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Segeberg „Kinderarbeit“ für den guten Zweck
Lokales Segeberg „Kinderarbeit“ für den guten Zweck
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22:08 14.07.2016
Sozialer Tag beim Wege-Zweckverband: Schüler Bjarne Befker (11) hilft Kfz-Mechatroniker Nils-Ole Hargens bei der Inspektion eines Fahrzeuges. Der Kraftstofffilter soll gewechselt werden. Zwei Stunden darf er arbeiten. Der Lohn – 14 Euro – wird gespendet an „Schüler helfen leben“.

Spinde ausräumen, aussaugen und dann mit dem Lappen durchwischen. Putzen gehört für die Brüder Jannik (14) und Thilo Rahlf (11) eigentlich nicht zu den Lieblingsjobs. Aber beim Sozialen Tag greifen die beiden Schüler der Burgfeldschule gern zu Besen und Putzeimer beim Wege-Zweckverband. „Das ist mal was anderes“, sagt Thilo. Immerhin müssten sie sonst die Schulbank drücken. „Und es macht auch Spaß“, findet Jannik. Immerhin geht es schließlich darum, anderen Kindern zu helfen mit dem Lohn des Putzdienstes. Für den guten Zweck gingen gestern vier Jungen beim WZV jobben – für sieben Euro die Stunde.

Schuften statt Schule: Für einen Stundenlohn von sieben Euro jobbten vier Jungen gestern am Sozialen Tag beim WZV.

„Vielleicht sieht man einen der Schüler ja mal als Azubi wieder. Das ist für uns auch Eigenwerbung.“Jens Kretschmer, WZV-Chef

Green Day, Girls und Boys Day, Sozialer Tag – beim Wege-Zweckverband haben Schüler immer gute Chancen auf einen Platz. Die Teilnahme begreift das Unternehmen als regionales Engagement, sagt Julia Büttner vom WZV. Auch wenn der Aufwand dafür größer wird und die Beteiligung rückläufig ist (die LN berichteten). Das liege aber nicht unbedingt am bürokratischen Aufwand, sondern eher der Vielfalt der Aktionstage, so Büttner. Vielmehr sei es ein organisatorischer Aufwand – etwa wenn Eltern erst am Nachmittag des Vortages anriefen und nach einem Platz für ihre Kinder fragten. „Bei so kleinen Steppkes, die sind teilweise erst elf Jahre alt, sagen wir natürlich dann nicht nein“, so Büttner. Auch, weil der Betrieb vorbereitet sei, etwa in Bezug auf passende Arbeitskleidung inklusive Sicherheitsschuhen in Kindergrößen. Und natürlich sei auch ein gewisser Eigennutz dabei, sagt Verbandschef Jens Kretschmer. So lernten die Kinder das Unternehmen kennen – und werden vielleicht mal Azubi dort. „Wir sind bei den meisten diejenigen, die den Müll abholen“, so Kretschmer. Nicht der beliebteste Job. „Die meisten wissen nicht, dass wir aber sieben Ausbildungsberufe anbieten.“ Zum Beispiel zum Kraftfahrzeug-Mechatroniker wie Nils-Ole Hargens. Der Geselle betreut seinen kleinen Helfer Bjarne Befker. „Wir tauschen Filter aus“, berichtet der Elfjährige. Der Ölfilter ist schon raus, dann geht’s an den Kraftstofffilter. Den Job des KfZ-Mechatronikers kann sich Bjarne bisher aber nicht vorstellen – oder sonst einen Jobwunsch.

Bei Hausmeister Manfred Evers ist an diesem Tag Arne Losing (13) beschäftigt. Kleine Holzplatten sägen darf er, Löcher bohren und Streichen. Das fetzt. Und am Ende hat der 13-Jährige richtig etwas vorzuweisen. Die Schilder mit Beschreibungen zu Weißdorn, Hasel und Co sollen im Garten des Martin-Meiners-Förderverein aufgestellt werden.

 Nadine Materne

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