einen müsse.

Albig forderte noch einmal entschieden mehr Unterstützung vom Bund. Verantwortungsgemeinschaft dürfe keine Worthülse sein. Menschen in Wohnungen zu bringen, sei eine große Aufgabe. „Die Gemeinden leisten Großartiges.“ Doch niemand in Europa sei vorbereitet. „Wir sind immer hinter den Problemen.“ Seinem bayrischen Amtskollegen Horst Seehofer (CSU), der eine schärfere Politik gegenüber Asylbewerbern aus dem Balkan fordert, warf Albig sinnlosen Populismus vor: „Was wir brauchen, sind Antworten auf den Verfahrensstau.“

„Kennenlernen hilft gegen Fremdheit — die Menschen in Boostedt zeigen wie‘s geht.“
Torsten Albig (SPD)

Heike Hiltrop

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